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Am 17. April war die wichtige 200-Tage-Linie noch mit Schwung überboten worden, aber die Anschlusskäufe blieben aus. Jetzt notiert der DAX unter diesem gleitenden Durchschnitt … aber nur leicht. Seit Tagen mäandert der Index um diese Linie – wie kann man das bewerten?
Eine klare und nicht sofort wieder egalisierte Überkreuzung der 200-Tage-Linie (in diesem Fall der meist relevanteren, „einfachen“ Linie, bei der die Schlusskurse der letzten 200 Handelstage alle gleich hoch gewichtet in den Durchschnittswert einfließen) ist normalerweise ein markantes, charttechnisches Signal. Immerhin wird diese Linie vor allem von vielen mittel- und langfristig orientierten Akteuren als eine Art Scheidemarke zwischen bullisch und bärisch gesehen. Aber in der aktuellen Situation dürfte es in Bezug auf diese Linie nicht um Wegweisungen gehen.
Die 200-Tage-Linie dürfte momentan weniger als Entscheidungslinie fungieren, sondern als eine Art „Sammelpunkt“ für beide Lager, d. h. für Bullen und Bären gleichermaßen. Von hier aus wären wichtige Chartmarken, deren Überwinden oder Unterschreiten wirklich klare Signale abliefern würden, schnell erreicht.

Während die 200-Tage-Linie selbst, wir sehen es in den Charts auf Tages- wie auf Wochenbasis gleichermaßen, inmitten der seit knapp einem Jahr geltenden Handelsspanne verläuft und dort mittlerweile auch noch seitwärts eingedreht hat, was ihre Relevanz als alleinigen Signalgeber zusätzlich eingrenzt. Was hieße:
Expertenmeinung: Dass der DAX am Dienstag knapp 100 Punkte unterhalb der Linie schloss, hat erst einmal wenig Aussagekraft … mit der Tendenz zu „gar keiner“. Einfach, weil der DAX nicht hier gelandet ist, weil diese Linie eine Entscheidung bringen soll, sondern weil zu viele sich bislang nicht entscheiden konnten. Sie ist also in diesem Fall mehr eine Basis als ein Ziel. Und das Ziel wäre …?
Das Ziel wäre, erst einmal die Argumente zu bekommen, die die Trader brauchen und hinsichtlich dener sie jetzt eben noch komplett in der Luft hängen. Wobei sich, natürlich, letztlich alles um das Iran-Thema dreht. Natürlich kommen jetzt zahlreiche eigentlich wichtige Daten und Entscheidungen. Bilanzdaten in Hülle und Fülle, jetzt auch geballt für DAX-Unternehmen. Die Entscheidungen von US-Notenbank (heute) und EZB (morgen). Und Konjunkturdaten. Doch all das ist Makulatur, weil nichts, das jetzt auf den Tisch kommt, Prognosekraft hat. Nicht solange wir nicht wissen, wann die Versorgung mit Rohöl wieder normal laufen könnte, denn davon hängt ab, ob eine Inflationswelle zu befürchten ist, die Weltwirtschaft sogar in eine Rezession kippt – oder eben nicht.

Die Schlüsselzonen, um die es in Sachen Hausse- oder Baisse-Wegweisung beim DAX gehen würde und in deren Richtung man sich von der 200-Tage-Linie aus „abstoßen“ würde, sind durchaus klar zu definieren. Auf der Oberseite muss der deutsche Leitindex da durch, wo er zuletzt hängenblieb und abdrehte: durch die Widerstandszone 24.266 zu 24.771 Punkte. Auf der Unterseite wäre es der Unterstützungsbereich zwischen 22.943 und 22.380 Zählern, dessen Unterschreiten die Bären in die Vorderhand bringen würde. Alles, was sich dazwischen abspielt, ist quasi „Rauschen“, sind Bewegungen von minderer Bedeutung im Vorfeld klarer Signale, wie es mit Konjunktur, Unternehmensgewinnen und der Gemütslage der Anleger weitergeht. Daher:
Auch wenn es einiges an Geduld erfordert und konsequentes Wegbleiben Nerven kosten kann: Innerhalb dieser Entscheidungszonen wäre der DAX in Sachen Neupositionierungen eigentlich nur etwas für ganz kurzfristige Trader, denn nichts, was im Vorfeld neuer Signale in Bezug auf Iran/USA beim DAX passiert, müsste am Folgetag noch Bestand haben. Abwarten und Tee trinken oder sich zeitweise andere Basiswerte für das Trading suchen? Manchmal kann das durchaus einen Gedanken wert sein!
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