Zum Wochenstart stufen die Analysten von Morgan Stanley LVMH von „Übergewichten“ auf „mit dem Gesamtmarkt gewichten“ herunter, und die Aktie fällt. Das wirkt logisch, aber der Schein trügt. Hier geht es nicht um Kursziele, sondern um gleich drei andere Faktoren!
Bei Morgan Stanley ist man der Ansicht, dass die Aktie der Ertragslage zu weit vorausgelaufen ist, daher hat man die Einschätzung, dass Anleger die Aktie in ihrem Depot übergewichten könnten, zurückgenommen. Aber das Kursziel blieb bei 635 Euro. So gesehen wäre es eher überraschend, dass der Kurs von Louis Vuitton Moët Hennessy, wie die LVMH-Aktie korrekt heißt, deswegen am Montag so deutlich unter die Räder kam. Zumal die Bank of America da ganz anderer Meinung ist und ihr Kursziel gerade erst am Freitag von 675 auf 750 Euro nach oben genommen hatte.
Das herbe Minus zum Wochenstart dürfte vielmehr auf drei anderen Aspekten basieren: auf der charttechnischen Situation, auf der für Unternehmen wie LVMH, für die der US-Markt wichtig ist, äußerst unguten Zoll-Drohung des US-Präsidenten vom Wochenende und auf der anstehenden Bilanz des zweiten Halbjahres 2025. Der Reihe nach:
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur LVMH Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung. Charttechnisch ist LVMH ein „Abpraller“: Nach einem durchwachsenen Jahresstart stieß der Kurs an das markante Herbst-Hoch bei 654,70 Euro. Dort gingen der Aktie offensichtlich die Käufer aus. Erste Gewinnmitnahmen weiteten sich aus … und schon ging es erst einmal bergab. Dass die Charttechnik gerade eine größere Rolle spielt als die Analysten-Kursziele, sieht man auch daran, dass der Kurs bereits seit mehreren Tagen kräftig abrutscht und auch die obengenannte Kursziel-Anhebung der Bank of America daran nichts zu ändern vermochte.

Zweitens bedeutet die erneute Zoll-Drohung aus den USA für LVMH ein markantes Risiko. Denn ein Viertel des Umsatzes der ersten drei Quartale 2025 wurde in den USA erzielt. Zwar haben einige Firmen des Konzerns ihren Sitz dort, aber das Gros eben nicht. Und man müsste durchaus damit rechnen, dass ein zusätzlicher Aufschlag von zehn Prozent nicht von den Importeuren und den Kunden alleine getragen würde, sodass hier entweder Margendruck, sinkende Verkaufszahlen oder beides zu befürchten wären.
Und drittens erscheint die Herabstufung durch Morgan Stanley ausgerechnet jetzt ebenso wenig sinnvoll wie die deutliche Kursziel-Anhebung durch die Bank of America, denn aktuell weiß man nicht nur nicht, wie der Umsatz im wichtigen vierten Quartal gelaufen ist. Man weiß auch nicht, wie sich Gewinnmarge und Gewinn seit dem 1. Juli entwickelt haben, weil LVMH die kompletten Bilanzzahlen – wie alle französischen Konzerne – nur nach einem kompletten Halbjahr meldet. Und diese Meldung steht am 27. Januar, sprich in genau einer Woche, an.
Dann erst werden die Weichen für die kommende Trendrichtung gestellt. Ob die jetzt angelaufene Unterstützungszone 565,70/594,70 Euro hält und die Aktie im Vorfeld der Zahlen wieder Richtung 654,70 Euro läuft oder nach unten in Richtung der Unterstützung bei 541 und der 200-Tage-Linie bei 536 Euro abrutscht: Im Vorfeld der Bilanz wäre das alles nur vorläufig. Hier sollte man sich besser nicht von der jetzt hohen Volatilität zu vorschnellen Aktionen verleiten lassen, sondern die Zahlen abwarten, die LVMH für den 27.1. avisiert!
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen






