Was als unscheinbare Lösung für Regaletiketten begann, entwickelte sich bei Vusion zu einem milliardenschweren Smart-Store-Ökosystem.
Unscheinbare Anfänge – große Zukunft?
Vusion hat sich von einem Anbieter elektronischer Regaletiketten zu einem zentralen Technologiepartner des stationären Einzelhandels entwickelt. Der Einstieg über Electronic Shelf Labels wirkte zunächst unscheinbar, adressierte jedoch ein strukturelles Kernproblem großer Handelsketten. Steigende Kosten, permanenter Preisdruck und der Wunsch nach effizienteren Prozessen machen manuelle Preisauszeichnung zunehmend untragbar.
Die digitale Preissteuerung in Echtzeit senkt den Personalaufwand, reduziert Fehlerquoten und erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit bei Preisänderungen deutlich. Gleichzeitig unterstützt sie Nachhaltigkeitsziele durch den Wegfall von Papieretiketten.
Auf dieser Basis hat Vusion sein Geschäftsmodell konsequent erweitert. Mit VusionCloud positioniert sich das Unternehmen als Plattformanbieter für den vernetzten Einzelhandel. Die Lösung fungiert als Betriebssystem für Smart Stores und verbindet Filialdaten, Endgeräte und zentrale IT-Systeme in Echtzeit.
Das Betriebssystem für den Smart Store
Händler erhalten dadurch eine äußert hohe Transparenz über Preise, Bestände und Abläufe am Point of Sale. Die hohe Integrationstiefe sorgt dafür, dass Vusion-Lösungen nicht nur unterstützend wirken, sondern direkt in operative Kernprozesse eingebunden sind.
Ein entscheidender Differenzierungsfaktor ist die Übernahme von Captana und der damit verbundene Einsatz von KI-gestützter Computer Vision. Die Technologie erkennt leere Regale oder Fehlplatzierungen automatisiert und löst Handlungsempfehlungen bis hin zur Nachbestellung aus.
Damit verschiebt sich der Fokus von reaktiven zu vorausschauenden Prozessen. VusionGroup kombiniert Hardware, Software und Datenanalyse zu einem geschlossenen Ökosystem, das Effizienzgewinne und Umsatzpotenziale gleichzeitig hebt. Diese strategische Positionierung schafft hohe Wechselkosten für Kunden und bildet die Grundlage für langfristiges Wachstum.
Ein Ökosystem mit hohen Wechselkosten
Bei den Kunden kommt das alles gut an. In den letzten fünf Geschäftsjahren hat sich der Umsatz von 290 auf 955 Mio. Euro vervielfacht. Die Expansion wurde nahezu vollständig aus dem laufenden Cashflow finanziert. Die Zahl der Aktien ist in dieser Zeit nicht gestiegen und das Unternehmen hat keine Nettoschulden – ganz im Gegenteil: Zuletzt besaß Vusion Nettobarmittel in Höhe von 513 Mio. Euro, was nahezu einem Sechstel des Börsenwerts entspricht.
Auf Jahressicht sind die Nettobarmittel um etwa 300 Mio. Euro gestiegen, daher drängt sich die Frage auf, wann Vusion größere Aktienrückkäufe oder eine deutliche Erhöhung der Dividende beschließen wird.
Schaut man sich die Kursentwicklung bei Vusion an, wird man hingegen stutzig. Nach dem ersten Artikel zur Aktie vor einigen Monaten ging der Kurs komplett durch die Decke.
Der Walmart-Schock und seine Folgen
Nachdem Walmart jedoch bekanntgab, seine Beteiligung am Unternehmen zu reduzieren und 650.000 Aktien zu verkaufen, kam es zu einer regelrechten Panik. Ein Großteil der Kursgewinne wurde zunichte gemacht, da der Verkauf die Furcht schürte, dass Walmart die Services von Vusion in Zukunft nicht mehr nutzen könnte.
Verlautbarungen in diese Richtung gibt es jedoch nicht. Darüber hinaus hält Walmart auch nach dem Teilverkauf noch 6,5 % der Anteile am Unternehmen.
Ganz im Gegenteil. Walmart hat seine vertragliche Beziehung zu VusionGroup erweitert und beschleunigt den Rollout von Lösungen wie EdgeSense und VusionCloud in seinen US-Filialen.
Das zielt darauf ab, Prozesse wie Merchandising, Inventar-Management und E-Commerce-Order-Fulfillment weiter zu digitalisieren.
Darüber hinaus hat Walmart neben der Beteiligung auch ein eigenes Interesse daran, das Geschäft mit Vusion auszubauen – die Amerikaner erhalten abhängig vom Geschäftsvolumen entsprechende Preisnachlässe.
Walmart bleibt an Bord – und baut die Partnerschaft aus
Dass es bei Vusion nach wie vor gut läuft, das zeigen auch die jüngsten Quartalszahlen.
Im dritten Quartal konnte das Unternehmen den Umsatz um 59 % auf 348 Mio. Euro steigern. Die Wachstumsdynamik hat im Vergleich zu den vorherigen Quartalen weiter zugenommen.
In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres konnte der Umsatz um 54 % auf 1,00 Mrd. Euro gesteigert werden.
Der Auftragseingang deutet darauf hin, dass sich die starke Entwicklung fortsetzen dürfte. In den zurückliegenden 12 Monaten konnte der Auftragseingang um 12 % auf 1,76 Mrd. Euro gesteigert werden.
Gleichzeitig verzeichnet das profitable Software- und Servicegeschäft ein enormes Wachstum. In den ersten neun Monaten kletterte der Umsatz in diesem Bereich um 115 % auf 144 Mio. Euro.
Dabei handelt es sich zu einem großen Teil um wiederkehrende Einnahmen, die auf die zunehmende Nutzung von cloudbasierten Preisschildern zurückzuführen ist. Die Zahl dieser modernen Preisschilder ist auf Jahressicht von 135 auf 314 Millionen Stück gestiegen.
Daher wurde die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt. Vusion stellt weiterhin einen Umsatzsprung um 50 % auf 1,5 Mrd. Euro in Aussicht. Gleichzeitig soll die EBITDA-Marge um 200 – 300 Basispunkte steigen.
Neue Großkunden als Wachstumsmotor
Darüber hinaus konnte man in Q3 Morrisons als Kunden gewinnen. Morrissons ist einer der fünf größten Einzelhändler in Großbritannien.
Im Zuge der Kooperation sollen alle 497 Niederlassungen des Unternehmens mit mehr als 10,8 Millionen Preisschildern modernisiert werden.
Ende Oktober konnte Vusion die Drogeriekette DM als Kunden gewinnen. In einem ersten Schritt sollen 70 Niederlassungen modernisiert werden – potenziell könnten es mehr als 4.000 werden.
Ferner hat sich auch Obi entschlossen, zukünftig auf Vusion zu setzen und 200 Niederlassungen zu modernisieren.
Den Konsensschätzungen zufolge wird Vusion im Geschäftsjahr 2025 einen Gewinn von 4,80 Euro je Aktie erzielen und wird dementsprechend mit einem KGVe von 40,8 bewertet.
Auf den ersten Blick ist das nicht gerade wenig, aber Vusion ist gerade erst dabei, nachhaltig profitabel zu werden.
Im Geschäftsjahr 2026 soll das Ergebnis auf über 8 Euro je Aktie steigen, wodurch das KGV auf 23 sinken würde.

Aus technischer Sicht ist die Aktie dennoch angeschlagen. Wird die Unterstützung bei 195 Euro nachhaltig durchbrochen, könnte die Aktie in Richtung 180 oder sogar 160 Euro durchgereicht werden.
Gelingt hingegen ein nachhaltiger Anstieg über 210 Euro, könnte die Aktie einen neuen Anlauf in Richtung 243 oder 260 Euro nehmen.
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