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XAUUSD Prognose Gold: Stehen die Bullen hier langsam auf Treibsand?

News: Aktuelle Gold Analyse des London Gold Spot

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen des London Gold Spot

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.12.2025 um 22:19 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Bei 4.381,30 US-Dollar erzielte der Goldpreis am 20.10. seinen bisherigen Verlaufsrekord. An dieser aktuell einzigen charttechnischen Hürde war der Kurs am Donnerstag dran, kam aber nicht vorbei. Doch noch könnten die Käufer nachsetzen. Kann das gelingen?

Das könnte es ohne Weiteres, denn es gibt keine Fundamentaldaten, die Gold an irgendeinem Punkt als „überbewertet“ einordnen würden. In dieser Hinsicht sind Gold ebenso wie Silber „Börse pur“: Die Kurse werden ausschließlich durch Angebot und Nachfrage gebildet, die reale Nachfrage nach Gold als Industrie- und Schmuck-Rohstoff bzw. als Anlagegut in Barren oder Münzen kann dabei eine Rolle spielen, tut es aber, vor allem in Phasen wie derzeit, oft nicht. Was bedeutet:

Gelingt es, Verkaufsorders, die auf Höhe des bisherigen Rekords vom Oktober oder knapp darüber im Markt liegen, abzuarbeiten, kann der Goldpreis einfach weiter zulegen, so lange, bis es zu einem deutlicheren Ungleichgewicht zwischen Kauf- und Verkaufsvolumen kommt. Dann stünde erneut eine Korrektur an. Ob die dann vergleichbar läuft wie diese eher gelassen abgewickelte und nie wirklich an Dynamik gewinnende Korrektur im Vorfeld dieses neuen Anlaufs in Richtung neuer Rekorde oder ob ein schneller, weitreichender Selloff anstünde, kann niemand seriös abschätzen.

Bei hoch volatilen Kursverläufen steigt der Anteil sehr kurzfristiger Trader. Die einen handeln dabei hoch diszipliniert und entlang chart- und markttechnischer Signale, andere wiederum komplett aus dem Bauch heraus, „nach Gefühl“. Eine Mixtur, die, wenn sie einen hohen Anteil am Gesamt-Handelsvolumen hat, die Risiken erhöht … aber auch die Chancen. Vorausgesetzt, man gehört zur ersten, zur diszipliniert agierenden Gruppe.

Expertenmeinung: Und dafür wäre der erste Schritt, sich beim Trading eines Assets wie Gold, bei dem es weder ein „zu billig“ oder „zu teuer“ noch den Kurs zwingend in eine Richtung bewegende Fundamentaldaten gibt, konsequent einer „Marktmeinung“ zu enthalten. Man sollte einfach emotionslos dem Chartbild folgen und nie ohne regelmäßig hinterfragte und ggf. angepasste Stoppkurse agieren … wobei sich bei einer hohen Volatilität wie dieser Stop Loss-Verkaufsorders als „Automatik-Fallschirme“ anbieten würden.

Geht man so vor, wird klar: Die derzeit besseren Karten hätten die Bullen. Die Korrektur nach dem Rekordhoch war schnell und weitreichend, wurde aber zeitnah aufgefangen. Seither steigt der Kurs fast gemächlich, was andeutet, dass die Spekulanten hier noch keineswegs außer Rand und Band sind. Dabei fällt auf, dass die 20-Tage-Linie wieder die Rolle als Leitstrahl zurückbekommen hat, sie bildet zusammen mit der kurzfristigen Aufwärtstrendlinie im Bereich von 4.220 US-Dollar einen Kreuzsupport. Der muss halten, soll die Chance, sich nach oben abzusetzen, bestehen bleiben.

Goldpreis: Chart vom 18.12.2025, Kurs 4.335,52 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Goldpreis: Chart vom 18.12.2025, Kurs 4.335,52 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Doch man sieht auch, dass durchaus Gegenwehr zu existieren scheint: Der Goldpreis lief zuletzt nach jedem starken Tag mehrere Tage lang seitwärts, so auch jetzt. Aber diesmal ist man eben unmittelbar dran an der „letzten Hürde“, gestern erreichte der Kurs im Tageshoch 4.374,78 US-Dollar, da fehlten also nur noch etwa 0,2 Prozent zur Bestmarke. Also:

Ja, das könnten die Bullen schaffen. Aber ein „Muss“ kann es da nie geben, daher wäre es zu überlegen, erst bei einem faktischen Ausbruch nach oben zuzukaufen oder neue Long-Trades zu erwägen. Wobei man auf stabilerem Boden stünde, wenn man erst kurz vor Handelsende aktiv wird, um die Gefahr zu reduzieren, in eine Bullenfalle zu geraten. Und man hätte dann auch die Möglichkeit, engere Stop Loss zu setzen, je nach Aggressivität der Position 20, 30 US-Dollar unter dem alten Hoch oder ein Stück unter der vorgenannten, sukzessiv nachlaufenden Kreuzunterstützung aus Aufwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.10.2025 um 22:26 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Es war weniger die Rückkehr von Risiken als die enttäuschte Erwartung von deren Wegfall nach dem Treffen Xi/Trump, die Gold am Donnerstag wieder ins Rampenlicht der Märkte brachte. Aber ist das jetzt die Geburtsstunde eines neuen, großen Hausse-Schubs?

Es kam, wie viele es wohl auch befürchtet hatten: Nach dem persönlichen Gespräch der „Bosse“ verkündete Donald Trump den „Deal“, Xi Jinping hingegen sprach von einem Konsens zur Lösung wichtiger Handels- und Wirtschaftsfragen. Zwar erklärte der US-Präsident, der Zoll für Einfuhren aus China werde jetzt um zehn Prozentpunkte gesenkt. Aber selbst der im Zuge der Verhandlungen (die keineswegs abgeschlossen sind) geltende, „ermäßigte“ Einfuhr-Zollsatz für chinesische Waren lag bei 57 Prozent. Jetzt sind es dann eben 47 Prozent: Das ist alles andere als ein entscheidender Schritt.

Der Weg ist noch lang, das wurde den Investoren am frühen Donnerstagmorgen klar. Und wohin er führt, weiß man nicht. Kurz:
Die Unsicherheit bleibt. Und das ist ein guter Nährboden für Gold und die anderen Edelmetalle, die daraufhin auch prompt Boden gutmachten.

Die Frage ist, was das hinsichtlich der Chancen auf der Oberseite bedeutet. War das gestrige, solide Plus des Goldpreises bereits der Start einer neuen Rallye, die das bisherige Rekordhoch zu überwinden vermag?

Goldpreis: Tageschart vom 30.10.2025, Kurs 4.023,53 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Tageschart vom 30.10.2025, Kurs 4.023,53 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Das könnte es natürlich sein, aber das, was der Kurs da zeigte, war noch deutlich zu wenig, um dahingehend den Daumen zu heben.

Zwar generierte der Kurs einen nicht ganz formvollendeten „Morning Star“ durch die rote Tageskerze des Dienstags, den Inverted-Umbrella-Doji vom Mittwoch und die grüne Kerze des Donnerstags. Nicht formvollendet, weil der Doji in der Mitte idealerweise ein „echter“ Doji mit etwa gleich langen Dochten sein sollte und die Tagesspanne des Doji-Tages außerhalb der des Vortages und des Tages danach liegen sollte, um einen perfekten Morning Star zu bilden, aber davon abgesehen:
Erstens bedarf ein Morning Star einer Bestätigung, sprich, es müsste idealerweise gleich heute eine weitere grüne Kerze mit entsprechenden Kursgewinnen zum Vortag folgen, um die Formation zu bestätigen.

Zweitens sollte zumindest der nächstliegende Widerstand, hier die bei derzeit 4.081 US-Dollar verlaufende 20-Tage-Linie, bezwungen sein, um zu zeigen, dass das bärische Lager dort nicht effektiv dagegenhält. Denn dass die Bären eine reine Gegenreaktion in Ruhe laufen lassen, ist normal. Erst wenn die Käufer da durchkommen, wo die Short-Seller üblicherweise ihre Verteidigung aufbauen, hätte man eine taugliche Chance, dass auf der Oberseite mehr drin ist.

Zudem sollte man sich auch den Chart auf Monatsbasis ansehen, bevor man die Korrektur bereits nach nur einem starken Tag für beendet erklärt. Denn der zeigt eine grüne Kerze mit langem, oberem Docht, sprich einen Monat mit Kursgewinnen, die zum Ende hin deutlich zusammengestaucht wurden. Und das bei einer weiterhin dramatisch heiß gelaufenen Markttechnik, wie der im Monatschart unten mit eingeblendete RSI-Indikator zeigt.

Goldpreis: Monatschart vom 30.10.2025, Kurs 4.023,53 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Monatschart vom 30.10.2025, Kurs 4.023,53 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Ja, das gestrige Plus könnte der Start eines neuen Aufwärtsimpulses bei Gold gewesen sein. Aber das „könnte“ muss man so lange dick rot unterstreichen, bis man dafür durch weitere Kursgewinne erste Belege bekommt. Bis dahin kann die Korrektur jederzeit weitergehen … und sich ggf. sogar bis an den Supportbereich um 3.439/3.500 US-Dollar ausdehnen.

Die kommenden Tage werden es zeigen.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Ein Minus von 5,6 Prozent, aus scheinbar heiterem Himmel: Das hat gesessen. Und lässt manche womöglich fürchten, dass das der Anfang vom Ende der Gold-Hausse sein könnte. Das könnte sein. Aber es ist unwahrscheinlich genug, um erst einmal den Ball flach zu halten.

Ich denke, am besten ließe sich die Sache beleuchten, wenn man denjenigen, die jetzt erschrocken eine unruhige Nacht hinter sich haben, einige Fragen stellt. Zum Beispiel die, ob man denn gedacht habe, dass bekanntlich nichts an der Börse immer nur steigt, Gold auf einmal aber eine Ausnahme ist? Ob man denn ernsthaft geglaubt habe, dass auf drastische Kursanstiege kleine, niedliche Rücksetzer folgen? Ob die Zunahme des Rallye-Tempos nicht ein Signal dafür war, dass immer mehr hochspekulativ agierende Spieler in den Markt gekommen sind, sodass man damit rechnen muss, dass die Volatilität in beide Richtungen zunimmt?

Eben. Ein Minus von 5,6 Prozent ist viel, keine Frage. Aber es ist in Relation zu der irrwitzigen Hausse der Wochen zuvor eben nicht der große Crash. Wir sehen im Chart, wo der Goldpreis nach diesem schwachen Dienstag gelandet ist: auf dem Schlusskurslevel vom Montag, den 13. Oktober.

Goldpreis: Tageschart vom 21.10.2025, Kurs 4.112,50 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Tageschart vom 21.10.2025, Kurs 4.112,50 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Die Bullen wurden damit also nur um sechs Handelstage zurückgeworfen, bei einer Rallye, die seit Ende August läuft. Da ist keine Alarmstufe rot, nicht einmal hellrot, bestenfalls dunkelgelb. Kurz: Wer jetzt in die Jammerharfe greift, hat das Maß verloren. Aber Vorsicht vor Rückschlüssen wie „Ist also eigentlich nichts passiert, also sind das Kaufkurse“!

Expertenmeinung: Das könnten sie sein. Aber das ist unsicher genug, um nicht einfach blind einzusteigen, froh, noch billig in den Zug mit nächstem Halt 5.000 hineingekommen zu sein. Denn noch fährt er ja rückwärts, dieser Zug. Und dass diese -5,6 Prozent vom Dienstag nicht dramatisch sind, heißt nicht, dass die Sache nicht eventuell dramatisch werden könnte!

Denn dieser Anstieg spekulativer Positionen birgt Risiken, die nach einer derartigen Rallye nicht so leicht einzugrenzen sind. Hohe Expositionen in den Futures geraten bei größeren Abschlägen leicht in Not. Die Sicherheitsleistungen sind da schnell aufgezehrt. Und wenn große Spieler nicht in der Lage sind, diese „Margins“ umgehend aufzufüllen, werden die Long-Positionen umgehend geschlossen und erzeugen noch mehr Druck. Das ist nun einmal das übliche Risiko einer spekulativ auf die Spitze getriebenen Fahnenstange, wie wir sie hier sehen.

Ob eine solche Lawine gerade erst entsteht oder es mit der Eisdusche des Dienstags bereits getan ist, wird davon abhängen, ob sich heute bzw. in den kommenden Tagen genug Anleger sagen, dass das die Chance wäre, um einzusteigen und den Abstieg dadurch aufzufangen. Fällt es nicht zügig weiter, könnte die Sache schon über die Bühne sein. Nur sollte man bedenken, dass alle die Charts lesen können …

… und dabei sehen, dass noch nicht einmal der kurzfristige Leitstrahl der Rallye erreicht ist, die am Dienstag bei 4.003 US-Dollar angekommene 20-Tage-Linie. Der zuvor so lange überkaufte RSI-Indikator ist gerade erst aus der Überhitzungszone heraus, bis zum überverkauften Level wäre es noch ein weiter Weg. Und der Chart auf Wochenbasis zeigt: Mittelfristigen Support gibt es erst um 3.500 US-Dollar.

Goldpreis: Wochenchart vom 21.10.2025, Kurs 4.112,50 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Wochenchart vom 21.10.2025, Kurs 4.112,50 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Fazit: Alarmstufe rot gilt nur für Trader, die glaubten, hier zu viel riskieren zu können. Für alle anderen gäbe es noch keinerlei Grund zur Panik, eine Korrektur selbst bis 3.500 US-Dollar wäre eben nach einem solchen Hausse-Schub nur „normal“. Und grundsätzlich bleibt ja, dass die Gründe, die die Anleger dazu gebracht haben, bei den Edelmetallen zuzugreifen, alle noch da sind. Der Kurs wackelt, die Argumente, die für Gold sprechen, tun es nicht.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der Goldpreis ist zuletzt stark gestiegen. Und das in Regionen, die weit außerhalb der bullischsten Analysten-Kursziele liegen. Dabei bewegt er sich im sogenannten „uncharted territory“, es lassen sich keine tauglichen Kursziele mehr errechnen. Damit gäbe es für die Kaufwelle keine Limits, aber:

Das bedeutet nicht, dass die Kurse immer weiter steigen müssen. Das heißt nur, dass man das Hoch nicht vorhersagen kann – weder auf der Zeitachse noch vom Kursniveau her. Und – das ist der Haken – auch nicht, wann ein Rücksetzer kommt, ob sich der in eine Korrektur ausweitet und wie weit die dann führen könnte. Das sind die typischen Fallstricke einer „Fahnenstange“, sprich einer rasanten Rallye ohne nennenswerte Pausen, auf Rekordlevels.

Es ist zu vermuten, dass es hier läuft wie in anderen, vergleichbaren Fällen. Wie z. B. während der Hausse der Internet-Aktien vor dem März 2000 … der Hausse von Silber 2010/2011 … oder beim irrwitzigen Anstieg der Ölpreise 2007/2008: Solche ungewöhnlich schnellen Rallyes ziehen immer sehr viele kurzfristige Trader an, von denen beileibe nicht alle die Erfahrung mitbringen, dieses Tempo auch schadlos mitzugehen, wenn irgendetwas anders läuft als gedacht. Aber noch ist das ja nicht der Fall:

Expertenmeinung: Seit der Goldpreis das vorherige, im April bei 3.500 US-Dollar markierte Rekordhoch überboten hat, sehen wir nur wenige Tage mit bislang fast immer sehr überschaubaren Abgaben. Den Rest der Zeit geht es zügig immer höher, was weniger erfahrenen Tradern, die solche Situationen noch nicht selbst mitgemacht haben, das trügerische Gefühl gibt, dass man hier ruhig auch mit hohen Hebeln unterwegs sein kann, weil die Richtung „sicher“ ist. Das ist sie nicht.

Nach oben gibt es keinerlei Begrenzungen, d. h, grundsätzlich könnte Gold auch im D-Zug-Tempo an und über die 5.000-US-Dollar-Marke steigen. Da gibt es keine Limits – einzig müssen eben immer genug neue Käufer da sein, die das Angebot auffangen und einen Nachfrageüberhang erzeugen. Und da lässt sich nicht vorhersagen, wann die Sache anfängt, überzukochen. Wenn wir uns Gold im Tages- und im Wochenchart ansehen, erkennen wir:

Goldpreis: Tageschart vom 13.10.2025, Kurs 4.110.96 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Tageschart vom 13.10.2025, Kurs 4.110.96 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Überkauft zu sein ist in solchen Phasen kein Hindernis. Der RSI-Indikator ist seit Wochen in der überkauften Zone, trotzdem stoppt das die Hausse nicht. Und zu glauben, dass das Edelmetall an der runden Marke von 4.000 US-Dollar abdreht, weil zu viele diesen Kurs als Ziel angesehen haben, war ein Irrtum. Zumal man sich fragen kann, warum das überhaupt ein Ziel hätte sein können. „Zu teuer“ gibt es bei Gold nicht. Und vor wenigen Monaten hätte niemand ernsthaft geglaubt, dass wir dort, bei 4.000 US-Dollar pro Feinunze, jemals landen … und dann auch noch einfach darüber hinauslaufen. Wie hätte man diese Marke also als Ziel anpeilen können?

Goldpreis: Wochenchart vom 13.10.2025, Kurs 4.110.96 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Wochenchart vom 13.10.2025, Kurs 4.110.96 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

„No limits“ gilt für das weitere Kurspotenzial, aber auch für das Potenzial nach unten, wenn die Nachfrage einmal im falschen Moment deutlich zu gering ausfallen sollte. Diese „technischen Pannen“, eine unglückliche Verschiebung von Angebot und Nachfrage, sind die häufigsten Auslöser für scharfe Rücksetzer in heiß gelaufenen Assets. Dafür muss es dann auch keinen triftigen, externen Grund geben, um viele bullische Akteure dadurch in die Bredouille zu bringen.

Aber richtig in Not würden ja nur diejenigen geraten, die zu viel Kapital mit zu hohen Hebeln und ohne die in solchen Fällen besonders wichtigen Stop-Loss-Verkaufsorders investiert haben. Wer um das wachsende Risiko weiß, wer sich deswegen nicht mit der Positionsgröße übernimmt und immer einen Stop-Loss in der Hinterhand hat, der sukzessive mit dem Kursanstieg nachgezogen wird, ist hier gut gerüstet. Und diesem so extremen Trend konsequent, aber eben mit der nötigen Vorsicht zu folgen, wäre der eindeutig bessere Weg … statt aus dem Bauch heraus einfach auf Verdacht und in der Hoffnung, das Hoch zu erwischen, auszusteigen.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Einen derart bullischen Monat wie diesen September hat der Goldpreis selten gesehen. Es wundert nicht, dass das Edelmetall auf allen Zeitebenen markttechnisch heißgelaufen ist. Aber dem entgegen steht ein immenses Momentum und die Faszination der „magischen Marke“.

Etwas Ähnliches gab es vor fünf Jahren. Damals schwanden gerade die Hoffnungen, dass der Corona-Spuk bald ausgestanden sein würde. Die zuvor kräftig gestiegenen Aktienmärkte begannen zuerst zu stagnieren und dann Richtung Oktober zu kippen. Gold profitierte zunächst, im Juli 2020 wurde erstmals die 2.000-US-Dollar-Marke überboten, im August 2020 mit 2.075 US-Dollar ein neues Rekordhoch markiert. Dann aber ging es abwärts.

Goldpreis: Monats-Chart vom 29.09.2025, Kurs 3.827,60 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Goldpreis: Monats-Chart vom 29.09.2025, Kurs 3.827,60 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Sie sehen es im Chart auf Monatsbasis, der diese Phase von fünf Jahren mit abbildet: Es bildete sich ein Abendstern (grüne Kerze, Doji, rote Kerze), danach war längere Zeit auf der Oberseite nichts zu holen. Und der Grund von damals dafür muss nicht, könnte aber auch diesmal dafür sorgen, dass nichts – und eben auch nicht Gold – an der Börse eine Einbahnstraße ist. Wo lag das Problem?

Expertenmeinung: Im Herbst 2020 kippten die Aktienmärkte. Das Geld, das im Frühjahr und bis zum Frühsommer dort hineingeflossen war, weil man hoffte, das Corona-Problem sei bald vorbei, floss wieder ab, weil man fürchtete, sich geirrt zu haben. Dass auch Kapital aus Gold abfloss, das ja eigentlich als „sicherer Hafen“ für genau solche Situationen gesehen wird, liegt daran, dass viele große Adressen dazu tendieren, in Phasen mit steigenden Risiken und fehlender Sichtweite nach vorne in allen Assetklassen ihre Barreserve zu erhöhen, um dann, wenn sich der Pulverdampf lichtet, zu entscheiden, wo man wieder einsteigt.

Im Fall 2020 blieb Gold zurück, weil der abrupte Aufwärtsschwenk im November 2020 auf den ersten einsatzfähigen Impfstoffen und der zugunsten Bidens ausgegangenen US-Wahl basierte. Man sah Aktien auf einmal nicht mehr als hoch riskant, sondern wieder als Top Pick an. Wozu also Gold? Tatsächlich wurde dieses im Sommer 2020 erreichte Hoch des Goldpreises erst gut zwei Jahre später überwunden. Dann aber, wie wir wissen, mit Schwung.

Mit einem Schwung, der momentan ungebrochen ist und zu einem vergleichbar drastisch überkauften, markttechnischen Zustand geführt hat wie im Sommer 2020. Zugleich beginnen die Aktienmärkte wackliger zu wirken. Warum also könnte sich die Geschichte nicht wiederholen und Gold zusammen mit einem stärker abrutschenden Aktienmarkt nach unten drehen, egal, ob es vorher noch die „magische“ 4.000-US-Dollar-Marke schafft oder nicht?

Das könnte tatsächlich so kommen, aber: Erstens wäre ein paralleles Abrutschen von Aktien und Gold zwar eher die Regel, aber zwingend ist das nicht. Zweitens wäre das Umfeld ein anderes, was hieße: Die Wahrscheinlichkeit, dass die zunehmende Ernüchterung nebst Perspektivenschwund in Sachen Wachstum, Zinsen, Zölle und Geopolitik vergleichbar schnell in eine Phase neuer Hoffnung umschlägt, wie das 2020 passierte, als man Gold daraufhin zurückließ und Aktien favorisierte, ist im derzeitigen Umfeld ziemlich gering.

Aus derzeitiger Sicht kann Gold jederzeit korrigieren, ggf. auch deutlich, niemand könnte indes abschätzen, wie weit es bis zu diesem Moment noch höher geht. Das Momentum ist immens, 4.000 US-Dollar und mehr sind vorher zumindest nicht unmöglich. Aber wenn es zu einer solchen Korrektur kommt, ist die Chance, dass die nicht in ein ödes Seitwärts-Geschiebe mündet, sondern da dann Einstiegs- oder Zukaufkurse entstehen (auch weil Großinvestoren dann ein Gold-affines Umfeld sehen dürften), hoch genug, um sich auf eine solche Korrektur eher zu freuen, als sie zu fürchten.

Goldpreis: Tages-Chart vom 29.09.2025, Kurs 3.827,60 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Goldpreis: Tages-Chart vom 29.09.2025, Kurs 3.827,60 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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