Die meisten Anleger konzentrieren sich im KI-Boom auf Chips und Rechenleistung. Seagate verdient jedoch an der zweiten entscheidenden Ressource: Speicherplatz.
Der Kurs von Seagate ist seit der letzten Analyse (Seagate: HAMR ist der Hammer) innerhalb von wenigen Monaten von 146 auf 782 USD gestiegen.

Langsam dürfte sich der eine oder andere fragen, ob die Rallye langsam das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Das gilt aktuell für etliche Hardware-Hersteller. Die Rallye der Branche ist historisch geradezu einmalig.
Der Nasdaq Global Semiconductor Index ist auf Jahressicht um starke 179 % gestiegen.
Ein globales Oligopol
Seagate Technology gehört zu den letzten großen Festplattenherstellern der Welt und profitiert direkt vom globalen Datenboom. Das Unternehmen entwickelt und verkauft vor allem HDDs, also klassische magnetische Festplatten, die in Rechenzentren, Cloud-Infrastrukturen und PCs eingesetzt werden.
Klassische Festplatten sind bei riesigen Datenmengen nach wie vor oft sehr günstig. Genau dort liegt die Stärke von Seagate: maximale Speicherkapazität zu möglichst niedrigen Kosten.
Das Geschäftsmodell ist klar auf Skalierung ausgelegt. Seagate verkauft keine Massenware mit niedrigen Margen, sondern konzentriert sich zunehmend auf hochkapazitive Enterprise-Laufwerke für Hyperscaler, Cloud-Anbieter und KI-Rechenzentren.
Unternehmen wie Amazon, Microsoft oder Google benötigen sehr große Mengen an Speicherplatz, weil KI-Anwendungen, Videos, Backups und Unternehmensdaten stark wachsen.
Das wichtigste Produktsegment sind die Exos-Festplatten. Diese Modelle sind für Rechenzentren gedacht und erreichen inzwischen Kapazitäten von bis zu 44 Terabyte.
Der unterschätzte Burggraben der Festplattenindustrie
Besonders relevant ist dabei die neue HAMR-Technologie, wodurch Daten dichter gespeichert werden können. Dadurch kann Seagate die Speicherkapazität deutlich steigern, ohne die Größe der Festplatte zu verändern.
Daneben spielt die IronWolf-Serie eine wichtige Rolle. Diese Laufwerke richten sich an Unternehmen, Kreative und ambitionierte Privatanwender mit NAS-Systemen. Sie kommen häufig in kleinen Servern, Medienarchiven oder professionellen Backuplösungen zum Einsatz. Für Gamer und High-End-PCs bietet Seagate außerdem die FireCuda-Reihe an, während BarraCuda eher den klassischen Consumer-Markt bedient.
Der Markt für Festplatten ist inzwischen ein globales Oligopol. Weltweit dominieren vor allem Seagate und Western Digital, ergänzt durch Toshiba mit deutlich kleinerem Marktanteil.
Der Konkurrenzdruck ist dadurch geringer als in vielen anderen Hardwarebereichen.
Darüber hinaus bildet das einen natürlichen Burggraben. Ein ambitionierter Wettbewerber müsste zig Milliarden investieren, um dieselben Skaleneffekte zu erzielen und würde damit doch nur eins erreichen: Überkapazitäten für Festplatten, die ihn selbst ruinieren würden.
Hebelwirkung nahe 100 %
Überkapazitäten sind aus meiner Sicht die mit Abstand größte Gefahr in dieser Branche, denn der Bedarf für Festplatten dürfte sehr wahrscheinlich weitersteigen. Doch von einem Angebotsüberhang kann derzeit keine Rede sein und das dürfte auch noch einige Jahre so bleiben.
Denn so lange wird es dauern, bis die meisten laufenden oder angekündigten Bauprojekte für Rechenzentren abgeschlossen sind.
Daher wird im laufenden Geschäftsjahr ein Gewinnsprung um 83 % auf 14,86 USD je Aktie erwartet.
Die Erwartungen sind außerordentlich hoch, das steht außer Frage. Es wäre jedoch möglich, dass die Konsensschätzungen trotzdem noch zu niedrig sind.
Die operativen Hebeleffekte, die bei Seagate derzeit auftreten sind so ungewöhnlich, dass die Prognostiker ihre liebe Mühe haben.
Das liegt vor allem an einem Punkt:
Seagate arbeitet unter Vollauslastung. Steigen in dieser Situation die Preise für Festplatten, schlägt jeder Dollar an zusätzlichem Umsatz überproportional auf den Gewinn durch.
Die Zahlen wirken fast schon absurd
Das lässt sich an den jüngsten Quartalszahlen relativ einfach illustrieren. Im zweiten Quartal hat Seagate einen Umsatz von 2,83 Mrd. USD und ein Nettoergebnis von 702 Mio. USD erzielt.
Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 3,11 Mrd. USD und das Nettoergebnis bei 934 Mio. USD.
Ein Anstieg der Umsätze um weniger als 300 Millionen Dollar hat demnach ausgereicht, um einen Gewinnsprung um 232 Millionen Dollar zu verursachen – wohlgemerkt nach Steuern.
Der Gewinn lag mit 4,10 USD je Aktie wieder weit über den Erwartungen von 3,52 USD. Beim Umsatz wurden die Analystenschätzungen von 2,96 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 44 % und mehr als einer Verdopplung des Gewinns.
In Summe hat Seagate in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres, das bereits im Juni enden wird, einen Gewinn von 9,82 USD je Aktie erzielt.
Daher sind die Konsensschätzungen, wonach es zu einem Gewinnsprung um 83 % auf 14,86 USD je Aktie kommen soll, realistisch.
Die große Frage: Wie lange hält dieser Boom?
Den Prognosen zufolge wird der Gewinn im bald anbrechenden Geschäftsjahr um weitere 72 % auf 25,60 USD je Aktie steigen. Dadurch würde die P/E von Seagate auf 30,6 sinken.
Diesem Multiplikator kann man sich von mehreren Seiten nähern. Wer vor allem die derzeitigen Wachstumsraten als Bewertungsgrundlage heranzieh, dürfte zu einem bullischen Ergebnis kommen.
Wer historische Vergleiche nutzt oder davon ausgeht, dass die Nachfrage für Festplatten ihren Zenit überschritten hat, dürfte zu einem bärischen Ergebnis kommen.
Die Erfahrung lehrt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Rallyefortsetzung in den kommenden Monaten höher ist als für ein abruptes Ende.
Die Erfahrung zeigt aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Kurs von Seagate irgendwann in der Zukunft deutlich unter das derzeitige Niveau sinken wird.
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