Gerne wird darauf hingewiesen, dass hohe Zinsen eine ernste Konkurrenz für die Edelmetalle seien. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht, vor allem nicht aktuell. Daher sollte man sich besser hüten, Gold abzuschreiben, auch wenn das Chartbild aktuell nicht gerade gut aussieht.
Gold bringt keine Zinsen, Anleihen schon, heißt es oft, wenn der Goldpreis wankt. Das ist zwar im Prinzip richtig, aber letzten Endes vergleicht man da Äpfel mit Birnen. Richtig ist zwar, dass die Renditen für Anleihen in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen sind, in den USA ebenso wie in Europa. Aber das ist per se ja keine positive Entwicklung.
Steigende Zinsen bedeuten für bereits umlaufende Anleihen Kursverluste. Und dass die Zinsen steigen, basiert auf einem Problem, das bislang nicht gelöst ist: Inflation. Und auf einem weiteren, das erst recht nicht ohne Weiteres vom Tisch zu bekommen ist: Vertrauensverlust.
Höhere Leitzinsen als Maßnahme gegen Inflation führen zu höheren Renditen. Aber solange man befürchten muss, dass die Aufwärtsbewegung der Leit- ebenso wie der Anleihezinsen nicht vorbei ist, muss man einkalkulieren, dass Anleihen, die man heute kauft, erst einmal im Kurs verlieren, weil die Renditen weiter steigen. Es sei denn, man bindet sein Kapital in diese Anleihen bis zum Ende ihrer Laufzeit. Das ist das eine.
Der andere Faktor ist, vor allem in Bezug auf US-Anleihen, das schwindende Vertrauen in die normalerweise als absolut eingestufte Sicherheit dieser Papiere. Die US-Staatsverschuldung steigt ungebremst weiter, die Wirtschaftspolitik der US-Regierung wirkt problematisch, die geopolitischen Spannungen sind eng mit den USA verbunden. Das reduziert die Bereitschaft, ausgerechnet US-Anleihen zu kaufen. Sie verströmen nicht mehr dieses Gefühl der Sicherheit, für das ein anderes Asset seit eh und je steht: Gold.
Expertenmeinung: Gold ist aktuell keineswegs weniger attraktiv als vor einigen Monaten, immerhin bewegen wir uns in einem Umfeld zunehmender Ungewissheit. Aber es braucht eben einen initialen Ruck, um die spekulativen Trader wieder auf den Goldpreis aufmerksam zu machen.
Natürlich ist die Nachfrage nach „körperlichem“ Gold ein Faktor, aber es ist die Spekulation, das bewegliche Geld, das schnell in einen Bereich ein- und wieder aussteigt, das für größeres Momentum sorgt. Und da ließe sich immerhin festhalten: Allzu aktiv auf der Short-Seite sind die Trader bei Gold wenigstens nicht.
Aber der Kurs könnte, so, wie die vergangenen Wochen gelaufen sind, trotzdem zumindest weiter abbröckeln. Dass es vor gut einem Monat gelungen war, die 200-Tage-Linie dynamisch zu überwinden, der Goldpreis dann aber kaum Anschlusskäufe sah und schon eine Woche später wieder unter diesem wichtigen gleitenden Durchschnitt notierte, war die Basis für dieses momentane, blutleere Abbröckeln des Edelmetalls. Das Risiko, dass der Kurs die Unterstützungen bei 4.099 und 3.942 US-Dollar testet, ist daher nicht von der Hand zu weisen, dass sie brechen, zumindest nicht auszuschließen.

Aber grundsätzlich haben wir derzeit ein Umfeld, das Gold entgegenkommen würde. Hohe Zinsen als Ausdruck einer problematischen Gesamtsituation, geopolitische Risiken und hohe Ölpreise: In einer Gemengelage wie dieser könnte Gold jederzeit anspringen. Nur sollte man besser abwarten, bis es tatsächlich dazu kommt, denn solange die spekulativen Trader anderweitig aktiv sind, derzeit z. B. im Bereich KI/Halbleiter, fließt deren Geld nicht oder nur in zu geringem Maß ins Gold.
Achten Sie auf den Kreuzwiderstand aus der mittelfristigen Abwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie, aktuell ist das der Bereich 4.540/4.560 US-Dollar. Sollte diese Hürde überwunden werden, dann sind die Trader wieder da … und mit ihnen die nötige Dynamik, um dem Goldpreis womöglich einen „goldenen Herbst“ zu bescheren.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.09.2026 um 21:46 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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