Die Windbranche boomt und Nordex scheint wieder ganz vorne mitzuspielen. Ist das endlich der nachhaltige Turnaround?
Der Wind dreht
Was lange währt, wird endlich gut. Für Nordex-Anleger könnte eine Durststrecke enden, die sich über zwei Jahrzehnte gezogen hat. Die Aktie hat die Hochs dieser Zeit endlich überwunden.
Der Anstieg ist nicht grundlos geschehen. Die Nachfrage im Windenergie-Markt ist hoch, die Auftragslage gut und Nordex ist es 2025 endlich wieder gelungen schwarze Zahlen zu schreiben. Das nährt die Hoffnung, dass der aktuelle Schwung mehr ist als nur ein Strohfeuer.

Dabei handelt es sich um die eigentliche Kernfrage. Es handelt sich schließlich nicht um die erste Rallye. Wird auch diese Rallye am Ende auch wieder in sich zusammenfallen?
Die Nordex Group ist einer der großen unabhängigen Hersteller von Onshore-Windenergieanlagen. Das Unternehmen entwickelt, produziert und installiert Turbinen für den Einsatz an Land und deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette von der Projektierung über die Errichtung bis zum langfristigen Service ab.
Die Delta4000-Plattform als Türöffner
Kern des Angebots sind leistungsstarke Onshore-Anlagen der Multi-Megawatt-Klasse. Mit der Delta4000-Plattform hat Nordex eine modulare Turbinenfamilie etabliert, die auf unterschiedliche Windstandorte zugeschnitten werden kann. Hohe Nabenhöhen, große Rotoren und flexible Konfigurationen ermöglichen es, auch Standorte mit schwächeren Windverhältnissen wirtschaftlich zu erschließen. Das verschafft Nordex Zugang zu Märkten, die lange als Grenzlagen galten.
Im globalen Onshore-Markt gehört Nordex zur erweiterten Spitzengruppe, liegt aber hinter den Branchenführern. Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen Vestas, Siemens Gamesa und GE Vernova. Während Vestas als Weltmarktführer mit enormer installierter Basis und hoher Servicequote agiert und Siemens Gamesa stark in Europa verankert ist, positioniert sich Nordex als fokussierter Spezialist für Onshore-Projekte ohne Offshore-Engagement.
Das Geschäftsmodell ist zweigeteilt. Zum einen verkauft Nordex neue Anlagen und realisiert schlüsselfertige Windparks. Dieses Projektgeschäft sorgt für hohe Umsätze, hat jedoch relativ niedrige Margen und ist von der jeweiligen Auftragslage abhängig.
Service als Hoffnungsträger?
Zum anderen betreibt das Unternehmen ein wachsendes Servicegeschäft. Wartung, Instandhaltung und technische Optimierung der installierten Flotte liefern planbare, wiederkehrende Erlöse. Mit jeder neu errichteten Anlage wächst die installierte Basis und damit das profitablere und stabilere Servicegeschäft.
Die große Hoffnung war immer, dass dieser Geschäftsbereich irgendwann groß genug sein wird, um das Unternehmen dauerhaft in die schwarzen Zahlen zu hieven.
Damit das gelingt, hat das Unternehmen aber auch interne Anpassungen durchgeführt. In den letzten Jahren wurde die Kostenbasis gestrafft, das Produktportfolio vereinheitlicht und die Beschaffung neu aufgestellt.
Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025 wurden die erzielten Fortschritte sichtbar, vor allem im vierten Quartal.
Nordex hat am 25. Februar überzeugende Geschäftszahlen vorgelegt.
Der Umsatz konnte im Schlussquartal um 15,8 % auf 2,54 Mrd. Euro gesteigert werden.
Das ist erfreulich, doch an dieser Stelle werden auch erste Brüche sichtbar. Das Servicegeschäft verzeichnete lediglich ein Umsatzplus von 3,1 % auf 240,4 Mio. Euro. Damit ist dieses Segment weit davon entfernt, den Konzern tragen zu können.
Profitabilität zieht deutlich an
Die EBIT-Marge verbesserte sich erheblich von 2,7 auf 10,0 %. Das Konzernergebnis ist von 17,5 auf 183,8 Mio. Euro sprunghaft gestiegen. Der freie Cashflow lag mit 565,2 Mio. Euro sogar weit über dem Gewinn.
Ob sich die gute Entwicklung fortsetzen wird, steht bei projektbezogenen Geschäftsmodellen immer in den Sternen. In der Vergangenheit kam bisher immer irgendwann eine Flaute und der Kurs kollabierte wieder. Leider ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass das irgendwann wieder geschehen wird.
Aber vorerst wird das nicht geschehen, denn der Auftragsbestand im Projektgeschäft lag zuletzt bei 10,12 Mrd. Euro.
Darüber hinaus lag der Auftragseingang im vierten Quartal mit 3,17 Mrd. Euro über dem Umsatz und solange das so bleibt, wird Nordex weiterhin ordentliche Gewinne einfahren.
Bei Nordex dürften in den kommenden 4 – 6 Quartalen überwiegend gute Nachrichten und Quartalszahlen hereinflattern. Das spricht für eine Fortsetzung der Rallye.
Volle Auftragsbücher – darauf kommt es an
Ich möchte jedoch zu bedenken geben, dass sich dieser optimistische Ausblick in einer optimistischen Bewertung niedergeschlagen hat. Aktuell kommt Nordex auf ein KGV von 34.
Dieser Wert basiert auf einem Gewinn in Höhe von 1,16 Euro je Aktie, berechnet aus dem gemeldeten Konzernergebnis von 274,3 Mio. Euro und der Zahl der ausstehenden Aktien in Höhe von 236,45 Millionen.
Um das zu rechtfertigen, muss sich die positive Entwicklung konsequent fortsetzen. Die Betonung liegt auf „muss“.
Für das laufende Jahr (2026) erwartet die Nordex Group eine nachhaltige Verbesserung aller wichtigen Finanzkennzahlen und strebt einen Konzernumsatz zwischen 8,2 und 9,0 Milliarden Euro mit einer EBITDA-Marge zwischen 8,0 und 11,0 Prozent an.
Daraus ergibt sich für den Gewinn eine außerordentliche Spannbreite. Am unteren Ende wäre das EBITDA kaum höher als im letzten Jahr. Am oberen Ende wäre es mehr als das Anderthalbfache.
Die Geschichte ist demnach mit relativ großer Unsicherheit behaftet, auch wenn das im ersten Moment nicht so erscheint.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis in diesem Jahr auf 1,36 Euro je Aktie steigen. Nordex kommt demnach auf ein KGVe von 29.
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