Skip to main content
DAX
SX5E
SPX
NDX
EUR.USD
MDAX
TDX
INDU
Bitte wählen Sie:

Cactus Aktie Prognose Cactus: Eine Geschichte zweier Brüder

News: Aktuelle Analyse der Cactus Aktie

von

14.04.2026 | 10:50 Uhr
In diesem Artikel
Cactus
ISIN: US1272031071
|
Ticker: WHD --- %

--- USD
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zur Cactus Aktie

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Diese Story beginnt nicht an der Börse, sondern in einer texanischen Werkstatt. Und sie ist bis heute nicht zu Ende erzählt.

Ab und zu stößt man an der Börse auf Geschichten, die einen dazu bewegen, von gewohnten Mustern abzuweichen. Cactus Inc. ist eine davon.

Normalerweise setze ich auf antizyklische Investments in Unternehmen mit Burggraben oder anderen Wettbewerbsvorteilen, bei denen der Vorstand selbst eher eine untergeordnete Rolle spielt.

Cactus Inc. fällt in eine andere Kategorie, doch die Story dahinter ist einfach zu spannend.

Von kritischer Bedeutung

Auf den ersten Blick handelt es sich um ein Unternehmen, das Anlagen und Ausrüstung für die Förderung von Öl und Gas herstellt.
Dazu gehören vor allem Bohrlochköpfe und damit zusammenhängende Systeme am oberen Ende eines Bohrlochs, die den Druck kontrollieren und dafür sorgen, dass Öl oder Gas sicher gefördert werden kann, ohne unkontrolliert auszutreten.
Außerdem produziert das Unternehmen flexible Rohre, die auf große Spulen aufgewickelt werden können und für den Transport von Öl und Gas eingesetzt werden.

Doch das ist nur die oberflächliche Betrachtung. In Wirklichkeit ist es das dritte Kapitel einer Familiengeschichte, die seit 1959 dieselbe Logik verfolgt.

Wer die Geschichte verstehen will, muss 1959 beginnen. Damals gründete die Familie Bender Cactus Pipe in Texas – ein kleines Unternehmen, das Wellhead-Ausrüstung (Bohrlochkopf) herstellte.

Kaum jemand schenkte dieser Branche damals besondere Aufmerksamkeit, und genau das war der Anfang eines Musters, das sich seither wiederholt: aufbauen, dominieren, verkaufen, neu anfangen – nur größer.

Eine Erfolgsformel

Scott Bender wurde 1977 Präsident von Cactus Wellhead Equipment, einer Tochter der Cactus Pipe. 1984 stieß Joel hinzu. Gemeinsam skalierten sie das Geschäft, bis es schlussendlich im Jahr 1996 für 100 Millionen Dollar von Cameron (heute Teil von Schlumberger) gekauft wurde.

Die beiden hätten sich damals wohl zur Ruhe setzen können. Stattdessen fingen die beiden im Jahr 2000 bei Wood Group Pressure Control (WGPC) von vorne an. Scott als Präsident, Joel als Senior VP.
Es folgte eine Dekade der geographischen Expansion und starken Wachstums. Im Jahr 2011 verkaufte Wood Group sein Well-Support-Segment für 2,8 Milliarden Dollar an General Electric.

Die Sparte vollzog später eine Fusion mit Baker Hughes. Dieser Umstand wird später noch eine Rolle spielen.

Cactus: Das dritte Kapitel

An dieser Stelle hätten sich die beiden Brüder definitiv zur Ruhe setzen können. Stattdessen gründeten sie noch im selben Jahr Cactus LLC, gemeinsam mit 19 ehemaligen WGPC-Managern und dem Private-Equity-Investor Cadent Energy.

Heute ist das Unternehmen börsennotiert und trägt den Namen Cactus Inc. Das Unternehmen operiert faktisch im selben Markt wie die beiden vorherigen, ist jedoch größer und hat sich eine starke Wettbewerbsposition erarbeitet.

Wie bereits eingangs angerissen, operiert Cactus in zwei Segmenten. Das erste, Surface Pressure Control, stellt Wellhead-Systeme her – jene kritische Baugruppe an der Oberfläche eines Ölbrunnens, die den Fluss von Fluiden und Gasen sichert, kontrolliert und überwacht. Klingt unspektakulär, ist es aber nicht: Das Produkt steht für 1–2 Prozent der Gesamtkosten einer Bohrung, während ein Ausfall oder eine fehlerhafte Installation erhebliche Schäden verursachen kann.

In diesem Bereich hat sich Cactus im nordamerikanischen Onshore-Markt einen Marktanteil von über 40 % erarbeitet.

Das zweite Segment, Spoolable Pipe (Spulrohre), basiert weitgehend auf der Übernahme von FlexSteel im Jahr 2023 für 621 Mio. USD.
FlexSteel produziert stahlverstärkte Spulrohre, ein Produkt, das es in dieser Form am Markt schlicht kein zweites Mal gibt.

Die Wettbewerber stellen zwar ebenfalls Spulrohre her, doch die verstärkte Onshore-Version von FlexSteel ist einzigartig und durch diverse Patente geschützt. Dasselbe gilt für die Verlegetools.

Back to the Roots

Als ob die Geschichte nicht schon spannend genug wäre, kommt es jetzt zu einer Wendung, die mir ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert hat. Vielleicht wird es Ihnen auch so gehen.

Anfang des Jahres hat Cactus den Kauf von 65 % des Surface-Pressure-Control-Geschäfts von Baker Hughes für 365 Mio. USD abgeschlossen. Der Kauf wurde weitgehend durch Barmittel finanziert.

Hinzu kommt das Recht, innerhalb von zwei Jahren die restlichen 35 % für das 6-fache des EBITDA zu erwerben. Es ist daher anzunehmen, dass für die Mehrheitsbeteiligung derselbe Multiplikator gezahlt wurde, was aus meiner Sicht attraktiv ist – vor allem, wenn die Bender-Brüder das Geschäft auf Vordermann bringen werden.
Der Unternehmenswert ist auf 660 Mio. USD gedeckelt, die verbliebenen 35 % werden also maximal 231 Mio. USD kosten.

Die Ironie ist offensichtlich: Die Benders kaufen ein Unternehmen zurück, das sie selbst einmal aufgebaut haben.

Das nächste Husarenstück?

Baker Hughes ist ein Großkonzern mit einem Börsenwert von mehr als 60 Milliarden Dollar. Auf das Surface-Pressure-Control-Geschäft entfallen nur etwa 2 % des Konzernumsatzes und man kann sich vorstellen, welche Aufmerksamkeit der Sparte geschenkt wurde. Vermutlich keine.

Es ist anzunehmen, dass Cactus das Geschäft vollständig übernehmen und wieder in die Erfolgsspur bringen könnte. Die Bender-Brüder kennen die Kunden, die Prozesse und die Schwachstellen. Wer könnte ein Unternehmen besser restrukturieren als jemand, der es ursprünglich selbst gebaut hat?

Die Bender-Brüder haben jedenfalls großes Interesse am Erfolg von Cactus, das dürfte selbstverständlich sein, denn sie sind die größten Anteilseigner.
Joel Bender hält direkt mehr als 162.000 Aktien und Scott Bender über 310.000 Anteile. Hinzu kommen etwa 722.000 Aktien, die die Familie über die Bender Investment Company hält.

Skin in the Game

Darüber hinaus befinden sich wohl mehr als 12 % der Aktien (über 8 Millionen Stück) über Cactus WH Enterprises in Familienbesitz. An dieser Stelle sind die Quellen widersprüchlich, teilweise wird der Anteil auch etwas höher angegeben.

In Summe sind die Bender-Brüder und Familie mit mindestens 15 % am Unternehmen beteiligt, Gesamtwert über 600 Millionen Dollar.

Hinzu kommt, dass Cactus in den letzten beiden Quartalen die Erwartungen deutlich übertroffen hat und dass die Nachfrage für Ölbohr-Equipment durch die stark gestiegenen Ölpreise anziehen dürfte.

Bisher war man davon ausgegangen, dass der Gewinn in diesem Jahr um 3 % auf 2,78 USD je Aktie steigen würde und die Wachstumsdynamik erst 2027 wieder anziehen würde. Im kommenden Geschäftsjahr wird ein Gewinnsprung um 22 % auf 3,40 USD je Aktie erwartet.

Da die Erwartungen zuletzt deutlich übertroffen wurden und da der Ölpreis gestiegen ist, wäre es gut möglich, dass das Geschäft schon früher Fahrt aufnimmt.

Cactus Aktie: Chart vom 14.04.2026, Kurs: 53,17 USD – Kürzel: WHD | Online Broker LYNX
Cactus Aktie: Chart vom 14.04.2026, Kurs: 53,17 USD – Kürzel: WHD | Quelle: TWS

Gelingt jetzt ein Ausbruch über die Widerstandszone bei 55,00 – 58,50 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 64,50 und 70 USD.

Für antizyklische Investoren wäre hingegen der Bereich zwischen 45 und 47 USD und die Unterstützung nahe 35 USD interessant.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.04.2026 um 10:39 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Nachricht schicken an Tobias Krieg
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Mehr als 13.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

Mehr als 65.000 zufriedene Kunden. Ich bin einer davon.

Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Wie hilfreich fanden Sie den Artikel?(erforderlich)
Wenig hilfreichSehr hilfreich
Ab jetzt täglich die neuesten Börsenblick-Analysen per E-Mail erhalten
Loading ...

Vorherige Analysen der Cactus Aktie