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Dass der Euro Stoxx 50 nach den Zoll-Drohungen aus den USA zum Wochenstart in die Knie ging, war nicht überraschend, dass erste Akteure schon am Dienstag wieder begannen zu kaufen, schon eher. Denn mit Blick auf den Terminkalender wären Käufe ein riskantes Spiel.
Würde es so kommen, wie Donald Trump am Wochenende androhte, und wichtige Länder der Eurozone würden ab dem 1. Februar einen Einfuhr-Zollaufschlag von 10 und ab dem 1. Juni dann sogar von 25 Prozent verpasst bekommen, falls Dänemark ihm nicht Grönland ausliefert, wäre das für die Wachstumsperspektive der Eurozone und die Gewinnaussichten vieler im Euro Stoxx 50 gelisteter Unternehmen ein Schlag ins Kontor. Aber könnte es nicht sein, dass Trump einmal mehr zurückzieht und die Zölle am Ende doch nicht kommen?
Es könnte sein, keine Frage. Aber viele Politik-Experten warnen seit Längerem davor, einige Rückzieher seinerseits zur Regel zu erheben. In fallende Kurse hinein die Hand aufzuhalten, in der sicheren Erwartung, dass einem hier gerade ideale Einstiegskurse in den Schoß fallen, wäre äußerst riskant. Zumal die aktuelle Runde des Grönland-Händels mit Trumps bisherigen Aussagen ja noch nicht vorbei ist. Sie dürfte heute weitergehen. Denn der US-Präsident besucht das seit Montag laufende Weltwirtschaftsforum in Davos, will dort eine Rede halten und am Rande mit politischen Entscheidern auch über das Grönland-Thema sprechen. Damit haben der heutige und womöglich auch der morgige Handelstag „Pfeffer“.
Expertenmeinung: Da dann aufgrund des grundsätzlich durchaus beeindruckenden Reduzierens der Verluste am Dienstag zu unterstellen, dass sich der Sturm bereits gelegt hat, wäre gewagt. Je nachdem, was da aus Davos an Meldungen kommt, kann der Euro Stoxx 50 zwar schnell wieder an und ggf. sogar über seine jüngsten Rekordhochs laufen. Aber es könnte eben auch damit enden, dass diese runde Marke von 6.000 Punkten doch nicht zur Etappe auf dem Weg zu immer neuen Rekorden, sondern zur Endstation der Hausse wird.
Da es müßig ist, über die Ergebnisse der Davos-Gespräche zu spekulieren, bietet es sich an, die Sache konsequent anhand der charttechnischen Signallage umzusetzen. Und richtig ist dahingehend durchaus:
Bislang ist noch nichts angebrannt. Die nächstgelegene charttechnische Auffangzone liegt bei 5.795/5.818 Punkten. Die wurde am gestrigen Tagestief (5.836 Punkte) fast erreicht, aber die Käufe Richtung Handelsende sorgten nicht nur dafür, dass diese Zone hielt, sondern auch, dass sich der Euro Stoxx 50 zum Schlusskurs wieder über die 20-Tage-Linie retten konnte.

Es fällt allerdings auf, dass der europäische Leitindex die „magische Marke“ von 6.000 Punkten zwar mit Schwung erreichte, dann aber keine nennenswerten Anschlusskäufe kamen, wie wir im Chart auf Tagesbasis sehen. Der Gedanke drängt sich auf, dass die großen Akteure am Terminmarkt diese runde Marke zur Abrechnung der Index-Optionen am vergangenen Freitag erreichen wollten, darüber aber keine weiteren Ambitionen hatten. Und sollten die großen Adressen der Terminbörse diese 6.000 als Ziel sehen, würde es mit einem Ausbruch nach oben schwieriger.
Es fällt zudem auf, dass der Index auf Monatsbasis so überkauft ist wie zuletzt vor Beginn der Baisse 2008/2009. Wer das sieht, könnte in Bezug auf Zukäufe oder sogar den Neueinstieg Long eher zurückhaltend sein, zumal die Wachstumsperspektive der Eurozone und diese Rekordjagd auch ohne neue US-Zölle deutlich auseinandergelaufen sind.
Da wäre also ohnehin Vorsicht geboten. Solange die Unterstützungszone 5.795/5.818 nicht auf Schlusskursbasis unterboten wurde, ist zwar in der Tat noch kein Grund gegeben, hier eilig auszusteigen. Aber die kommenden Tage könnten mit Blick auf Davos hochvolatil werden. Und falls diese Supportzone fiele, könnte der nächste Kurszielbereich zwischen 5.462 und 5.568 Punkten blitzschnell angelaufen werden.

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