Western Union gilt als Relikt vergangener Zeiten. Alt, unsexy und an der Börse verachtet. Im Gegenzug gibt’s 10 % Dividende.
Ein globales Netzwerk, das kaum zu kopieren ist
Western Union ist kein Unternehmen, das auf den ersten Blick Begeisterung auslöst. Die Marke wirkt alt, die Filialen in vielen Ländern heruntergekommen, das Geschäftsmodell scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. In einer Welt von Echtzeitüberweisungen, Fintechs und Krypto wirkt Western Union wie ein Relikt.
Diese Einschätzung der Lage ist vermutlich sogar richtig. Für Western Union tickt vermutlich die Uhr, und genau aus diesem Grund verachtet die Börse das Unternehmen.
Dabei wird jedoch übersehen, wie viel dieses vermeintlich hässliche Entlein noch immer generiert und wie konsequent dieses Cash an die Aktionäre zurückfließt.
Western Union ist ein globaler Finanzdienstleister mit klarem Fokus auf Geldtransfers.
Das Herzstück des Geschäfts ist das physische Netzwerk. Western Union verfügt über mehr als 500.000 Niederlassungen und Partnerstandorte in über 200 Ländern und Territorien. Kaum ein anderes Finanzunternehmen ist global so flächendeckend präsent. Dieses Netzwerk ist teuer im Aufbau, aber schwer zu replizieren.
500.000 Standorte als unterschätzter Burggraben
Das stellt einen strukturellen Burggraben dar, der häufig unterschätzt wird. Für Millionen von Menschen, insbesondere Arbeitsmigranten, ist Western Union nach wie vor der einfachste und verlässlichste Weg, Geld in ihre Heimatländer zu senden.
Die Dienstleistung ist simpel. Kunden können Geld online, über Apps oder in Filialen einzahlen. Der Empfänger erhält das Geld oft innerhalb von Minuten, entweder in bar, auf ein Bankkonto oder auf eine mobile Wallet.
Western Union wickelt Transaktionen in zahllosen Währungen ab und übernimmt dabei Wechsel, Abwicklung und regulatorische Anforderungen. Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und Reichweite sind die entscheidenden Faktoren.
Western Union wurde in der Vergangenheit häufig mit Betrug, Geldwäsche und dubiosen Geschäften in Verbindung gebracht. In vielen Ländern befinden sich die Filialen in ärmeren Gegenden, was den Eindruck eines schmuddeligen Geschäfts verstärkt.
Zudem wurden immer wieder Strafzahlungen verhängt. In Reaktion darauf hat Western Union seine Compliance- und Sicherheitsstrukturen deutlich ausgebaut. Identitätsprüfungen, Transaktionsüberwachung und Kooperationen mit Behörden wurden verschärft.
Diese Maßnahmen kosten Geld, senken aber langfristig rechtliche Risiken.
Niedergang oder Stillstand?
Western Union steht nicht für Innovation, sondern für Stillstand. Digitale Wettbewerber greifen das Geschäft an. Mobile Wallets und Echtzeitüberweisungen gewinnen Marktanteile. Es ist gut möglich, dass Western Union in 20 Jahren keine relevante Rolle mehr spielt oder ganz vom Markt verschwunden ist. Diese Furcht ist berechtigt.
Dabei wird aber übersehen, was das Geschäft heute noch abwirft. Ein möglicher Untergang dürfte jedoch schleichend erfolgen und nicht über Nacht kommen.
Western Union könnte womöglich in 20 Jahren nicht mehr existieren, doch bis dahin könnte das Unternehmen womöglich das Vielfache des Börsenwerts an die Aktionäre ausschütten.
Da Western Union aktuell mit einer P/E von 5,3 gehandelt wird, könnte das schneller gehen, als so manch einer erwartet.
Derzeit zahlt das Unternehmen eine Dividende in Höhe von 0,94 USD je Aktie, was einer Dividendenrendite von 10,2 % entspricht.
Natürlich hilft einem das wenig, wenn der Kurs ständig weitersinkt oder die Dividende irgendwann nicht mehr gezahlt werden kann.
Da die P/E in den letzten Jahren immer weiter gefallen ist und inzwischen auf einem Niveau angekommen ist, das zuvor nicht mal während Crashs erreicht wurde, dürfte das Kursrisiko vergleichsweise gering sein.
10 % Dividende – nachhaltig oder trügerisch?
Dafür sorgt das Unternehmen mit einem weitgehend stabilen Ergebnis. Das Kerngeschäft von Western Union schrumpft zwar geringfügig, doch dem begegnet das Unternehmen mit Aktienrückkäufen, die das Ergebnis stabil halten.
Der Gewinn tritt faktisch seit vielen Jahren auf der Stelle.
Das Ergebnis lag beispielsweise 2012 bei 1,74 USD je Aktie, 2016 bei 1,75 und in den Jahren 2019, 2022, 2023 und 2024 jeweils bei 1,73 – 1,76 USD je Aktie.
Vielleicht ahnen Sie bereits, wie hoch das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr 2025 ausfallen dürfte. Es könnte bei rund 1,73 USD je Aktie liegen. Es ist der absolute Stillstand – Ausschläge in beide Richtungen sind temporär und meistens durch Konflikte verursacht.
Was sich geändert hat, ist schlichtweg die Bewertung des Unternehmens.
Western Union wird wie ein Unternehmen bewertet, das sich in einem totalen Niedergang befindet. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein Unternehmen im Stillstand.
Stillstand ist sehr viel besser als Niedergang.
Die niedrige Bewertung bringt inzwischen handfeste Vorteile mit sich. Dadurch kann Western Union mit außerordentlich hohem Tempo Aktien zurückkaufen, wodurch das Ergebnis selbst bei einem stagnierenden Kerngeschäft steigen kann.
Wie sinkende Aktienzahlen den Gewinn stabilisieren
In den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres hat Western Union für 200 Mio. USD eigene Aktien zurückgekauft, was in etwa 7 % des Börsenwerts entspricht.
Auf Jahressicht wurde die Zahl der ausstehenden Papiere von 340 auf 323 Millionen Stück reduziert.
Dank der stark rückläufigen Aktienzahl soll das Ergebnis in den kommenden beiden Geschäftsjahren jeweils um 3 – 6 % steigen.
Wer in Western Union investiert, dürfte aber vor allem auf eine Neubewertung der Aktie spekulieren.
Es ist nur wenige Monate her, als Western Union noch mit einer P/E von 8 gehandelt wurde. Was spricht dagegen, dass das nicht wieder geschehen könnte?
Damit die P/E wieder auf 8 steigt, müsste der Kurs bis Ende des Jahres auf 14,24 USD steigen.
Aus heutiger Sicht entspricht das einem Kurspotenzial von 55 %. Hinzu kommt die gut finanzierte Dividende. Die Ausschüttung erfolgt quartalsweise.

Western Union hat in den letzten Monaten einen Doppel-Boden ausgebildet und eine Stabilisierung vollzogen. Gelingt jetzt ein Ausbruch über die Widerstandszone bei 9,75 – 10,00 USD, käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 11,25 – 11,75 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 9 USD zurück, sind erneute Kursverluste in Richtung 8 USD denkbar.
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