Fast 50 % Kursverlust, gebrochene Unterstützungen, Aufwärtstrends und verunsicherte Anleger: Steht Nemetschek vor dem Abgrund?
Abverkauf gerechtfertigt?
Der Abgabedruck bei Nemetschek ist unerbittlich. Seit Monaten geht es nahezu unaufhörlich bergab. In Summe hat die Aktie fast die Hälfte an Wert verloren.
Nacheinander wurde zuerst die wichtigste Unterstützung bei 90 – 91 Euro, dann der mehrjährige Aufwärtstrend (hellgrün) und schlussendlich auch noch der Support bei 80 – 81 Euro unterschritten.
Es ist zwar nicht der erste scharfe Kursverfall bei Nemetschek, aber die Heftigkeit ist aus meiner Sicht dennoch überraschend.
Nach dem starken Kursanstieg hatten wohl viele Anleger zu hohe Erwartungen. Am Hoch lag das KGV bei über 70 – das ist selbst für ein Unternehmen mit einer sehr starken Historie und Stellung innerhalb der Branche anspruchsvoll.
Hinzu kommt die laufende Umstellung des Geschäfts von klassischen Lizenzverkäufen zu Abonnements/SaaS.
Das ist langfristig positiv, führt aber zwangsläufig zu Verschiebungen beim Umsatz und den Margen, die von Investoren nicht immer sofort honoriert oder verstanden werden.
Das kennen wir doch irgendwoher?
Tatsächlich konnte man ein ähnliches Phänomen auch bei der direkten Konkurrenz beobachten.
Als Autodesk 2016 auf Abos umstellte, kam die Aktie zuerst ebenfalls unter Druck. Und als das Unternehmen 2022 von mehrjährigen Rabatten Abstand nahm, brach der Kurs deutlich ein.
An der Börse wurde nicht verstanden, dass Umsatz und Cashflow kurzfristig unter Druck kommen, wenn das Unternehmen keine rabattierten mehrjährigen Verträge mehr verkauft.
Wenn man keine Rabatte mehr gewährt und die Kunden an Bord bleiben, steigt dadurch aber langfristig die Profitabilität.
An der Börse werden teilweise selbst einfache Zusammenhänge nicht verstanden. Die sinkenden Kurse mehren die Furcht und die Mehrheit zieht die Reißleine. So geschieht das regelmäßig.
Historische Einstiegschance?
Die Gewinner sind die Geduldigen. Wer bei den zahlreichen Kursstürzen von Nemetschek die Ruhe bewahrt hat, wurde am Ende jedes Mal mit einem neuen Allzeithoch belohnt.
Vielleicht wird das auch dieses Mal wieder der Fall sein. Die Prognosen und die Geschäftszahlen sprechen jedenfalls dafür.
In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte der Umsatz um 22,9 % auf 866 Mio. Euro gesteigert werden.
Das Lizenzgeschäft war um 44,5 % auf 41,4 Mio. Euro rückläufig und kurz vor der faktischen Auflösung. Im Gegenzug kletterten die wiederkehrenden Umsätze um 31,7 % auf 798,3 Mio. Euro.
Die jährlichen wiederkehrenden Einnahmen (ARR) konnten um 21,9 % auf 1,08 Mrd. Euro gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert. Die EBIT-Marge konnte von 22,8 auf 24,3 % gesteigert werden.
Das EBIT verbesserte sich um 31 % auf 210,2 Mio. Euro und der Gewinn um 23,23 % von 1,07 auf 1,32 Euro je Aktie.
Im dritten Quartal hat die Wachstumsdynamik zwar nachgelassen, der Gewinn konnte jedoch um 40,7 % auf 0,48 Euro je Aktie gesteigert werden.
Ausblick und Bewertung
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte der Gewinn im Geschäftsjahr 2025 um 24 % auf 1,88 Euro je Aktie steigen.
Nemetschek kommt demnach auf ein KGVe von 41,4.
Sollte das Ergebnis 2026 wie erwartet um 24 % auf 2,33 Euro steigen, würde das KGV auf 33,4 fallen.

Der freie Cashflow von Nemetschek liegt jedoch systematisch über dem gemeldeten Gewinn und soll im Geschäftsjahr bei 3,02 Euro je Aktie liegen. Das würde einem P/FCF von 25,8 entsprechen.
In den letzten fünf Jahren lag der P/FCF durchschnittlich bei 41,7 und am absoluten Tief bei 27.
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