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Kooperationen mit Nvidia, Taiwan Semi, Intel, AMD und Cisco: Wurde dieser KI-Profiteur bisher vollkommen übersehen?
Die Aktie kommt nicht vom Fleck. Aber wie lange noch?
Synopsys ist einer der wichtigsten Anbieter von Software und Bauteilen für die Entwicklung moderner Halbleiter. Das Unternehmen sollte daher ein zentraler Profiteur der steigenden Chipkomplexität und des KI-Booms sein.
Bisher kann von einem Höhenflug der Aktie aber keine Rede sein. Der Kurs tendiert sogar abwärts – und das dürfte vor allem an der laufenden Integration von Ansys liegen.
Dadurch könnte jetzt eine mögliche Gelegenheit entstehen.
Das Kerngeschäft ist Electronic Design Automation (EDA). Vereinfacht gesagt liefert Synopsys die Werkzeuge, mit denen Chipdesigner komplexe Prozessoren und andere Halbleiter entwerfen, simulieren, verifizieren und für die Produktion vorbereiten.
Das ist ein extrem spezialisiertes Geschäft. Große Chipentwickler können nicht einfach auf andere Software wechseln, weil die Entwicklungsprozesse tief in die eigenen Workflows integriert sind. Genau daraus entstehen hohe Wechselkosten und eine starke Kundenbindung.
Weltweites Duopol
Synopsys gehört dabei zusammen mit Cadence zu den beiden dominierenden unabhängigen EDA-Anbietern. Neben Software verkauft Synopsys auch Semiconductor IP, also vorentwickelte Bausteine, die Kunden in ihre eigenen Chips integrieren können.
Der KI-Boom ist für Synopsys nicht nur deshalb positiv, weil mehr Rechenchips gebaut werden. KI-Chips werden gleichzeitig immer komplexer.
Mehr Transistoren, Chiplets, High-Bandwidth-Memory, 3D-Packaging und immer kleinere Fertigungsstrukturen erhöhen den Aufwand für Design und Verifikation. Dadurch steigt der Wert von EDA-Software.
Noch interessanter ist, dass Synopsys selbst KI in seine Entwicklungswerkzeuge integriert. KI soll beispielsweise beim Chipdesign, bei der Verifikation und bei der Optimierung von Designs helfen.
Der große Wendepunkt: Ansys
Das große Schlüsselereignis ist jedoch die Übernahme von Ansys im Juli 2025 für 34,9 Mrd. USD.
Im Endeffekt hat es sich um eine Fusion auf Augenhöhe gehandelt.
Ansys ist bedeutend bei Simulation und physikalischer Analyse. Die Kombination ermöglicht es Synopsys, Design und Simulation stärker miteinander zu verbinden – vom Chip bis zum kompletten System. Das erweitert den adressierbaren Markt laut Synopsys massiv.
Das Unternehmen lässt sich inzwischen grob in vier Bereiche einteilen: EDA, Semiconductor IP, Simulation & Analysis sowie Dienstleistungen.
Der Charme des Geschäftsmodells bleibt dabei erhalten: Kunden kaufen keine beliebige Standardsoftware, sondern hochkritische Werkzeuge für Entwicklungsprozesse, bei denen Fehler extrem teuer sind.
Darüber hinaus dauert die Entwicklung neuer Chips typischerweise mehrere Jahre. Anschließend kommt es in der Regel zu Updates und Verbesserungen, was die Kundenbindung weiter verstärkt.
Sie alle setzen auf Synopsys
Ein moderner Chip kann Milliarden Transistoren enthalten und Entwicklungszyklen dauern Jahre. Die eingesetzten EDA-Tools sind deshalb tief in die Prozesse von Unternehmen wie Nvidia, Intel, AMD, Qualcomm oder großen Foundries eingebettet.
Für Anleger stellt sich jedoch immer die Frage, ob ein Zukauf wirklich einen Mehrwert schafft und ob die rosigen Versprechungen des Vorstands auch erfüllt werden. Im Fall von Ansys scheint der Plan jedoch aufzugehen.
Synopsys hatte bei Abschluss der Übernahme angekündigt, in der ersten Hälfte 2026 erste kombinierte Lösungen auf den Markt zu bringen. Dieses Ziel wurde erreicht. Im März 2026 kam mit Ansys 2026 R1 die erste große Produktversion seit der Übernahme. Sie enthielt bereits gemeinsame Workflows zwischen Synopsys und Ansys.
Im Juni wurde die erste Welle der Multiphysics-Fusion-Lösungen für Kunden verfügbar. Dabei werden Ansys-Simulationsfunktionen direkt in Synopsys’ EDA-Workflows integriert.
Synopsys berichtet beispielsweise von bis zu 3x schnelleren Laufzeiten und in bestimmten Workflows von bis zu 10x schnellerem Design Closure. Diese Zahlen stammen allerdings vom Unternehmen selbst und sollten nicht als allgemeiner Produktivitätsgewinn für alle Kunden interpretiert werden.
Die ersten gemeinsamen Produkte
Interessant ist, dass bereits große Kunden wie Cisco, MediaTek, Nvidia und Samsung Foundry die neuen Lösungen einsetzen bzw. deren Wirkung demonstrieren.
Im Juli 2026 meldete Synopsys beispielsweise eine enge Integration mit Intel Foundry für Intels 14A-Prozess.
Die wichtigste Partnerschaft dürfte aber die mit TSMC sein. Wie die beiden Unternehmen im April bekanntgegeben haben, setzt Taiwan Semi bei der nächsten Generation von KI-Chips auf Bauteile und EDA-Software von Synopsys.
Doch wer meine Analysen kennt, wird wissen, dass ich mich nicht auf schöne Worte verlasse. Die Zahlen müssen ebenfalls stimmen.
Im ersten Quartal lag der Gewinn mit 3,77 USD je Aktie über den Erwartungen von 3,56 USD. Mit einem Umsatz von 2,41 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 2,38 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Die Umsatzentwicklung ist auf Jahressicht nicht sinnvoll vergleichbar, das Ergebnis konnte jedoch nach der Verwässerung und unter Berücksichtigung höherer Zinsen um 24 % gesteigert werden (non GAAP).
Daraufhin wurden die Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr von 14,32 – 14,40 auf 14,38 – 14,46 USD je Aktie erhöht.
Ausblick und Bewertung
In Q2 lag der Gewinn mit 3,35 USD je Aktie ebenfalls über den Erwartungen von 3,18 USD. Mit einem Umsatz von 2,28 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 2,25 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht sind die Zahlen kaum vergleichbar, da der Vorjahreszeitraum ebenfalls von Sondereffekten geprägt war – vor allem durch Gewinne aus Verkaufserlösen.
Dass der Vorstand anschließend abermals die Prognose erhöht hat, spricht jedoch eine klare Sprache. Synopsys stellt inzwischen einen Gewinn von 14,72 – 14,80 USD je Aktie in Aussicht.
Das entspräche einem Gewinnsprung um etwa 14 % und einem Rekordergebnis. Synopsys kommt demnach auf eine forward P/E von 28,6.
Im langjährigen Durchschnitt lag die P/E bei 31,7. In den letzten fünf Jahren lag die P/E im Durchschnitt sogar bei 38,6. Aus dieser Warte wäre also noch Luft vorhanden. Der eigentliche Hebel rührt aber daher, dass die Erwartungen noch immer zu niedrig sein könnten und sich die Dynamik beschleunigen könnte.
Nach derartigen Übernahmen ist die Lage schwer durchschaubar: Hohe Schulden, Abschreibungen und Sondereffekte verzerren die Zahlen und schrecken Anleger ab.
In diesem Fall scheint der Zusammenschluss jedoch die gewünschten Resultate zu erzielen. Erste gemeinsame Produkte sind bereits auf dem Markt, Synergieeffekte treten ein, der Cashflow zieht an und das Ergebnis je Aktie steigt.
Darüber hinaus hat Synopsys die langfristigen Schulden seit der Übernahme bereits von 13,5 auf 10,0 Mrd. USD reduziert.

Seit der Bekanntgabe der Übernahme von Ansys läuft die Aktie hochvolatil seitwärts. Dabei wurde die Unterstützungszone um 380 USD mehrfach angesteuert und hat bisher gehalten.
Gelingt jetzt ein Ausbruch über 425 USD, könnte es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 460 sowie 500 und 528 USD kommen. Über 528 USD könnte sich das Chartbild spürbar aufhellen.
Wird hingegen das bisherige Jahrestief nachhaltig unterschritten, könnte sich das Chartbild erheblich eintrüben.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.08.2026 um 15:18 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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