Das Börsenjahr 2025 war für viele Aktien brutal. Manche Aktien verdienen ihren Absturz, andere werfen Fragen auf – Tenable gehört aus meiner Sicht eindeutig zur zweiten Kategorie.
Warum Schwachstellenmanagement kein Luxus ist
Im vergangenen Jahr hat es einige Aktien hart getroffen. Viele zu Recht, bei anderen fragt man sich jedoch, wo das Problem liegt.
Bei Tenable offenbart ein genauerer Blick auf die Fundamentaldaten, dass die Kursentwicklung in einer scharfen Diskrepanz zur operativen Entwicklung steht. Das Unternehmen hat in den letzten Quartalen auf allen Ebenen Rekorde erzielt, die Aktie fällt jedoch wie ein Stein.
Tenable gehört zu den bekannten Anbietern im Bereich Cybersecurity und hat sich neben Qualys und Rapid7 als einer der drei großen Player im Schwachstellenmanagement etabliert.
Die Relevanz von Tenable ergibt sich primär aus der Fähigkeit, komplexe IT-Strukturen systematisch auf Sicherheitslücken zu untersuchen und potenzielle Einfallstore für kriminelle Akteure zu schließen, bevor diese ausgenutzt werden können.
Die Identifizierung von technischen Unzulänglichkeiten, die von fehlerhaften Konfigurationen bis hin zu unsicheren Authentifizierungsmechanismen reichen, ist essenziell.
Diese Faktoren stellen statistisch gesehen die häufigsten Ursachen für erfolgreiche Cyberangriffe dar, weshalb das Management dieser Risiken kein optionaler Luxus, sondern ein integraler Bestandteil jeder Sicherheitsarchitektur ist.
Vom Türöffner zur Plattform für alles
Die zunehmende Komplexität moderner Netzwerke, die sich über lokale Rechenzentren bis hin zu hybriden Cloud-Umgebungen erstreckt, verlangt nach Lösungen, die diese unübersichtlichen Strukturen effektiv überwachen können. Tenable adressiert diesen Bedarf.
Die historische Basis des Erfolgs bildete der Schwachstellenscanner Nessus, der bis heute vielfach als Industriestandard gilt und weltweit in nahezu jeder IT-Abteilung zur Grundausstattung gehört.
Heute fungiert Nessus vor allem als Türöffner für die anderen Angebote von Tenable wie Tenable.io für Cloud-Anwendungen und Tenable.sc für den klassischen On-Premise-Betrieb.
Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal stellt zudem die Sparte Tenable.ot dar, welche die Absicherung industrieller Steuerungssysteme ermöglicht.
Wer gewinnt diesen Wettlauf?
Der strategische Durchbruch scheint dem Unternehmen jedoch mit der Einführung von Tenable One gelungen zu sein. Diese Plattform bündelt sämtliche Einzellösungen in einem zentralen Portal und ermöglicht ein umfassendes Exposure-Management. Anstatt nur punktuell nach Fehlern zu suchen, erlaubt Tenable One eine ganzheitliche Sicht auf die gesamte Angriffsfläche eines Unternehmens.
Rapid7 scheint Marktanteile zu verlieren. Zuletzt stagnierte der Umsatz und der freie Cashflow war rückläufig. Die schwache Kursentwicklung ist daher leicht zu erklären.
Qualys und Tenable scheinen sich zunehmend abzusetzen. Qualys dürfte 2025 einen Anstieg des FCF um 24 % verzeichnen und trotzdem tritt der Aktienkurs auf der Stelle.
Tenable dürfte einen Anstieg des FCF um 15 % erzielen, während gleichzeitig der Kurs deutlich gefallen ist.
Dadurch ist der P/FCF (2025) auf 11,6 gesunken. Qualys wird mit einem P/FCF von 16,9 bewertet, obwohl der Ausblick für 2026 schwächer ist als der von Tenable.
Seit dem Börsengang hat sich der Umsatz von 267 auf 900 Mio. USD mehr als verdreifacht. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität nachhaltig verbessert. Im Geschäftsjahr 2020 hat das Unternehmen erstmals einen positiven Cashflow erzielt und den FCF in dieser Zeit von 0,44 auf 1,74 USD je Aktie vervielfacht.
Der Kurs ist in dieser Zeit weitgehend auf der Stelle getreten. Tatsächlich notiert Tenable heute unter dem Kurs der Erstnotiz von 2018.
Mit Seltenheitswert
Dass Kursentwicklung und Fundamentaldaten zeitweise auseinanderklaffen, kommt an der Börse ständig vor.
Wäre das nicht der Fall, wäre eine Beschäftigung mit Einzelaktien reine Zeitverschwendung.
Tenable ist jedoch ein außerordentlich drastischer Fall, wie man ihn selten erlebt. Das Unternehmen wächst, Profitabilität, Gewinn und freier Cashflow haben Rekordwerte erreicht und obendrein wurden durchweg die Erwartungen übertroffen – und dennoch fällt die Aktie wie ein Stein.
Es ist schwer abzusehen, wann sich das Blatt wenden wird. Aber die Erfahrung zeigt, dass Bewertungen mit einer P/E oder P/FCF von 10 – 12 eine schnellwachsende Zahl an Anlegern anlockt.
Oft bildet sich auf diesem Niveau ein Boden aus.
Tenable ist inzwischen in diesen Bereich vorgestoßen, die P/E (2025) liegt bei 15,2 und der P/FCF bei 11,6.
Sollten das Ergebnis und der Gewinn im Geschäftsjahr 2026 wie erwartet um 14 – 15 % steigen, würde die P/E auf 13,3 und der P/FCF auf 10,1 sinken.
Bereits heute ließe sich eine wesentlich höhere Bewertung rechtfertigen. Die erwarteten Gewinnsteigerungen von Tenable sind etwas höher als die des S&P 500 und die Bewertung nur etwa halb so hoch.

Nahe der Unterstützungszone bei 22,50 – 23,25 USD scheint es zu Stabilisierungstendenzen zu kommen. Ausgehend von dieser Basis könnte es jetzt zu einer Erholung in Richtung 25 USD kommen.
Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen zwischen 27 und 29 USD.
Die nächste relevante Unterstützung unter 22,50 USD liegt bei 21 USD.
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