Die meisten deutschen Börsengänge der vergangenen Jahre verliefen für Anleger enttäuschend. Doch bei Ottobock könnte sich hinter der Kursschwäche eine langfristige Chance verbergen.
Vom Familienunternehmen zum globalen MedTech-Konzern
Die heimischen Börsengänge der letzten Jahre haben den deutschen Anlegern wenig Glück gebracht. In den meisten Fällen ging es mit den Kursen bergab. Bisher ist das auch bei Ottobock, doch das könnte sich noch ändern.
Ottobock ist kein typischer deutscher Mittelständler. Das 1919 gegründete Unternehmen mit Sitz in Duderstadt hat sich vom Prothesenhersteller für Kriegsversehrte zu einem globalen Medizintechnikkonzern entwickelt.
Heute zählt Ottobock zu den weltweit führenden Anbietern in der Orthopädietechnik. Der Name steht für Hightech-Prothesen, biomechatronische Systeme und ein engmaschiges Versorgungsnetz.
Ottobock entwickelt, produziert und vertreibt Prothesen, Orthesen, Rollstühle und zunehmend digitale sowie mechatronische Lösungen wie Exoskelette. Im Zentrum stehen High-End-Prothesen für untere und obere Extremitäten. Produkte wie mikroprozessorgesteuerte Kniegelenke oder myoelektrische Armprothesen verbinden Sensorik, Software und Mechanik.
Hinzu kommt ein globales Netz eigener Orthopädietechnik-Zentren. Damit kontrolliert Ottobock nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch große Teile der Patientenversorgung.
Börsengang eröffnet neue strategische Möglichkeiten
Das Geschäft zeichnet sich durch die geringe Konjunkturabhängigkeit aus. Darüber hinaus positioniert sich Ottobock im Premiumsegment. Das Unternehmen konkurriert nicht primär über den Preis, sondern über Technologie, Qualität und Service.
Kostenträger akzeptieren höhere Preise, wenn der funktionale Mehrwert klar belegt ist.
Der Markt für Prothesen ist international erstaunlich stark fragmentiert und es gibt eine ganze Reihe von Anbietern. Ottobock ist jedoch der weltweit größte Anbieter und hält je nach Quelle und Segment einen Marktanteil zwischen 10 und 30 %. Darüber hinaus ist Ottobock das einzige vertikal integrierte Unternehmen im Sektor.
Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen Unternehmen wie Össur, Hanger und Blatchford.
Der Börsengang im vergangenen Jahr soll vor allem der Kapitalbeschaffung und der strukturellen Weiterentwicklung des Unternehmens dienen.
Der bisherige Eigentümerfamilie Näder hält auch nach dem Börsengang noch 80,74 % der Anteile – die restlichen 19,26 % befinden sich im Free Float.
Viele kleinere Anbieter und Versorgungszentren sind potenzielle Übernahmekandidaten und eine Börsennotierung erleichtert die Finanzierung möglicher Übernahmen.
Operative Stärke trotz schwachem Kurs
Der Aktienkurs hat sich im ersten Geschäftsjahr an der Börse zwar nicht sonderlich erfreulich entwickelt, operativ sieht es aber anders aus.
Den vorläufigen Geschäftszahlen 2025 zufolge konnte der Umsatz im Kerngeschäft um 11,7 % auf 1,6 Mrd. Euro gesteigert werden.
Gleichzeitig verbesserte sich die bereinigte EBITDA-Marge um 3,6 Prozentpunkte auf 26,0 %. Das bereinigte EBITDA konnte um 29,5 % auf 415,3 Mio. Euro gesteigert werden.
Der freie Cashflow verbesserte sich um 23,7 % auf 228 Mio. Euro. Damit ist Ottobock solide profitabel und mit einem P/FCF von 15,9 im Branchenvergleich eher niedrig bewertet.
Das gilt umso mehr, wenn sich das Wachstum wie erwartet fortsetzt. Ottobock erwartet für das Geschäftsjahr 2026 die Fortsetzung des profitablen Wachstumskurses. Für das Kerngeschäft wird ein Wachstum von 5,0 – 8,0 Prozent und eine weiter steigende EBITDA-Marge erwartet.

Den Konsensschätzungen zufolge wird für 2026 ein Gewinnsprung auf 2,84 Euro je Aktie erwartet, was einem KGVe von 19,8 entsprechen würde. Der freie Cashflow spricht dafür, dass es sich dabei eher um ein Understatement handelt.
Der abschließende Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025 wird am 19. März veröffentlicht.
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