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Was hat die italienische Großbank UniCredit mit der Commerzbank vor? Kommt eine Übernahme? Oder wird die Sache der UniCredit zu teuer? Zum Wochenstart schien es, dass wir auf diese schon so lange offenen Fragen Antworten erhalten hätten. Aber ist das auch so?
Eigentlich nicht. Denn was die UniCredit am Montagmorgen überraschend vorlegte, war kein freiwilliges Übernahmeangebot an die Commerzbank-Anteilseigner, sondern die Ankündigung, dass man dies tun wolle, voraussichtlich Anfang Mai. Noch ist das also nicht offiziell. Das ist aus meiner Sicht ein interessanter Aspekt. Und nicht der einzige.
Denn UniCredit schrieb, das Ziel sei es, den Anteil auf diesem Weg über 30 Prozent zu heben, man strebe aber keine Kontrolle über die Commerzbank an. Man darf sich fragen, welchen Sinn die Sache damit hätte. Mitreden, ohne wirklich entscheiden zu können, kann die UniCredit auch mit ihren knapp 30 Prozent schon, die man jetzt hält. Warum sollte man immense Summen ausgeben, um dasselbe mit 35, 40 oder 45 Prozent zu tun? Und wie will man, davon mal abgesehen, denn steuern, dass man nach einem offiziellen Übernahmeangebot nicht „aus Versehen“, weil genug Aktionäre der Bank die Aktien andienen, doch die Mehrheit erlangt?
Hinzu kommt, dass man sich fragen muss, wer dieses schlappe Angebot denn akzeptieren würde. Denn die UniCredit erwartet, dass man nach einer Überprüfung durch die BaFin ein Angebot von 0,485 Aktien der Unicredit für eine Commerzbank-Aktie abgeben werde, was auf Basis der Freitags-Schlusskurse einer abschreckend jämmerlichen Prämie von vier Prozent auf den Commerzbank-Aktienkurs entsprechen würde. Was zu dem Schluss führt:
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Expertenmeinung: Es wirkt, als wolle die UniCredit jetzt einfach mal die Reaktion auf eine solche Maßnahme unter „realen Bedingungen“ abklopfen oder versuchen, auf diesem Weg über die 30-Prozent-Schwelle zu kommen, um dann über Marktkäufe ihren Anteil zu erweitern, bis man am Ende die Kontrolle hat. Was aber letztlich teurer würde, wenn der Markt da Lunte riecht. Und selbst wenn es zu einer einigermaßen tauglichen Zustimmung kommen würde:
Bis zum für Anfang Mai avisierten formellen Angebot könnte die italienische Großbank die Sache jederzeit wieder einstampfen. Und wirklich überraschen würde das nicht, denn:
Zum einen äußerte sich die Commerzbank selbst negativ. Dort wurde betont, dass diese Maßnahme mit ihr nicht abgestimmt gewesen sei und die UniCredit bis heute kein Konzept vorgelegt habe, wie eine Übernahme wertstiftend sein könnte. Und man bemängelte den nahezu nicht vorhandenen Aufschlag auf den aktuellen Commerzbank-Kurs. Zum anderen erklärte der Bund als Eigner von zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile, dass man die Übernahme dort ablehne.
Bemerkenswert ist auch, dass die Anleger die UniCredit-Aktie selbst daraufhin nicht nennenswert in Bewegung setzten. Es scheint, viele Marktteilnehmer interpretieren diese Meldung ebenfalls als eine Art „Testballon“. Was auch dazu führt, dass das Risiko einer Toppbildung bei der UniCredit-Aktie fortbesteht:

Bislang gelingt es zwar, die wichtige Supportzone 60,59 bis 61,56 Euro zu verteidigen, aber lösen kann sich die Aktie davon bislang nicht. Erst wenn es gelingen sollte, die im Januar und Februar zeitweise nach oben durchbrochene Handelsspanne 60,59 zu 70,70 Euro erneut signifikant nach oben zu verlassen, wäre die UniCredit-Aktie wieder bullisch. Diese gestrige Meldung zur Commerzbank trug dazu in keiner Weise bei … und könnte am Ende sogar eher negativ wirken. Daher: Hier Long zu sein, würde sich derzeit eindeutig nicht aufdrängen.
Quellenangaben:
Meldung über ein freiwilliges Übernahmeangebot a.d. Commerzbank-Anteilseigner, 16.03.2026:
https://www.unicreditgroup.eu/en/press-media/press-releases-price-sensitive/2026/march/press-release.html
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