Der Ölpreis und die Zinsen steigen. Das Umfeld für den DAX wird immer kniffliger. Aber auch, wenn der Index am Mittwoch deutlich unter Druck geriet: Die entscheidenden Supportzonen liegen unter dem Kurs … zumindest noch. Was muss gelingen, damit es auch so bleibt?
Sieht man sich das langfristige Chartbild des DAX an, scheint weiterhin alles in bester Ordnung zu sein. Bis auf den Umstand, dass der RSI-Indikator auf Monatsbasis eine negative Divergenz ausgebildet hat, die man als Warnsignal sehen könnte, sieht alles noch bullisch aus. Da wirkt der Umstand, dass der Index bislang für den September ein Minus ausweist, irrelevant. Zumal der Monat ja noch lang ist. Allerdings:

In diesem Zeitraster wäre auch ein Test der oberen Begrenzung des übergeordneten Aufwärtstrendkanals, der 2009 entstand und 2024 nach oben verlassen wurde, nur eine Korrektur in einem bullischen Gesamtumfeld. Sieht man aber genauer hin, erkennt man, dass eben diese „ganz normale“ Zielzone einer Korrektur gerade bei 18.500 Punkten verläuft. So betrachtet sollte man sich von einem langfristig intakten Chartbild nicht dazu verleiten lassen, jetzt unaufmerksam zu werden.
Denn was die Rahmenbedingungen angeht, ist das Umfeld für den DAX alles, aber sicher nicht „intakt“ aus bullischer Sicht. Ein haussierender Ölpreis, steigende Zinsen am Anleihemarkt, ein schwaches Konsum- und Investitionsumfeld und die Unsicherheit, die auch in wirtschaftlicher Hinsicht vom Weißen Haus ausgeht, das ist eine Mixtur, die es zumindest schwieriger macht, dauerhaft ausreichend mehr Käufer als Verkäufer am Markt zu finden, um einen Abwärtsschwenk des Index zu verhindern. Der, wenn er denn käme, erst recht die Gefahr eines markanten Ungleichgewichts zwischen Käufern und Verkäufern bergen würde.
Zwar könnte man sich sagen: All diese Belastungsfaktoren existieren nicht erst seit gestern, trotzdem hat der DAX immer wieder neue Rekordhochs ausgebildet … warum sollte sich das auf einmal ändern?
Expertenmeinung: Aber das besondere Risiko der aktuellen Phase liegt nicht nur in den nicht bullischen Rahmenbedingungen, sondern auch darin, dass das Ignorieren der Risiken seitens vieler Akteure entscheidend mitgeholfen hat, dass die neuen Hochs seit Beginn des Iran-Krieges überhaupt zustande kamen. Denn kaum jemand wird übersehen haben, dass das Pflaster langsam heißer wird. Man hat einfach darauf gesetzt, dass der Trend, solange er hält, die externen Risiken auf Distanz halten wird.
Was bislang in der Tat funktioniert hat. Aber da die Akteure wissen, dass die Risiken da sind und groß genug wären, um den DAX ein ordentliches Stück in die Tiefe zu schicken, dürften sie auf Irritationen im Chartbild, die andeuten, dass der Trend bricht und unter dessen Trümmern eine bärische Gesamtsituation zum Vorschein kommt, sehr sensibel reagieren. Will heißen: Solange charttechnisch nichts anbrennt, kann dieses Ausblenden der Gefahren weitergehen. Brennt jedoch etwas an, kann die Reaktion stark ausfallen, weil dann zu viele zugleich reagieren könnten, um einen „kontrollierten Rückzug“ der Kurse sicherzustellen. Und in Bezug auf das Thema „anbrennen“ hätte der Index jetzt die erste von zwei Schlüsselzonen erreicht:
Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der DAX mit dem gestrigen, kräftigen Rücksetzer die Unterstützungszone zwischen 25.406 und 25.508 Punkten angelaufen hat, die aus den markantesten Zwischenhochs der ersten fünf Monate des Jahres gebildet wird. Diese Zone bildet eine Art vorgelagerte Verteidigungslinie vor der mittelfristig wichtigeren Unterstützungszone zwischen 24.700 und 24.920 Punkten, einer leicht ansteigenden Zone, die sich vor allem aus der April-Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie zusammensetzt.

Sollte diese zweite Verteidigungslinie fallen, kann der Druck schnell ansteigen, vor allem, falls sich die Faktoren, die ihn intensivieren könnten, wie der Ölpreis, die Zinsen, aber auch die Lage vor und nach den Zwischenwahlen in den USA, verschärfen. Die erste Bewährungsprobe für das Ignorieren der Risiken steht jetzt mit dem Test der Zone 25.406 zu 25.508 Punkten an. Wird der nicht bestanden, sollte, wer hier auf der Long-Seite engagiert ist, den Bereich 24.700 zu 24.920 Punkte nicht aus den Augen lassen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 09.09.2026 um 21:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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