Das Comeback der Festplatte: Nachdem Seagate den Gewinn verdoppelt hat, dürfte er sich jetzt noch einmal mehr als verdoppeln.
Denn Sie wissen nicht, was sie tun
Zuletzt standen viele Halbleiter- und Hardware-Aktien unter Druck. Der Kurs von Seagate ist beispielsweise von 1.145 auf 700 USD eingebrochen.
Die Volatilität ist enorm und so mancher ging wohl davon aus, dass die „KI-Blase“ geplatzt ist.
Doch in Anbetracht der enormen Gewinnsprünge mancher Aktien dürfte so manch ein Zweifler langsam ins Grübeln kommen. Vielleicht ist die These von der KI-Blase nicht ganz so stichhaltig wie gedacht.
Denn die Investitionen in diesem Sektor sind nicht von der Hand zu weisen und historisch geradezu einmalig.
Laut Gartner dürften sich die weltweiten KI-Investitionen in diesem Jahr auf sagenhafte 2.500 Milliarden Dollar belaufen.
Kein Wunder also, dass auch bei einem Hersteller von Festplatten etwas hängenbleibt. In welchem Ausmaß das geschieht, haben die gestrigen Quartalszahlen abermals bewiesen.
Die Datenflut schafft einen Milliardenmarkt
Seagate Technology gehört zu den weltweit größten Herstellern von Festplatten (HDDs) und Speicherlösungen. Das Unternehmen entwickelt und produziert vor allem klassische Festplatten für Rechenzentren, Cloud-Anbieter, Unternehmen und Privatanwender.
Heute stammen mehr als 80 % der Umsätze aus dem Verkauf hochkapazitiver Festplatten für Rechenzentren. Zu den wichtigsten Kunden gehören Hyperscaler wie Amazon, Microsoft, Google und Meta sowie Hersteller von Server- und Speichersystemen. Der klassische Endverbrauchermarkt spielt dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle.
Diese strategische Neuausrichtung ist kein Zufall. Die weltweit erzeugte Datenmenge wächst seit Jahren exponentiell. Cloud Computing, Videostreaming, industrielle Digitalisierung, das Internet der Dinge und vor allem künstliche Intelligenz sorgen dafür, dass jedes Jahr deutlich mehr Daten gespeichert werden müssen.
Während SSDs aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit für viele Anwendungen unverzichtbar sind, bleiben Festplatten bei großen Datenmengen die mit Abstand günstigste Lösung.
Ein Oligopol mit hohen Eintrittsbarrieren
Besonders interessant ist dabei die Rolle von künstlicher Intelligenz. Viele Anleger verbinden den KI-Boom in erster Linie mit Halbleitern oder Grafikkarten. Tatsächlich entsteht jedoch entlang der gesamten Wertschöpfungskette eine enorme Nachfrage nach Speicherlösungen. Das Training großer KI-Modelle erzeugt gewaltige Datenmengen, die dauerhaft gespeichert werden müssen.
Hinzu kommen sogenannte Cold Data, also Daten, auf die nur selten zugegriffen wird, die aber aus regulatorischen oder wirtschaftlichen Gründen langfristig archiviert werden müssen. Für diese Anwendungen sind hochkapazitive Festplatten die mit Abstand effizienteste Lösung.
Der entscheidende Wettbewerbsvorteil von Seagate heißt jedoch HAMR. Hinter der Abkürzung verbirgt sich die Heat-Assisted Magnetic Recording-Technologie, an der das Unternehmen mehr als zwei Jahrzehnte geforscht hat.
Mit HAMR ist es gelungen, die Speicherdichte von Festplatten deutlich zu erhöhen. Dadurch können wesentlich mehr Daten auf derselben physischen Fläche gespeichert werden. Das reduziert den Platzbedarf im Rechenzentrum, senkt den Energieverbrauch pro Terabyte und verbessert gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit für die Kunden.
Zahlen, die selbst Optimisten überrascht haben
Darüber hinaus handelt es sich beim Festplattenmarkt um ein weltweites Oligopol. Nach zahlreichen Übernahmen dominieren im Wesentlichen nur noch Seagate sowie Western Digital den Markt für klassische HDDs. Die hohen technologischen Anforderungen und Milliardeninvestitionen schaffen erhebliche Markteintrittsbarrieren.
Dieser Umstand, gepaart mit der enormen Nachfrage, hat dazu geführt, dass der Gewinn von Seagate regelrecht durch die Decke gegangen ist.
In den Geschäftsjahren 2024 und 2025 ist es jeweils zu einem Gewinnsprung um mehr als 500 % gekommen. In Summe kletterte das Ergebnis von 0,19 auf 8,10 USD je Aktie.
Am 28. Juli hat das Unternehmen die Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres (6/2026) vorgelegt.
Der Gewinn lag mit 5,71 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 5,10 USD. Mit einem Umsatz von 3,63 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 3,40 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 49 % und mehr als einer Verdopplung des Gewinns. Die operative Marge kletterte im vierten Quartal auf 44,6 % und erreichte damit ein neues Rekordniveau.
Die eigentliche Überraschung
Die eigentliche Überraschung war jedoch der Ausblick. Für das erste Quartal stellt Seagate einen Umsatz von 4,00 – 4,20 Mrd. USD und einen Gewinn von 7,10 – 7,50 USD je Aktie in Aussicht.
Bisher wurde ein Umsatz von 3,68 Mrd. USD und ein Gewinn von 5,70 USD je Aktie erwartet.
Das zeigt, wie schnell sich die Erwartungen verschieben können. Als ich mich vor einiger Zeit zu Seagate geäußert habe (Vom Stillstand zur Kursrakete: Was Seagate plötzlich antreibt), lag der Kurs noch bei 148,10 USD und es wurde ein Gewinnsprung um 26 % auf 10,24 USD je Aktie erwartet.
Inzwischen liegt der Kurs bei 747 USD und es hat sich herausgestellt, dass der Gewinn um 92 % auf 15,58 USD je Aktie gestiegen ist.
Noch wichtiger ist aber, was in Zukunft passieren könnte. Der Pessimismus der Prognostiker scheint inzwischen verflogen zu sein.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 108 % auf 32,45 USD je Aktie steigen.
Seagate kommt demnach auf eine forward P/E von 23,0. Wenn das Unternehmen im ersten Quartal einen Gewinn von etwa 7,30 USD erzielt, ist die Wahrscheinlichkeit jedoch hoch, dass die Schätzungen zu niedrig sind.

Sollte die Unterstützung bei 700 USD wieder halten, könnte das die Basis für eine Erholung in Richtung 800 oder 840 USD sein. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit einem möglichen Kursziel bei 938 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 700 USD, muss mit weiteren Verlusten in Richtung 600 USD gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.07.2026 um 11:03 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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