Mit 4.820 US-Dollar erzielte Gold am Mittwoch einen erneuten Schlussrekord. Es scheint, als könnten die Bullen die Füße hochlegen und gelassen darauf warten, dass die 5.000-US-Dollar-Marke erreicht wird. Aber der Tag war brisanter, als es auf den ersten Blick wirken könnte.
Am frühen Mittwochmorgen hatte der Goldpreis knapp 4.900 US-Dollar erreicht und lag damit gut 2,6 Prozent im Plus. Das immense Momentum der laufenden Hausse, die nahe, lockende 5.000er-Marke und die Sorge vor einer Eskalation in Bezug auf Grönland und/oder den Iran im Zuge von Donald Trumps Besuch beim Weltwirtschaftsforum in Davos waren da die wohl entscheidenden, treibenden Kräfte. Doch am Ende des Tages betrug das Plus gegenüber dem Vortag nur noch 1,2 Prozent.
Immerhin, könnte man sagen, wenn man bedenkt, dass der US-Präsident eine militärische Variante zur Erlangung Grönlands ausschloss, später von einer Rahmenvereinbarung mit den NATO-Partnern zu diesem Thema sprach und dann auch noch die am Wochenende angedrohten, zusätzlichen Einfuhrzölle für mehrere europäische Länder zurücknahm. Da hätte Gold ja auch leicht im Minus landen können. So aber blieb ein Zugewinn, der suggeriert, dass das bullische Lager weiterhin fest im Sattel sitzt. Aber das Wort „suggeriert“ könnte da wichtig werden, denn:
Expertenmeinung. Der Blick auf den Intraday-Chart, der Gold ab Montagnacht im Zeitraster von 15 Minuten pro Kerze abbildet, zeigt, dass infolge der Rücknahme der angekündigten, zusätzlichen Strafzölle der Goldpreis am Abend um bis zu 100 US-Dollar binnen einer halben Stunde einbrach. Wir sehen zwar auch, dass es gelang, diese Abschläge großenteils wieder wettzumachen. Aber warum wurde da so engagiert zurückgekauft?

Gold schloss am Dienstagabend bei 4.763 US-Dollar. Am gestrigen Tagestief, gut eine Stunde vor US-Handelsende, erreichte der Kurs 4.756 US-Dollar, bevor er rasant wieder zulegte. Angenommen, diese Käufe vor dem Handelsende in den USA wären ausgeblieben, hätte das bedeutet, dass Gold im Chart auf Tagesbasis einen „Gravestone Doji“ ausgebildet hätte.
Eine Doji-Tageskerze also, die mit einem langen unteren Docht und einem Schlusskurs im Bereich der Eröffnung insbesondere nach einer Rallye wie dieser ein massives Warnsignal bedeutet hätte. Denn ein solcher Doji zeigt plakativ, dass am Hoch so starker Abgabedruck aufkam, dass am Ende der gesamte Gewinn dahin ist, und dies wiederum andeutet, dass den Bullen die Puste ausgegangen ist.
Das wurde durch diese Käufe zum Handelsende zwar verhindert. Aber alle Marktteilnehmer können den Intraday-Verlauf des Edelmetalls sehen und erkennen, dass diese Käufe zum Handelsende tendenziell „Rettungskäufe“ der Bullen waren, um einen solchen, kritischen „Gravestone Doji“ zu verhindern.

Und die Käuferseite hat eben auch das Problem, dass mit der Rücknahme der militärischen Drohung und den avisierten „Grönland-Strafzöllen“ ein Argument, in diesen angeblich „sicheren Hafen“ Gold zu flüchten, an Substanz verloren hat. Ob Donald Trump jetzt für längere Zeit auf einen versöhnlichen Kurs einschwenkt, darf man sicherlich bezweifeln. Aber nach einem solchen Kursanstieg wäre ein „Da kommt sicher bald etwas Neues“ womöglich zu wenig, um eine Korrektur zu verhindern. Die nicht kommen muss und, wenn sie kommt, das bullische Setup nicht ruinieren müsste, aber:
Solange man den Eindruck haben kann, dass diese Hausse argumentativ eher auf Treibsand ruht, wäre eine konsequente Absicherung nach unten unbedingt zu überlegen. Die heute um 4.480 US-Dollar notierende und zur Jahreswende als Support bestätigte August-Aufwärtstrendlinie wäre dahingehend für Stoppkurse eine gute Orientierung.
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen









