Wenn künstliche Intelligenz Tausende neue Wirkstoffkandidaten hervorbringt, könnten die Laborausrüster zu den Gewinnern gehören.
Künstliche Intelligenz kann in kürzester Zeit Tausende neue Wirkstoffkandidaten identifizieren und in wenigen Stunden Forschungsarbeit leisten, für die Wissenschaftler früher Wochen, Monate oder sogar Jahre gebraucht hätten.
Doch damit ist die Arbeit längst nicht erledigt. Die vielversprechendsten Ergebnisse müssen überprüft, Wirkstoffe getestet und biologische Prozesse verstanden werden. Das könnte dazu führen, dass zukünftig sehr viel mehr Wirkstoffe getestet werden müssen und Sartorius liefert einen großen Teil der Technik, mit der aus digitalen Vorhersagen wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse werden.
Sartorius ist auf Lösungen für die Pharma- und Biotechindustrie spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Instrumente zur Zell- und Molekülanalyse, Laborgeräte, Bioreaktoren und Filtersysteme. Hinzu kommen Verbrauchsmaterialien, die bei der Entwicklung und Herstellung biopharmazeutischer Produkte benötigt werden. Das Geschäftsmodell deckt damit mehrere Phasen der Wertschöpfung ab: von der frühen Wirkstoffforschung bis zur industriellen Produktion.
Wenn KI die Zahl der Experimente vervielfacht
Die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz könnten die Arbeitsweise in der biopharmazeutischen Forschung grundlegend verändern. Wie groß das Potenzial ist, demonstrierte zuletzt Anthropic: Rund 950 KI-Agenten untersuchten innerhalb von 21 Stunden mehr als 200.000 Reverse Transkriptasen (Reverse Transkriptasen sind Enzyme, die genetische Informationen von RNA in DNA umschreiben).
Dabei identifizierten sie etwa 3.500 Kandidaten für die Forschung, von denen schließlich 20 als besonders interessant eingestuft wurden.
Durch KI kann sich die Suche nach neuen biologischen Ansätzen erheblich beschleunigen. Statt einzelne Möglichkeiten zeitaufwendig zu untersuchen, lassen sich riesige Kandidatenmengen digital analysieren und priorisieren.
Allerdings kann auch die leistungsfähigste KI nicht einfach am Computer nachweisen, ob eine biologische Hypothese tatsächlich funktioniert. Dazu müssen die Kandidaten im Labor getestet, Zellreaktionen untersucht und Ergebnisse reproduzierbar bestätigt werden.
Hier setzt die Investmentthese bei Sartorius an. Wenn KI mehr potenziell aussichtsreiche Wirkstoffe und biologische Ansätze hervorbringt, könnte die Zahl der notwendigen Experimente steigen. Davon könnten Anbieter profitieren, die entsprechende Instrumente, Analyseverfahren und Verbrauchsmaterialien liefern.
Sartorius sieht Rückenwind durch KI
Dass diese Entwicklung nicht nur eine theoretische Überlegung ist, zeigen die jüngsten Aussagen des Managements. Vorstandschef Michael Grosse bezeichnete die Dynamik im Laborgeschäft als besonders ermutigend. Die Forschungs- und Wirkstoffentwicklungsaktivitäten seien weiterhin stark und würden zunehmend durch KI-gestützte Arbeitsabläufe unterstützt.
Sartorius erwartet für die Laborsparte 2026 inzwischen ein Wachstum am oberen Ende der bisherigen Spanne von 4 bis 6 %. Zuvor hatte das Unternehmen lediglich die obere Hälfte dieser Spanne angestrebt. Auch die Margenerwartung wurde angehoben: Die EBITDA-Marge soll nun leicht über 21 % liegen, nachdem zuvor ein Wert leicht unter 21 % in Aussicht gestellt worden war.
Das deutet darauf hin, dass sich die Nachfrage besser entwickelt als bisher erwartet. Wie groß der konkrete Beitrag von KI zum Umsatzwachstum bereits ist, lässt sich daraus nicht ableiten, aber das Thema scheint sich positiv auszuwirken.
In Zukunft könnte dieser Effekt, wenn KI flächendeckend eingesetzt wird, deutlich stärker ausfallen.
Es gibt inzwischen zahlreiche Stimmen aus der Pharma- und Biotechbranche, die berichten, dass KI die Wirkstoffforschung beschleunigt und die Zahl aussichtsreicher Kandidaten erhöht.
Darunter beispielsweise die CEOs von Eli Lilly, Sanofi und Bayer. Laut dem Nobelpreisträger und Mitgründer von Google Deepmind Demis Hassabis könnte sich die Wirkstoffentwicklung von Jahren auf Monate verkürzen.
Vom Labor bis zur Medikamentenproduktion
Besonders interessant ist, dass Sartorius nicht nur an der frühen Forschung verdienen kann. Gelingt es Wissenschaftlern, einen aussichtsreichen Wirkstoff zu entwickeln, muss dieser zunächst präklinisch und klinisch untersucht werden. Bei einem späteren kommerziellen Erfolg muss außerdem die Produktion aufgebaut und skaliert werden.
Damit eröffnet sich für Sartorius eine zweite potenzielle Wachstumsstufe. Während in der frühen Forschungsphase Laborinstrumente und Systeme zur Zell- und Molekülanalyse gefragt sind, benötigen Hersteller bei der Produktion biologischer Arzneimittel unter anderem Bioreaktoren, Filter und spezielle Verbrauchsmaterialien.
Der Konzern könnte somit entlang des gesamten Entwicklungsprozesses profitieren.
Harte Fakten
Doch neben diesen interessanten Zukunftsaussichten, sieht es auch im Hier und Jetzt nicht schlecht aus.
Nach einer Durststrecke konnte Sartorius das Ergebnis im letzten Geschäftsjahr um 18 % auf 4,78 Euro je Aktie steigern.
Das jüngste Update vom 22. Oktober deuten darauf hin, dass sich der positive Trend auch fortsetzen könnte.
In den ersten neun Monaten konnte der Umsatz um 8,1 % auf 2,74 Mrd. Euro gesteigert werden.
Dazu haben die beiden Geschäftsbereiche Bioprocess Solutions und Lab Products in nahezu demselben Umfang beigetragen.
Das Ergebnis konnte um 7 % auf 3,76 Euro je Stammaktie gesteigert werden. Bei Sartorius kann anhand der verschiedenen Aktiengattungen eine Marktineffizienz festgestellt werden.
Die Stammaktie ist etwa 20 % günstiger als die Vorzugsaktie und hat dadurch eine höhere Dividendenrendite und ein Stimmrecht. Die Vorzugsaktie ist teurer, hat kein Stimmrecht und eine niedrigere Dividendenrendite.
Der Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit hat sich auf Jahressicht um 10 % auf 561,6 Mio. Euro verbessert. Der freie Cashflow kletterte um 55 % auf 310,0 Mio. Euro und liegt damit deutlich über dem gemeldeten Ergebnis von 188,3 Mio. Euro.
Das KGV ist daher kein besonders guter Maßstab für die Bewertung von Sartorius und sollte eher als Richtungsweiser gesehen werden.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 10 % auf 5,24 Euro je Aktie steigen. In den kommenden beiden Jahren wird eine Beschleunigung der Wachstumsdynamik auf 19 – 22 % erwartet.

Sartorius hat den mehrjährigen Abwärtstrend überwunden und könnte einen finalen Boden ausgebildet haben. Gelingt jetzt ein nachhaltiger Anstieg über das Vorjahreshoch bei 234,60 Euro, kommt es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 250 und 280 Euro.
Fällt die Aktie jedoch unter 234,60 Euro zurück, könnten die Bullen ihre Chance vorerst vertan haben. In diesem Szenario wäre ein Rücksetzer bis 200 Euro denkbar.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 02.11.2026 um 11:24 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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