Rekordzahlen, steigende Margen und volle Auftragsbücher. Stantec liefert scheinbar auf allen Ebenen ab. Nur kurstechnisch nicht.
Vom kanadischen Ingenieurbüro zum globalen Infrastrukturplayer
Stantec ist einer der bedeutendsten Ingenieurdienstleister in Kanada, mit seinen 32.000 Mitarbeitern und 450 Standorten jedoch auf sechs Kontinenten tätig.
Stantec plant und begleitet Infrastrukturprojekte von der ersten Idee bis zum Betrieb und zur Stilllegung. Das Leistungsangebot umfasst Ingenieurwesen, Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, Vermessung, Umweltwissenschaften sowie Projektmanagement für Kunden aus dem öffentlichen und privaten Sektor.
Die Kundenbasis ist stark diversifiziert, da das Unternehmen in einer Vielzahl von Branchen tätig ist, darunter Infrastruktur, Wasser, Gebäude, Umwelt, Transport, Energie, Rohstoffe & Bergbau und Kommunalentwicklung.
Dabei agiert das Unternehmen als reiner Dienstleister ohne eigene Bauaktivitäten.
Strategisch setzt das Unternehmen auf organisches Wachstum und gezielte Zukäufe. Im Gesamtjahr 2024 stieg der Umsatz beispielsweise um 15,8 % auf 5,9 Milliarden kanadische Dollar (CAD), getragen von 7,4 % organischem Wachstum und 7,5 % Wachstum durch Akquisitionen.
Zukäufe als Turbo: Wie Stantec gezielt expandiert
Stantec kauft gezielt kleinere Spezialistenhäuser, integriert sie in die globale Plattform und hebt so Synergien, ohne die Unternehmenskultur zu zerstören. Der Zukauf von Zetcon (2024) in Deutschland ist ein Paradebeispiel dafür. Damit hat Stantec die europäische Präsenz verstärkt und sich Zugang zu den milliardenschweren Infrastrukturerneuerungsprogrammen der EU verschafft.
Dabei handelt es sich nicht um den einzigen strukturellen Rückenwind. Stantec profitiert zudem von Megatrends wie alternder Infrastruktur, Wasserknappheit, Energiewende und dem Umbau von Städten für eine wärmere Welt – all das sind Themen, die nicht verschwinden.
Diese Strategie scheint aufzugehen, das zeigt nicht nur die langfristige Kursentwicklung. In den zurückliegenden fünf Jahren konnte Stantec den Umsatz von 3,64 auf 6,5 Mrd. CAD steigern.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert, wodurch der Gewinn von 2,42 auf 5,30 CAD je Aktie überproportional gesteigert werden konnte.
Alle Segmente liefern
Das letzte Geschäftsjahr ist exemplarisch für die Entwicklung. Das organische Wachstum lag bei 5,0 %, hinzu kam das Wachstum durch Übernahmen.
Unterm Strich konnte der Umsatz um 10,7 % auf 6,5 Mrd. CAD gesteigert werden. Die EBITDA-Marge verbesserte sich um 90 Basispunkte auf 17,6 %.
Das EBITDA kletterte um 16,7 % auf 1,1 Mrd. USD und das Ergebnis sogar um 20 % auf 5,30 CAD je Aktie.
Darüber hinaus hat sich das Wachstum im Jahresverlauf beschleunigt. Im Schlussquartal konnte der Umsatz um 11 % auf 857 Mio. CAD gesteigert werden.
Zum Wachstum haben alle fünf Sparten beigetragen. Vom Konzernumsatz entfielen zuletzt 26 % auf das Segment Infrastructure, 24 % auf Buildings, 22 % auf Water, 17 % auf Environmental Services und 11 % auf Energy & Resources.
Die geographische Diversifikation ist ebenso stark, variiert jedoch je nach Segment (Quelle). In den meisten Konzernsparten entfällt der größte Teil der Umsätze auf Kanada und die USA.
Auf Konzernebene lag der US-Anteil zuletzt bei 52 %, weitere 23 % entfallen auf Kanada und 25 % auf das internationale Geschäft.
Enormer Auftragsbestand
Das vielleicht überzeugendste Argument für das Unternehmen ist der hohe und bisher stetig steigende Auftragsbestand, der im letzten Jahr um 9,5 % auf 8,6 Mrd. CAD gesteigert werden konnte.
Damit dürfte das Unternehmen vorerst voll ausgelastet sein.
Die obligatorische Einordnung zum Thema KI darf natürlich nicht fehlen. Das Unternehmen selbst sieht sich als KI-Gewinner.
Demnach automatisiert KI dokumentenintensive und sich wiederholende Aufgaben, sodass sich Ingenieure stärker auf Planung und Risikomanagement konzentrieren können. KI ermöglicht die frühzeitige Bewertung von Projektoptionen, reduziert Konflikte in späteren Phasen und verbessert die Projektqualität. KI erlaubt eine schnellere Projektabwicklung, bessere Ergebnisse, eine klarere Nachvollziehbarkeit sowie höhere Margen und mehr Sicherheit bei der Umsetzung (Quelle, Seite 15).
In der näheren Zukunft dürfte sich die gute geschäftliche Entwicklung fortsetzen. Dem Vorstand zufolge ist Stantec gut in das Jahr gestartet.
Ausblick: Der nächste Gewinnsprung
CEO Johnston: „2026 ist stark gestartet, und mit einem neuen Rekord-Auftragsbestand von 8,6 Milliarden US-Dollar sind wir sehr gut positioniert für ein weiteres Jahr mit anhaltendem Wachstum. Die Dynamik, die wir aufgebaut haben, kombiniert mit günstigen langfristigen Markttrends in den Bereichen Wasser, Gesundheitswesen, Verkehr, Energiewende und geschäftskritische Infrastrukturen, versetzt uns in eine hervorragende Lage, bedeutendes Wachstum nicht nur im Jahr 2026, sondern auch in den kommenden Jahren zu realisieren.“
Für 2026 stellt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 8,5 – 11,5 % in Aussicht. Gleichzeitig soll die Profitabilität weiter zunehmen, die EBITDA-Marge soll auf 17,6 – 18,2 % steigen.
Der Gewinn je Aktie soll um 15 – 18 % zulegen.
Dazu passen die Konsensschätzungen, die einen Gewinnsprung um 16 % auf 6,15 CAD je Aktie vorsehen.
Stantec kommt demnach auf eine forward P/E von 20,1.
Das ist in Anbetracht der vorliegenden Wachstumsraten und des hohen Auftragsbestandes vertretbar. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 24,9.
Sollte die Bewertung bis Ende des Jahres wieder auf dasselbe Niveau steigen, würde das einem Kurs von 153,13 CAD oder 111,14 USD entsprechen.

Kunden von LYNX Broker können die Aktie an der Heimatbörse in Toronto, in Euro oder an der NYSE in US-Dollar handeln.
Der Chart bezieht sich auf die Notierung in USD.
Das Chartbild ist bullisch und wird von mehreren parallel verlaufenden Aufwärtstrends geprägt.
Es wäre möglich, dass die Aktie gerade am obersten Aufwärtstrend abgeprallt ist und es jetzt zu einer Erholung in Richtung 93,50 USD kommt. Darüber würde ein prozyklisches Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 100 – 102 und 105 USD ausgelöst.
Fällt die Aktie hingegen unter 85 USD, muss mit weiteren Verlusten gerechnet werden. Mögliche Anlaufstellen wären die Unterstützung bei 78,50 USD oder die Aufwärtstrendlinien.
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