Viele Investoren haben Hypoport nach den schwierigen Jahren abgeschrieben. Doch ein Blick auf die aktuelle Geschäftsentwicklung zeigt ein anderes Bild.
Wie die Zinswende das Geschäftsmodell erschütterte
Nach einem jahrelangen Höhenflug wurde Hypoport an der Börse mit Bewertungen gehandelt, die kaum noch etwas mit der wirtschaftlichen Realität zu tun hatten. Als die Aktie schließlich unter Druck geriet, lag das jedoch nicht nur an der zuvor überzogenen Bewertung. Entscheidend war die Zinswende der Europäischen Zentralbank, die den deutschen Immobilienmarkt innerhalb kurzer Zeit grundlegend veränderte.
Mit dem starken Anstieg der Bauzinsen brachen viele Finanzierungen weg, weil sich Käufer die gestiegenen monatlichen Belastungen nicht mehr leisten konnten. Gleichzeitig waren viele Verkäufer nicht bereit oder in der Lage, ihre Preisvorstellungen ausreichend zu senken.
Die Folge war ein Einbruch am Immobilienmarkt mit erheblich weniger Transaktionen.
Das hat Hypoport hart getroffen. Das Unternehmen erzielt einen Großteil seiner Erlöse über die Finanzierungsplattform Europace, deren Geschäft direkt vom Volumen der Immobilienfinanzierungen abhängt. Zwar verfügt der Konzern mit Dr. Klein, Smart InsurTech und weiteren Plattformen über zusätzliche Geschäftsfelder, doch der Einbruch am Immobilienmarkt belastete das Kerngeschäft massiv.
So wurde die Basis für den Aufschwung gelegt
Das Management reagierte auf die Krise mit einer klaren Strategie. Statt die Probleme schönzureden, wurden Kosten reduziert und trotzdem nicht auf wichtige Investitionen verzichtet.
Die Strategie ist aus meiner Sicht aufgegangen. Die Marktanteile konnten verteidigt werden und gleichzeitig wurde die Grundlage gelegt, überproportional von einer Erholung am Immobilienmarkt zu profitieren.
Dass die Maßnahmen Wirkung erzielt haben, hat das letzte Geschäftsjahr eindrucksvoll gezeigt, auch wenn es sich noch nicht in steigenden Kursen niedergeschlagen hat.
Im Geschäftsjahr 2025 ist der Umsatz zwar nur um 7 % auf 602,6 Mio. Euro gestiegen.
Der Rohertrag ist um 10 % und das EBIT um 85 % auf 33,0 Mio. Euro geklettert.
Das zahlt sich jetzt aus
Das Konzernergebnis hat sich von 13,1 auf 26,0 Mio. Euro nahezu verdoppelt. Der Gewinn hat sich von 1,85 auf 3,87 Euro je Aktie mehr als verdoppelt.
Hypoport kommt demnach auf ein KGV von 20,5. Damit liegt die Bewertung auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als 10 Jahren.
Im laufenden Geschäftsjahr hat sich die Erholung fortgesetzt. Im ersten Quartal konnte der Umsatz um 6 % auf 169,3 Mio. Euro gesteigert werden. Zum Wachstum haben alle Sparten beigetragen.
Der Rohertrag verbesserte sich um 8 % auf 71,0 Mio. Euro. Das EBIT kletterte um 40 % auf 12,1 Mio. Euro und der Gewinn sogar um 44 % auf 1,18 Euro je Aktie. An der Börse wird das bisher vollkommen ignoriert.
Die Erholung nimmt Fahrt auf
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis in diesem Jahr um 23 % auf 4,48 Euro je Aktie steigen. Es wäre das zweitbeste Jahr der Unternehmensgeschichte – sollte der Gewinn in den kommenden Quartalen ebenso stark steigen wie in Q1, entspräche das einem neuen Rekordgewinn.
Auf der Basis der Konsensschätzungen kommt Hypoport auf ein KGVe von 17,9. Das ist bei den vorliegenden Wachstumsraten zu rechtfertigen. Das gilt umso mehr, da das Unternehmen gerade dabei sein könnte, eine Talsohle zu durchschreiten.
Nach solchen Phasen ist in vielen Fällen mit überdurchschnittlichen Gewinnsprüngen zu rechnen. Davon scheinen die Prognostiker ebenfalls auszugehen. Derzeit wird erwartet, dass Hypoport den Gewinn im kommenden Jahr um mehr als 30 % auf etwa 6 Euro je Aktie steigern wird.

Gelingt jetzt ein Anstieg über 90 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 93 oder 100 – 103 Euro einleiten.
Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 125 – 137 Euro.
Fällt die Aktie hingegen unter 72 Euro, könnte die Bodenbildung gescheitert sein.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.06.2026 um 10:06 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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