Die Quelle der Achterbahn, in der Chip-Aktien und Halbleiter-Ausrüster derzeit unterwegs sind, liegt zwar an der Nasdaq, aber heimische Aktien wie Infineon können sich diesen Impulsen nicht entziehen. Wo könnte ein Punkt erreicht sein, an dem der Spuk vorbei ist?
Momentan ist diese Achterbahn ja übergeordnet abwärts unterwegs. Seit es bei Infineon vor zwei Monaten misslang, das einige Wochen zuvor markierte Jahreshoch zu überwinden, machen sich die Käufer rar. Ein Doppeltopp wurde vollendet, dessen rechnerisches Kursziel bei knapp 64 Euro längst unterboten war, sogar die 200-Tage-Linie war zeitweise sehr nah gekommen, die Linie also, von der aus die große Kaufwelle Ende März begann. Dabei kam es zwar mehrfach zu Gegenbewegungen, aber die wurden schnell wieder abverkauft. Aber Ende Juli kamen die Verkäufer eine Zeitlang nicht zurück – da kam Hoffnung auf. Hoffnung, die momentan schon wieder schwinden dürfte, denn:
Es gelang zwar, die kurzfristige Abwärtstrendlinie sowie die den Abstieg führenden 10-Tage- und 20-Tage-Linien unter sich zu lassen, aber das passierte nicht durch dynamische Kursgewinne, sondern lag nur daran, dass diese Linien noch fielen, während die Infineon-Aktie seitwärts lief. Dabei wurde sie um 65 Euro immer wieder ausgebremst. Ein Kurslevel, der zwar zu diesem Zeitpunkt keinen charttechnischen Widerstand darstellte. Aber jetzt, da aus dem Seitwärts-Geschiebe durch das kräftige Minus des Dienstags (-7,63 Prozent) ein neuer Abwärtsschub wurde, ist dort einer.
Aber das kann doch, werden sich viele sagen, nicht auf Dauer so weitergehen, womöglich bis an den Ausgangspunkt der Kaufwelle bei knapp 40 Euro. Was ist denn mit dem Wachstum der Halbleiter-Branche und den bullischen Perspektiven für die kommenden Jahre … die sind doch weiter als Argument vorhanden?
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Expertenmeinung: Das ist richtig. Wobei man hinzufügen sollte: Diese Perspektiven bleiben als Argument so lange tauglich, solange sich die Rahmenbedingungen nicht unerwartet zum Negativen verändern, was man besser nie ausschließen sollte. Aber ansonsten hätte man nach einem derart markanten Abstieg durchaus guten Grund, sich zu fragen, ob man nicht langsam mal „unten“ wäre.
Schließlich liegt das Kurs-/Gewinn-Verhältnis der Infineon-Aktie auf Basis der Analysten-Gewinnprognosen für das am 30.9. endende Geschäftsjahr 2025/2026 bei 34. Das ist zwar ein bisschen über dem üblichen Niveau, aber weit weniger als am Jahreshoch der Aktie und nicht zu teuer, sollten sich die Wachstumsprognosen der Analysten erfüllen. Und die glauben weiter daran, was sich in einem durchschnittlichen Kursziel von derzeit 85,80 Euro und einem Verhältnis von 19 „Kaufen“- zu nur 5 „Halten“-Einschätzungen bei den Analysten niederschlägt („Verkaufen“ taucht bei keinem der Experten als Empfehlung auf). Also, wo klemmt es?
Es mag ein wenig salopp klingen, aber: Wie immer, wenn es abwärts geht, wollen zu wenige kaufen und zu viele verkaufen. Und das ist, das ist psychologisch gar nicht mal so überraschend, besonders dann schwer zu drehen, wenn viele Marktteilnehmer sich diese Abwärtsdynamik der Aktie nicht erklären können. Da ist dann immer die Sorge da, dass die anderen, die da aussteigen oder Short-Trades eingehen, mehr wissen als man selbst … und wenn man solche Gedanken hegt, pflegt man eher nicht beherzt zuzugreifen.
Daher wäre es keineswegs eine Überraschung, wenn Infineons Abwärtsbewegung erst dann endet, wenn die Leerverkäufer ihre Positionen schließen, indem sie die vorher leer verkauften Aktien zurückkaufen und das wiederum den Aktienkurs höher zieht. Denn selbst, wenn das dann „nur“ sogenannte Eindeckungen sind: Das wäre ein Indiz dafür, dass diejenigen, die für die Aktie bärisch sind, den Eindruck haben, dass es jetzt genug sei. Und das kann reichen, um Zweifel bei potenziellen, aber zögernden Käufern zu beseitigen.
Und eine Zone, in der diese Bären womöglich tatsächlich ihre Ziele erreicht sehen und die Leerverkäufe schließen, könnte durchaus nahe sein, immerhin ist die Aktie jetzt eben nicht mehr allzu teuer bewertet und die Kursziele der Analysten weit über dem aktuellen Kurs.
Bei 54,06 Euro liegt das bisherige Verlaufstief der Abwärtsbewegung. Bei aktuell 52,05 Euro wartet die 200-Tage-Linie. Und bei 48,23 Euro findet sich das markante Hoch aus dem Februar. Drei Unterstützungslinien, die das Bären-Lager womöglich noch testen würde, dort aber auch die ersten dann ihre Short-Gewinne einstreichen könnten. Zumindest, sofern es beim „Vorlagen-Lieferanten“ Nasdaq nicht zu weiteren, drastischen Abwärtsimpulsen bei Halbleiter-Titeln kommen sollte und/oder der Gesamtmarkt deutlicher ins Rutschen gerät.

Diese Einschätzung beinhaltet aber eine ganze Reihe an „wenn“ und „falls“, d. h., ob es eine gute Idee wäre, auf Basis dieser Überlegungen gegen eine eherne Börsenregel zu verstoßen, indem man gegen einen noch intakten Abwärtstrend agiert, ist höchst zweifelhaft. Besser wäre es, sich in die Beobachterrolle zu begeben und abzuwarten, ob die Aktie tatsächlich in diesem Bereich aufgefangen wird … und ob sie danach imstande ist, erste Widerstände zu überwinden, die normalerweise von den Bären verteidigt würden. Erst, wenn da dann nichts passiert und Infineon nach oben durchgeht, wäre sie für einen Long-Trade interessant.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.08.2026 um 20:42 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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