Nicht nur Nasdaq 100 und S&P 500 haben neue Rekordhochs erreicht, auch der US Small Cap-Index Russell 2000 ist nach oben ausgebrochen. Aber während man die Hochs bei S&P und Nasdaq als gewagt ansehen könnte, wirkt die Hausse dieses Index geradezu leichtsinnig.
Der Russell 2000 erfasst 2.000 Unternehmen, die an US-Börsen gelistet sind und zu den Small Caps gehören. In einem Umfeld mit stabilem Wachstum, günstigen Krediten und gut gelaunten Verbrauchern sind solche kleinen Unternehmen vergleichbar spannend und lukrativ für Anleger wie, global betrachtet, Emerging Markets. Diese Small Caps sind gerade wegen ihrer geringen Größe volatiler in Bezug auf Umsatz, Margen und Gewinn. Das wird in einem „Goldilocks“-Umfeld, in dem alles passt, zum Vorteil. In einem Umfeld, in dem genau das Gegenteil der Fall ist, läuft es indes genau andersherum:
Dann haben große Unternehmen durch ihre entsprechende Marktmacht hervorragende Chancen, sich zu behaupten. Meist geht das dann aber auf Kosten der kleineren Zulieferer und kleiner Konkurrenten. Also auf Kosten von Unternehmen, wie man sie im Russell 2000 suchen und finden würde. Und ein solches, für die „Kleinen“ problematisches Umfeld sehen wir eben genau jetzt:
Expertenmeinung: Hohe Energiepreise, ein markanter Mangel an Planungssicherheit, nervöse Verbraucher. Das Wachstum ist gering, für das vierte Quartal 2025 kam die letzte Berechnung nur auf +0,5 Prozent. Und die GDPnow-Berechnung, das ist ein laufendes „Mitrechnen“ des Wachstums anhand einlaufender Konjunkturdaten, welches die regionale US-Notenbank von Atlanta durchführt, weist für das erste Quartal 2026 mit aktuell 1,2 Prozent ebenfalls ein Wachstum weit unter dem langjährigen Schnitt aus. Zumal man in den USA auf ein Jahr hochgerechnete Wachstumsraten ausweist, d. h., für die reale Veränderung zum Vorquartal müsste man diese sowieso schon mickrigen Zahlen durch vier teilen.
Schwaches Wachstum, aber immer noch eher teure Kredite wegen hoher Leitzinsen: Was wir aktuell sehen, ist das genaue Gegenteil eines für Small Caps idealen „Goldilocks“-Umfelds.
Rein charttechnisch betrachtet passt dieser Ausbruch nach oben natürlich. Erst die Verteidigung der im Chart schwarz gehaltenen 200-Tage-Linie, dann die Rückeroberung der Widerstandszone aus 50-Tage- und 100-Tage-Linie, aktuell im Bereich 2.586/2.596 Punkte, dann der Ausbruch über das bisherige Verkaufshoch vom Januar bei 2.735 Punkten.

Aber ohne den „Geleitschutz“ positiver Rahmenbedingungen ist die Long-Seite hier hochriskant, da wäre „wagemutig“ eher eine Untertreibung. Daher wäre man gut beraten, würde man sich den Neueinstieg auf diesem Kursniveau dreimal überlegen und, sofern man bereits auf der Long-Seite aktiv ist, einen Stop Loss unter die beiden Hochs vom Januar und Februar (2.706/2.735 Punkte) legen. Denn sollte dieser nächstgelegene Support fallen, könnte alleine dies bereits das gesamte Kartenhaus einstürzen lassen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.04.2026 um 22:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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