Ein entscheidender Faktor für erfolgreicheres Investieren wäre, den eigenen Entscheidungen eine klare Struktur zu geben. Eine Trading-Strategie müsste her, die Sie als Anleger wie ein Rückgrat begleitet. Und ja, es gibt eine Vielzahl möglicher Strategien, aber:
Nicht jede ist für jeden Anleger geeignet. Es findet sich in der Palette möglicher Strategien sogar die eine oder andere, die nur gut klingt, aber nicht effektiv funktioniert oder längst von der Entwicklung der Märkte überholt wurde. Wir stellen Ihnen in diesem Artikel sieben grundsätzlich funktionierende Strategien vor, um Ihnen einen Überblick zu verschaffen, welche dieser Vorgehensweisen Ihnen liegen könnte.
Inhalt
Die Dividendenstrategie
Die Dividendenstrategie basiert auf der Grundidee, dass Unternehmen, die auf ihre Aktien hohe Dividenden zahlen, damit nicht nur aufgrund dieses aus der Dividende resultierenden zusätzlichen Gewinns lukrativ sind, sondern auch, weil sie solide sein dürften, d.h. aller Voraussicht nach auf stabilen Füßen stehen, denn ansonsten könnten sie diese hohen Dividenden nicht zahlen.
Gerade in unsicheren Börsenphasen kann diese Dividendenstrategie daher sehr vorteilhaft sein, während in Phasen starken Wirtschaftswachstums und dynamischer Aufwärtstrends am Aktienmarkt tendenziell mehr auf wachstumsstärkere Unternehmen gesetzt wird, die ob des schnellen Wachstums zwar wenig oder keine Dividende zahlen, dafür aber tendenziell die Chance für höhere Kursgewinne bieten.
Steckbrief Dividendenstrategie:
- Zeithorizont: mittel- und langfristig
- Risiko: niedrig bis mittel
- Gewinndynamik: mittel
- Zugehörigkeit: fundamentale Analyse
- Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand: niedrig
Die Value-Strategie
Mit der Value-Strategie setzt ein Investor auf Aktien, deren Unternehmen besonders „wertvoll“ in dem Sinne sind, dass die Aktien im Verhältnis zum Wert des Unternehmens besonders günstig sind. Hierzu setzt man den Buchwert, d.h. den Wert aller dem Unternehmen zugehörigen Werte, in Relation zum Kurswert aller ausgegebenen Aktien. Bei „Value-Aktien“ liegt der Buchwert des Unternehmens höher als der der ausgegebenen Aktien, diese lassen sich also in dieser Hinsicht als unterbewertet ansehen.
Die Value-Strategie geht auf den Wirtschaftswissenschaftler und Investor Benjamin Graham zurück. Heutzutage ist Warren Buffett einer der bekanntesten Großinvestoren, die nach dieser Strategie agieren.
Steckbrief Value-Strategie:
- Zeithorizont: langfristig
- Risiko: niedrig bis mittel
- Gewinndynamik: mittel bis hoch
- Zugehörigkeit: fundamentale Analyse
- Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand: mittel
Die Bottom-Fishing-Strategie
Wie der Name es schon andeutet, geht es bei dieser Strategie darum, nach Möglichkeit einen „Bottom“, einen Boden, zum Einstieg zu erwischen. Dabei geht es weniger um kurzfristige Korrekturen oder Rücksetzer, sondern um Böden, die sich bei Aktien nach größeren und/oder längeren Abwärtsbewegungen herausbilden.
Diese Strategie fußt auf der technischen Analyse, speziell der Charttechnik. Der Anleger sucht gezielt nach vollendeten Trendwendeformationen, die die Wahrscheinlichkeit eines neuen Aufwärtstrends erhöhen und es ihm erlauben, auf günstigem Niveau in Aktien einzusteigen und diese mittelfristig, im Idealfall auch langfristig, zu halten.
Steckbrief Bottom-Fishing-Strategie:
- Zeithorizont: mittel- bis langfristig
- Risiko: mittel
- Gewinndynamik: mittel bis hoch
- Zugehörigkeit: technische Analyse
- Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand: mittel
Die Trendfolge-Strategie
Die Trendfolgestrategie ist eine bewährte Vorgehensweise für Anleger auf allen Zeitebenen. Die Grundidee: Wer mit dem Trend agiert und nicht gegen ihn, wird zwar nie genau am Tief ein- und genau am Hoch aussteigen. Denn ein Trend muss sich immer erst einmal etablieren und es dauert seine Zeit, bis ein solcher Trend nach einem Hoch wirklich bricht oder sich nach einem Tief ein tragfähiger Aufwärtstrend etabliert. Aber dafür agiert man „mit dem Strom“, folgt also der Mehrheit der Investoren und der übergeordneten Richtung der Kursbewegung.
Der Vorteil dabei ist, dass die den Trend ausmachenden Leitlinien sukzessive dem Trend nachfolgen, sodass es möglich ist, die Absicherung der Position z.B. parallel zu einer steigenden Trendlinie, die einen Aufwärtstrend definiert, enger zu ziehen und dadurch das Verlustrisiko bzw. in der Gewinnzone dann mögliche Gewinneinbußen sukzessive zu verringern.
Steckbrief Trendfolge-Strategie:
- Zeithorizont: alle Zeithorizonte möglich
- Risiko: Je kürzer der Zeithorizont, desto höher
- Gewinndynamik: mittel bis hoch
- Zugehörigkeit: technische Analyse
- Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand: Je kürzer der Zeithorizont, desto höher
Die Swing-Trading-Strategie
Die Grundidee des Swing Tradings ist eine Kombination aus der Bottom-Fishing- und der Trendfolgestrategie. Der Anleger agiert strikt trendfolgend, indem er ausschließlich in Richtung des vorherrschenden Trends agiert und dabei Gelegenheiten zum Einstieg nutzt, bei denen der Kurs nahe an die den Trend begleitende charttechnische Führungslinie heranläuft, sei es eine Trendlinie oder ein gleitender Durchschnitt. Er setzt darauf, dass dieser Leitstrahl auch diesmal zum Sprungbrett für einen neuen Trendimpuls wird. Der Vorteil des Swing Tradings ist, dass der Investor nahe an der für den Trend entscheidenden Zone einsteigt und dadurch in die Lage versetzt wird, mit engen Stoppkursen zu arbeiten.
Steckbrief Swing-Trading-Strategie:
- Zeithorizont: kurz- bis mittelfristig
- Risiko: mittel bis hoch
- Gewinndynamik: mittel bis hoch
- Zugehörigkeit: technische Analyse
- Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand: mittel bis hoch
Die Momentum- oder auch Top/Flop-Strategie
Die Momentum-Strategie kann eine tendenziell sehr effektive Strategie sein, mit der Trader den Schwung eines Impulses nutzen, egal, ob es sich da um Aktien, Indizes, Währungen oder Rohstoffe handelt. Da, wo die stärkste Intensität einer Bewegung, d.h. das höchste „Momentum“, vorliegt, springt man auf den Zug auf und versucht, diesen Impuls maximal auszureizen. Das bedeutet, dass man gezielt bei den stärksten Werten Long, zugleich aber auch bei den schwächsten Werten Short geht.
Das erfordert Erfahrung und absolute Disziplin. Daher wäre dies eine Strategie, die erfahrenen Marktteilnehmern vorbehalten sein sollte, zumal man hier grundsätzlich eher kurzfristig agiert und mit einem höheren Zeitaufwand zu rechnen hat.
Steckbrief Momentum-Strategie:
- Zeithorizont: kurz- bis maximal mittelfristig
- Risiko: hoch
- Gewinndynamik: hoch
- Zugehörigkeit: technische Analyse
- Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand: hoch
Die Scalping-Strategie
„Scalping“ bezeichnet die kurzfristigste aller Trading-Strategien. Der Trader nutzt ganz kurzfristige Gelegenheiten, baut eine Position auf und stellt sie sofort wieder glatt, sobald ein Gewinn erreicht ist. Um daraus taugliche Profite zu erzielen, agieren „Scalper“ meist mit hohem Kapitaleinsatz. Man findet die „Scalper“ vor allem im Bereich des Rohstoff- und Devisen-Tradings, aber auch bei Aktienmarkt-Futures wird diese Strategie häufig eingesetzt.
„Scalper“ arbeiten ausschließlich auf Basis der Technischen Analyse und mit sehr kurzfristigen Zeithorizonten. Dementsprechend ist diese Vorgehensweise sehr erfahrenen und disziplinierten Tradern vorbehalten, denn so reizvoll und spannend diese Strategie auch ist, sie beinhaltet von allen hier vorgestellten Strategien auch das höchste Risiko.
Steckbrief Scalping-Strategie:
- Zeithorizont: kurzfristig
- Risiko: hoch
- Gewinndynamik: hoch
- Zugehörigkeit: technische Analyse
- Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand: hoch
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