Schlechte Nachrichten gibt es bei CTS Eventim genug. Trügt der erste Eindruck dennoch? Die Aktie könnte gerade ausbrechen.
An der Börse kommt es auf die Verhältnismäßigkeiten an
CTS Eventim hat einen der heftigsten Kursstürze seiner Unternehmensgeschichte hinter sich.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde die Profitabilität durch Sondereffekte belastet, doch auch in diesem Jahr haben sich die Probleme fortgesetzt.
Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 13 Prozent, das bereinigte EBITDA aber nur um 6,2 Prozent. Besonders im margenstarken Ticketing-Geschäft blieb der Ergebniszuwachs hinter dem Umsatzwachstum zurück.
Die Börse zeigte sich davon entsprechend enttäuscht.
Darüber hinaus sorgte der überraschende Abgang von Finanzvorstand William Willms für Verunsicherung. Nach der Meldung Ende September brach die Aktie zeitweise um mehr als 14 Prozent ein. Da keine näheren Gründe genannt wurden, bleibt Raum für Spekulationen.
Hinzu kommen Zweifel an den hohen Investitionen in Veranstaltungsstätten, insbesondere den neuen Unipol Dome in Mailand. Anleger fragen sich, ob sich diese kapitalintensiven Projekte ausreichend rentieren und wie schnell CTS Eventim seine Profitabilität wieder steigern kann.
Gründe für schlechte Stimmung und sinkende Kurse gibt es demnach, aber an der Börse geht es vor allem um Verhältnismäßigkeiten.
Das Geschäft kann blendend laufen und eine Aktie dennoch überbewertet sein und umgekehrt.
Und bei einem genaueren Blick stellt man womöglich fest, dass es bei CTS Eventim wesentlich besser läuft, als der Kursverlauf es vermuten lässt.
Das muss man wissen
CTS Eventim verdient sein Geld mit dem Verkauf von Eintrittskarten und als Veranstalter von Konzerten und anderen Live-Events.
Das Ticketing-Geschäft ist dabei besonders attraktiv. Über Onlineplattformen und Vorverkaufssysteme vermittelt das Unternehmen Millionen Tickets, ohne selbst das wirtschaftliche Risiko jeder Veranstaltung tragen zu müssen.
Die Einnahmen stammen unter anderem aus Gebühren und Provisionen. Da die digitale Infrastruktur bereits steht, sind die Grenzkosten für jedes weitere Ticket minimal.
Das sorgt für Skaleneffekte und attraktive Margen.
Das Live-Entertainment-Geschäft ist dagegen deutlich kapitalintensiver und risikoreicher. CTS Eventim organisiert Konzerte und Tourneen, betreibt Veranstaltungsstätten und verdient an den Erlösen der Events. Dafür muss das Unternehmen Künstler verpflichten, Hallen buchen und häufig hohe Vorlaufkosten stemmen. Bleiben die Zuschauer aus oder steigen die Kosten stärker als erwartet, leidet die Profitabilität.
Beide Geschäftsbereiche ergänzen sich dabei: Als Veranstalter sichert sich CTS Eventim Zugang zu Veranstaltungen, deren Tickets anschließend über die eigenen Plattformen verkauft werden können. Umgekehrt verschafft das Ticketing-Geschäft dem Konzern wertvolle Daten über Nachfrage und Kundenverhalten.
Hinzu kommt, dass CTS Eventim dadurch eine besonders starke Marktmacht in Europa erreicht. Dadurch wird der Wettbewerb erschwert und die Verhandlungsmacht gegenüber Veranstaltern und Veranstaltungsstätten gestärkt.
Besser als erwartet
Wenn man sich den Kursverlauf der letzten Monate anschaut, erwartet man einen Geschäftsbericht voller Probleme. Doch in der Realität konnte Eventim den Umsatz im ersten Halbjahr um 16,9 % auf 1,51 Mrd. Euro steigern.
Die Profitabilität war leicht rückläufig, das EBIT verbesserte sich dennoch um 15,3 % auf 174,6 Mio. Euro.
Da sich das Finanzergebnis gleichzeitig von -5,7 auf +20,0 Mio. Euro verbessert hat, konnte der Gewinn sogar um 34,2 % auf 1,25 Euro je Aktie gesteigert werden.
Den Konsensschätzungen zufolge könnte das Ergebnis in diesem Jahr um 16 % auf 3,36 Euro je Aktie steigen und ein neues Rekordniveau erreichen.
CTS Eventim kommt demnach auf ein KGVe von 19,0. Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV bei 30,9 und in den letzten fünf Jahren bei 26,5.
Insider schlagen zu
Unterdessen haben die Insider die Gelegenheit für sich ergriffen. In den letzten Monaten ist es zu einer regelrechten Häufung von Käufen durch Insider gekommen.
Dabei sticht vor allem die KPS Stiftung heraus, die von Eventim-Gründer und CEO Schulenberg kontrolliert wird. Die Stiftung hat in den letzten Monaten in Summe fast 600.000 Aktien zu Kursen zwischen 49,50 und 54,37 Euro mit einem Gesamtwert von etwa 30 Millionen Euro erworben.
Der Chief Technology Officer Karel Dörner, das Aufsichtsratsmitglied Dr. Cornelius Baur und der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Bernd Kundrun haben ebenfalls zugeschlagen – jeweils im sechsstelligen Bereich.

Eventim könnte gerade dabei sein, den Deckel der letzten Monate zu sprengen. Gelingt ein nachhaltiger Ausbruch über 62,50 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 69 – 72 Euro ermöglichen.
Darüber hellt sich das Chartbild weiter auf.
Fällt die Aktie jedoch unter 62 Euro zurück, könnten die Bullen ihre Chance vorerst vertan haben. In diesem Szenario wäre sogar ein Rückfall in Richtung Jahrestief denkbar.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.10.2026 um 8:37 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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