Kann es in einem Markt, in dem so viele Informationen für alle verfügbar sind und der derart „bevölkert“ ist wie der Aktienmarkt, Aktien geben, die von den Anlegern längere Zeit einfach übersehen werden? Bei Nemetschek neigt man dazu, zu antworten: Ja, das kommt vor, aber:
Dieser Schein könnte trügen. Die Ausgangslage: Bereits seit einigen Wochen sind die meisten Aktien aus dem Software-Sektor wieder gesucht. So haben beispielsweise SAP, ATOSS Software oder TeamViewer ihre 200-Tage-Linien längst wieder überboten, weil die zuvor monatelange Argumentation des bärischen Lagers, dass die Softwarebranche unter dem Siegeszug der KI erheblich leiden werde, offenbar nicht ansatzweise so heiß gegessen werden muss, wie man es zwischen Ende Januar und Ende Juli gekocht hatte. Doch die Aktie des Bau- und Architektursoftware-Entwicklers Nemetschek blieb auffällig zurück. Bis gestern.
Mit einem Plus von 9,85 Prozent wurde die Aktie mit Abstand Tagessieger im MDAX ebenso wie im TecDAX. Die überzeugenden Bilanzzahlen des US-Softwarekonzerns Salesforce hatten weitere Zweifler zurück ins Käufer-Lager geholt, die Aktien der Branche waren am Donnerstag allgemein gesucht. Aber keine Aktie zog so stark an wie Nemetschek. Doch damit ist sie bislang in Bezug auf eine charttechnische Aufwärtswende nur an die Startlinie gegangen, vollendet ist die Wende noch nicht. Worum geht es?
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Expertenmeinung: Das Chartbild zeigt: Die bei 69,70 Euro verlaufende 200-Tage-Linie wurde durch die Käufe des Donnerstags überboten, aber noch ist die Widerstandszone, die für die Vollendung der monatelangen Bodenbildung ebenfalls bezwungen sein muss, nur erreicht: der Bereich zwischen 69,50 und 73,10 Euro.

Bleiben die Käufer jetzt dran, könnte das zügig gelingen. Die Frage ist indes: Würde ein solches, bullisches Signal Anschlusskäufe hervorbringen und damit die Wende zementiert werden … oder müsste man fürchten, dass der Aufwärtsimpuls als Bullenfalle endet?
Ginge es alleine nach den Analysten, könnte man seine Skepsis begraben, denn 14 der 18 die Aktie derzeit bewertenden Analysten stufen sie als kaufenswert ein. Zugleich liegt das durchschnittliche Kursziel dieser Experten mit 85 Euro ein gutes Stück über dem letzten Kurs. Aber es geht eben nicht alleine nach den Analysten. Denn wäre es so, wäre die Nemetschek-Aktie in Bezug auf die Erholung der Software-Aktien kein solcher Nachzügler geworden.
Aber was mag die Akteure dann dazu bewogen haben, andere Software-Aktien deutlich entschlossener einzusammeln als diese? Könnte es wirklich sein, dass man Nemetschek nur „übersehen“ hat? Bei einer kaum gehandelten Aktie außerhalb der größeren Indizes kann so etwas wirklich mal vorkommen. Aber nicht bei Nemetschek, die in TecDAX und MDAX gleichzeitig notiert ist und 2021 und dann 2023 bis 2025 erneut zu den Publikumslieblingen gehörte. Zwar erlebt man regelmäßig, dass viele Anleger zögern, wenn eine Aktie zurückbleibt, weil sie glauben, andere wissen mehr als sie, sodass das kurzfristige Ausbleiben eines Impulses tatsächlich dazu führen kann, dass eine Aktie eine Zeit lang nicht ins Laufen kommt. Aber bei Nemetschek gibt es durchaus einen Aspekt, der diese bisherige Zurückhaltung begründen könnte:
Die Bewertung. Denn die lag jahrelang deutlich höher als in der Branche üblich. Für Software-Aktien gilt als Faustregel ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) um die 30, je nach Gewinndynamik mal etwas mehr, mal etwas weniger. Bei Nemetschek sah man in früheren Jahren aber oft KGVs über 60, teilweise ging es bis 100. Nur ist das nach dieser massiven Korrektur nicht mehr der Fall. Der Gewinn stieg in dieser Zeit, der Kurs fiel zugleich. Das Ergebnis: Das KGV der Aktie liegt jetzt um 32. Nicht „billig“, aber eben auch kein Grund mehr, die Aktie links liegen zu lassen.
Sollte diese Erkenntnis, die bisweilen in der Tat Zeit braucht, bis sie alle erreicht, eine nennenswerte Rolle bei der Donnerstags-Rallye gespielt haben, dann hätte die Aktie in der Tat eine Chance, diese Trendwende mit Schlusskursen über dieser jetzt angegangenen Widerstandszone von 69,50 bis 73,10 Euro zu vollenden und den Ausbruch auch zu verteidigen. Sollte das gelingen, wäre die nächste Charthürde von Bedeutung erst wieder bei 87,20 Euro zu finden. Wo die Aktie dann zwar vom KGV her nicht mehr billig wäre … aber wie man die Lage dann einschätzt, muss man dann sehen. Erst einmal gälte es, den Weg dorthin mit weiteren Kursgewinnen freizumachen … ob das gelingt, werden die kommenden Handelstage zeigen.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.08.2026 um 21:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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