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Russell 2000 Prognose Russell 2000: Wagemut oder Leichtsinn?

News: Aktuelle Analyse des Russell 2000 Index

von

22.04.2026 | 08:26 Uhr
In diesem Artikel
Russell 2000
ISIN: US7827001089
|
Ticker: RUT
|
Währung: Punkte
Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Nicht nur Nasdaq 100 und S&P 500 haben neue Rekordhochs erreicht, auch der US Small Cap-Index Russell 2000 ist nach oben ausgebrochen. Aber während man die Hochs bei S&P und Nasdaq als gewagt ansehen könnte, wirkt die Hausse dieses Index geradezu leichtsinnig.

Der Russell 2000 erfasst 2.000 Unternehmen, die an US-Börsen gelistet sind und zu den Small Caps gehören. In einem Umfeld mit stabilem Wachstum, günstigen Krediten und gut gelaunten Verbrauchern sind solche kleinen Unternehmen vergleichbar spannend und lukrativ für Anleger wie, global betrachtet, Emerging Markets. Diese Small Caps sind gerade wegen ihrer geringen Größe volatiler in Bezug auf Umsatz, Margen und Gewinn. Das wird in einem „Goldilocks“-Umfeld, in dem alles passt, zum Vorteil. In einem Umfeld, in dem genau das Gegenteil der Fall ist, läuft es indes genau andersherum:

Dann haben große Unternehmen durch ihre entsprechende Marktmacht hervorragende Chancen, sich zu behaupten. Meist geht das dann aber auf Kosten der kleineren Zulieferer und kleiner Konkurrenten. Also auf Kosten von Unternehmen, wie man sie im Russell 2000 suchen und finden würde. Und ein solches, für die „Kleinen“ problematisches Umfeld sehen wir eben genau jetzt:

Expertenmeinung: Hohe Energiepreise, ein markanter Mangel an Planungssicherheit, nervöse Verbraucher. Das Wachstum ist gering, für das vierte Quartal 2025 kam die letzte Berechnung nur auf +0,5 Prozent. Und die GDPnow-Berechnung, das ist ein laufendes „Mitrechnen“ des Wachstums anhand einlaufender Konjunkturdaten, welches die regionale US-Notenbank von Atlanta durchführt, weist für das erste Quartal 2026 mit aktuell 1,2 Prozent ebenfalls ein Wachstum weit unter dem langjährigen Schnitt aus. Zumal man in den USA auf ein Jahr hochgerechnete Wachstumsraten ausweist, d. h., für die reale Veränderung zum Vorquartal müsste man diese sowieso schon mickrigen Zahlen durch vier teilen.

Schwaches Wachstum, aber immer noch eher teure Kredite wegen hoher Leitzinsen: Was wir aktuell sehen, ist das genaue Gegenteil eines für Small Caps idealen „Goldilocks“-Umfelds.

Rein charttechnisch betrachtet passt dieser Ausbruch nach oben natürlich. Erst die Verteidigung der im Chart schwarz gehaltenen 200-Tage-Linie, dann die Rückeroberung der Widerstandszone aus 50-Tage- und 100-Tage-Linie, aktuell im Bereich 2.586/2.596 Punkte, dann der Ausbruch über das bisherige Verkaufshoch vom Januar bei 2.735 Punkten.

Russell 2000: Chart vom 21.04.2026, Kurs 2.764,68 Punkte, Kürzel: RUT | Online Broker LYNX
Russell 2000: Chart vom 21.04.2026, Kurs 2.764,68 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS

Aber ohne den „Geleitschutz“ positiver Rahmenbedingungen ist die Long-Seite hier hochriskant, da wäre „wagemutig“ eher eine Untertreibung. Daher wäre man gut beraten, würde man sich den Neueinstieg auf diesem Kursniveau dreimal überlegen und, sofern man bereits auf der Long-Seite aktiv ist, einen Stop Loss unter die beiden Hochs vom Januar und Februar (2.706/2.735 Punkte) legen. Denn sollte dieser nächstgelegene Support fallen, könnte alleine dies bereits das gesamte Kartenhaus einstürzen lassen.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.04.2026 um 22:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Vorherige Analysen der Russell 2000 Aktie

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.12.2025 um 22:30 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der Russell 2000 ist der Index der vielen Nebenwerte am US-Markt. Dass ein solcher Index nicht in präzisen charttechnischen Bahnen läuft, überrascht nicht. Aber als Indikation für den Gesamtmarkt ist er interessant. Aber es ist die Frage, ob man mögen kann, was man da sieht.

Ein Index, der die 2.000 von der Marktkapitalisierung her kleinsten Aktien im Bereich der New York Stock Exchange und der Nasdaq umfasst, kann Signalwirkung haben. Bemerkenswert ist indes, dass die Ansichten über neue Hochs bei solchen Indizes den Charme eines rotierenden Wegweisers haben, denn die einen interpretieren das als für den Gesamtmarkt trendbestätigend bullisch, die anderen als Warnsignal. Wieso? Weil die Aussage neuer Hochs davon abhängt, warum sie entstanden sind.

Expertenmeinung: Positiv wären die zum Ende der vorvergangenen Woche markierten, neuen Rekorde des Russell 2000, wenn die Anleger hier aufgrund eines gestiegenen Vertrauens in das Wachstum der Gesamtwirtschaft eingestiegen wären. Wenn man also kauft, weil man unterstellt, dass in den USA jetzt ein Umfeld herrscht, in dem nicht nur die Mega-Caps imstande sind, ihren Gewinn alleine aufgrund ihrer schieren Größe weiter zu steigern, sondern auch die mittleren und kleinen Unternehmen wachsen. Ist das so?

Russell 2000: Tages-Chart vom 19.12.2025, Kurs 2.529,42 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Russell 2000: Tages-Chart vom 19.12.2025, Kurs 2.529,42 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS

Die jüngsten Konjunkturdaten zu Arbeitsmarkt und Inflation waren gut, aber nicht so stark, dass man anhand dieser Daten den Daumen heben müsste. Und was am Freitag zum Thema Verbrauchervertrauen und Eigenheim-Verkäufen auf den Tisch kam, deutet an, dass die Struktur des US-Wachstums eher instabil ist. Zudem hat der Russell 2000 sein neues Hoch vor Veröffentlichung dieser Zahlen erreicht und kam danach erst einmal wieder zurück. So betrachtet, sollte man die andere Interpretation nicht gleich vom Tisch wischen.

Nach dieser ist ein auffälliger Anstieg von zuvor kaum beachteten Nebenwerten eher der Versuch, Kapital aus stark gelaufenen Blue Chips in kleine Aktien umzuschichten, in der Erwartung, nach den Gewinnen mit den „Großen“ jetzt gleich noch einmal, dann aber bei den „Kleinen“, Gewinne einzufahren. Da käme die Motivation dann aber nicht vom wirtschaftlichen Umfeld, sondern basiert nur auf der Idee, dass jetzt zurückgebliebene Aktien den größeren Gewinn versprechen, weil die großen Titel ausgereizt sind.

Russell 2000: Wochen-Chart vom 19.12.2025, Kurs 2.529,42 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Russell 2000: Wochen-Chart vom 19.12.2025, Kurs 2.529,42 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS

Es fällt auf, dass der Russell 2000 in der Tat im Vergleich zu Dow Jones, S&P 500 und vor allem zum Nasdaq 100 deutlich hinterherhinkt. Immerhin gelang erstmals im September der Anstieg über das alte Rekordhoch aus dem Jahr 2021. Zum Vergleich: Beim Dow Jones hatte das 2021er-Hoch um 37.000 Punkte gelegen. Zugleich drehte der am stärksten gelaufene Index, der Nasdaq 100, unterhalb seines Ende Oktober erzielten, bisherigen Rekordhochs ab, als der Russell 2000 sein neues Hoch markierte.

Den Index selbst zu traden ist, angesichts von 2.000 „Mitgliedern“, die dann auch noch meist recht markteng sind, ein kniffliges Unterfangen, das sich nicht wirklich anbieten würde. Aber als Wegweiser bzw. Indikation für den Zustand des Gesamtmarkts ist er hoch interessant. Und da ist der Eindruck, dass diese neuen Hochs nicht aus Überzeugung in Bezug auf das Wachstumspotenzial der Nebenwerte, sondern nur als Umschichtung in der Hoffnung auf eine unmittelbare, zweite Gewinnrunde entstanden sind, stark genug, um mit dem Gedanken, hier ein Signal der Stärke für den US-Aktienmarkt insgesamt zu sehen, eher vorsichtig zu sein!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der Russell 2000 erfasst die 2.000 kleinsten am US-Aktienmarkt gelisteten Unternehmen. Er ist die Domäne von Kleinanlegern und mittelständischen Unternehmen – und könnte gerade an einem Ausbruch nach oben scheitern, was auch für den Gesamtmarkt ein Warnsignal wäre.

Die Daten zum US-Wirtschaftswachstum sind beeindruckend. Die letzte Berechnung zum zweiten Quartal kam gestern mit einem auf ein Jahr hochgerechneten Wachstum von 3,8 Prozent auf den Tisch. Und die meisten der Super-Konzerne, der Mega-Caps, verdienen ein ums andere Quartal mehr. In den USA, so scheint es, brummt die Wirtschaft. Aber es scheint eben nur so.

Denn mit den neuesten Daten zum Bruttoinlandsprodukt kamen auch die Daten zur Entwicklung der Unternehmensgewinne. Die waren im ersten Quartal relativ deutlich um 3,3 Prozent zurückgegangen … und im zweiten, wie gestern gemeldet, nur um magere 0,2 Prozent gestiegen. Die großen Unternehmen verdienen mehr. Die Masse aber offenbar nicht.

Und das kann auch nicht überraschen. Immer mehr US-Bürger sind in finanzieller Not. Dass wenige dafür umso schneller reicher werden, verzerrt das Gesamtbild, denn diese wenigen fangen die sinkende Konsumfähigkeit der Mehrheit nicht auf. Und die Zollpolitik der US-Regierung macht schon den großen Unternehmen zu schaffen – wie soll es da den kleinen gehen?

Russell 2000: Wochen-Chart vom 25.09.2025, Kurs 2.411,04 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Russell 2000: Wochen-Chart vom 25.09.2025, Kurs 2.411,04 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Trotzdem haben viele darauf gesetzt, dass der Aufschwung schnell alle erreicht, Steuersenkungen und das Abschotten von Importen funktionieren werden. Das half, den Russell 2000 an die alten Hochs zu tragen. An das Hoch vom Herbst 2021, das erst kurz nach der US-Wahl im November 2024 wieder erreicht wurde. Und wo der Index dann abdrehte, mit in den „Zoll-Crash“ gerissen wurde und sich danach erneut auf den Weg nach oben machte – an und, für kurze Zeit, auch über diese beiden Hochs bei 2.459 und 2.466 Punkten.

Der höchste Schlusskurs gelang am vergangenen Donnerstag mit 2.467,70 Punkten – eine Winzigkeit über dem vorherigen Verlaufsrekord. Aber es kamen erst einmal keine Anschlusskäufe – ein Problem. Am Dienstag versuchten die Käufer, dieses Risiko aus der Welt zu schaffen, und starteten durch. Der Russell 2000 schaffte es im Verlaufshoch bis 2.488,84 Zähler. Aber statt Anschlusskäufen kamen Gewinnmitnahmen. Der Tagesplus wurde zu einem kleinen Minus, das Hoch blieb unbezwungen. Und am Mittwoch ebenso wie am gestrigen Donnerstag folgten Anschlussverkäufe.

Noch ist da nichts angebrannt, immerhin gelang es gestern, die 20-Tage-Linie als nächstliegende Unterstützung einigermaßen zu halten. Ein erneuter Anlauf nach oben wäre damit jederzeit möglich. Aber die nächste wichtige Auffangzone ist mit 2.322/2.345 Punkten nicht weit weg. Und sollte sich diese rote Kerze im Wochenchart heute nicht durch kräftige Käufe relativieren, würde der Eindruck, dass der Weg dieser kleinen Aktien und ihres Index mal wieder an den alten Hochs zu Ende ist, zementiert.

Russell 2000: Tages-Chart vom 25.09.2025, Kurs 2.411,04 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Russell 2000: Tages-Chart vom 25.09.2025, Kurs 2.411,04 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS

Und das würde so manchen Anleger womöglich auch daran erinnern, dass die großen Indizes wie Dow Jones oder Nasdaq 100 „ziehenden“ Mega-Caps langfristig nicht bestehen können, wenn Verbraucher und Mittelstand nicht in einem solide positiven Umfeld unterwegs sind. Kippen Dow, S&P und Nasdaq hinterher, wenn der Russell 2000 kippt? Zwingend ist das nicht. Aber das Risiko ist groß genug, um den Russell 2000 und sein Ringen um das Hoch im Auge zu behalten!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der Russell 2000 vereint die 2.000 kleinsten Small Caps, die an den US-Börsen gehandelt werden. Aktien von Unternehmen, die vor allem dem Mittelstand zuzurechnen sind. Und wer weiß, dass der Mittelstand das Rückgrat jeder Volkswirtschaft ist, ahnt: Gut sieht es nicht aus.

Die großen US-Indizes mit ihren Blue Chip-Aktien, viele davon internationale Marktführer und Technologiegiganten, waren ihren bisherigen Rekordlevels zuletzt sehr nahegekommen. Und selbst die Drohungen des US-Präsidenten in Richtung EU und Apple, die daran erinnerten, dass das Thema Zölle zwar großenteils ausgepreist, aber keineswegs erledigt ist, hat dort nur mäßige Reaktionen hervorgerufen. Man verlässt sich darauf, dass diese gigantischen Unternehmen schon imstande sein werden, auch in einem solchen Umfeld ihren Gewinn zu steigern oder sogar von der Misere zu profitieren.

Letzteres würde auf dem Rücken von zwei Bereichen geschehen: Zum einen auf Kosten der ausländischen Unternehmen, die durch einseitig für die USA positive neue Handelsabkommen und/oder hohe Zölle aus dem US-Markt gedrängt werden. Und zum anderen auf Kosten der kleineren US-Unternehmen der jeweiligen Branchen, die weniger Möglichkeiten haben, ihre Lieferketten umzustellen oder Preis- und Margendruck über eine längere Zeit auszuhalten. Unternehmen, wie sie im Russell 2000 versammelt sind.

Expertenmeinung: Und dass die Investoren fürchten, dass, wie meist in kritischen Phasen, eben diese Small Caps die Zeche mitbezahlen, zeigt sich deutlich im Chartbild des Index.

Russell 2000: Wochen-Chart vom 23.05.2025, Kurs 2.039,85 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Russell 2000: Wochenchart vom 23.05.2025, Kurs 2.039,85 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS

Wir sehen im Chart auf Wochenbasis, dass der Russell 2000 Ende November 2024 als Reaktion auf Trumps Wahlsieg das bisherige, aus dem Jahr 2021 stammende Rekordhoch nicht hat überwinden können. Schon da ahnten die ersten, dass es nicht die Mittelstands-Unternehmen sein dürften, die von der angekündigten Wirtschaftspolitik des neuen Präsidenten profitieren werden. Und an dieser Sicht der Dinge hat sich bis heute nichts geändert.

Russell 2000: Wochen-Chart vom 23.05.2025, Kurs 2.039,85 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Russell 2000: Wochenchart vom 23.05.2025, Kurs 2.039,85 Punkte, Kürzel: RUT | Quelle: TWS

Im Chart auf Tagesbasis ist gut zu sehen, dass der Index auf Höhe der mittelfristigen, vom November 2024-Hoch ausgehenden Abwärtstrendlinie und genau auf Höhe des Ende März entstandenen Zwischenhochs nach unten abdrehte. Man kann das als potenzielle, umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation und damit als Chance auf eine markante Aufwärtswende-Formation sehen. Die wäre vollendet, wenn es gelingt, diese Abwärtstrendlinie mit Schlusskursen über 2.115 Punkte zu überbieten. Und sie wäre in ihrer Relevanz bestätigt, wenn darüber hinaus die durch die 200-Tage-Linie verstärkte Widerstandszone zwischen 2.159 und 2.177 Zählern überwunden wird.

Aber die relative Schwäche des Russell 2000 zu Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 zeigt, dass nicht allzu viele an dieses bullische Szenario zu glauben scheinen. Die Sorgen der US-Verbraucher, manifestiert in auffallend schlechten Daten zum Verbrauchervertrauen, und Donald Trumps ziemlich „bauchgesteuert“ wirkende Wirtschaftspolitik lasten wie Bleigewichte an diesem Index.

Daher sollte man hier besser nicht nur nach oben, sondern ebenso regelmäßig nach unten schauen. Denn sollte die am Freitag bereits zeitweise nahe gekommene Supportlinie bei 1.993 Punkten und mit ihr dann auch die auf die Jahre 2022/2023 zurückgehende Auffangzone 2.003 zu 2.017 Punkte (siehe Chart auf Wochenbasis) fallen, wäre das Szenario einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation vom Tisch und der Weg aus charttechnischer Sicht nach unten frei. Bevor sich dieses bärische Szenario nicht etabliert hat, wäre es riskant, darauf zu setzen. Aber eine solche Entwicklung ist denkbar genug, um das im Auge zu behalten.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.