Bechtle wächst wieder dynamisch, und das seit mehreren Quartalen. Ist das Fundament für einen neuen Aufschwung bereits gelegt?
Die Trendwende wird greifbar
Bechtle wurde zwischenzeitlich schon von vielen Anlegern abgeschrieben. In Anbetracht der Kursentwicklung und der letzten beiden Geschäftsjahre ist das sogar nachvollziehbar.
Der Kurs tritt unter dem Strich seit 2019 auf der Stelle und das Ergebnis war 2024 und 2025 sogar rückläufig.
Inzwischen mehren sich jedoch die Zeichen für ein Comeback. Ich hatte bereits vor einigen Monaten darauf hingewiesen, dass die Wachstumsdynamik wieder zunimmt und die Talsohle durchschritten sein könnte (Bechtle: Von der Flaute zum Aufbruch?).
Jetzt haben die vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal an der Börse für gute Stimmung gesorgt.
Der wahre Gewinnbringer
Bechtle ist das größte IT-Systemhaus Deutschlands und einer der führenden IT-Dienstleister in Europa. Das Unternehmen unterstützt Firmen und öffentliche Auftraggeber bei der Digitalisierung und bietet ein breites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen – von der klassischen Hardwarebeschaffung über Cloud-Lösungen und IT-Sicherheit bis hin zu Managed Services, Software-Lizenzmanagement, künstlicher Intelligenz und Rechenzentrumsinfrastruktur. Im Extremfall übernimmt Bechtle den Komplettbetrieb der IT ganzer Unternehmen.
Bechtle arbeitet mit nahezu allen großen Technologieanbietern wie Microsoft, Cisco, Dell, HP, Lenovo oder VMware zusammen und profitiert davon, dass Kunden ihre gesamte IT aus einer Hand beziehen können.
Das Geschäft basiert jedoch auf zwei sehr unterschiedlichen Bereichen: Zum einen verkauft Bechtle Hard- und Software über einen europaweiten IT-Handel.
Der Geschäftsbereich ist vielmehr Mittel zum Zweck, denn der Hardware-Handel bietet nur niedrige Margen und ist obendrein konjunkturanfällig.
Der größte Teil der Wertschöpfung findet jedoch bei den profitableren IT-Dienstleistungen und langfristigen Serviceverträgen statt.
Dieser Serviceanteil sorgt für wiederkehrende Umsätze und macht das Geschäft deutlich stabiler als das eines reinen Hardwarehändlers.
Deutschland als Bremsklotz
Die Realität ist aber auch: Die deutsche Wirtschaft läuft alles andere als rund. Seit Jahren herrscht Krisenstimmung und dementsprechend wurden und werden Investitionen aufgeschoben oder an attraktiveren Standorten getätigt.
Bechtle hat unter diesen Rahmenbedingungen gelitten und mit einer gedämpften Nachfrage gekämpft. Der Investitionsbedarf verschwindet jedoch nicht, sondern wird lediglich in die Zukunft verschoben.
Das Management reagierte darauf mit einer antizyklischen Strategie. Statt drastisch zu sparen, hielt Bechtle an seiner langfristigen Ausrichtung fest, investierte weiter in margenstarke Bereiche wie Cloud, Software und Managed Services und hat das Portfolio durch gezielte Übernahmen gestärkt.
Gleichzeitig wurde auf eine disziplinierte Kostenkontrolle und eine vorsichtige Kommunikation mit dem Kapitalmarkt gesetzt. Die Details finden Sie im letzten Artikel.
Plötzlich wieder dynamisches Wachstum
An der Börse wurde all das kaum honoriert. Langsam scheint sich diese Strategie jedoch auszuzahlen. Im Jahresverlauf 2025 hat sich eine leichte Erholung abgezeichnet, insbesondere im Schlussquartal.
Im laufenden Geschäftsjahr hat die Dynamik weiter zugenommen. Das Deutschland-Geschäft tritt zwar weiterhin auf der Stelle, aber abseits vom Heimatmarkt wächst Bechtle wieder spürbar.
Im ersten Quartal konnte der Umsatz um 7,6 % auf 1,57 Mrd. Euro gesteigert werden. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert. Das EBT ist um 11,5 % auf 61,6 Mio. Euro gestiegen, und das Ergebnis um 15,9 % auf 0,36 Euro je Aktie.
Im zweiten Quartal legte das Geschäftsvolumen nach vorläufigen Zahlen um rund 18 % auf 2,27 Mrd. Euro zu, während der Umsatz um mehr als 16 % auf 1,73 Mrd. Euro gestiegen ist.
Besonders erfreulich entwickelte sich das EBT, das auf Jahressicht um mehr als 20 % auf 80 Mio. Euro geklettert ist.
Prognose wird deutlich erhöht
Dem Vorstand zufolge stand die gute Entwicklung auf einer breiten Basis und hat sich über alle Segmente und Kundengruppen erstreckt.
Vor dem Hintergrund dieser positiven Entwicklung und eines Rekordniveau beim Auftragsbestand hat der Vorstand beschlossen, die Prognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich anzuheben.
Das Geschäftsvolumen soll nun um mehr als 10 % wachsen (bisher 5 bis 10 %), während für Umsatz und Vorsteuerergebnis jeweils ein Plus von 5 bis 10 % erwartet wird (bisher 0 bis 5 %).
Am oberen Ende der Prognose entspräche das einem Gewinnsprung auf 2,00 Euro je Aktie. Bechtle käme demnach auf ein KGVe von 18,6.
Sollte Bechtle in die Erfolgsspur zurückkehren und wieder hohe einstellige oder sogar zweistellige Wachstumsraten verzeichnen, wie es früher üblich war, ergäbe sich daraus entsprechendes Kurspotenzial.
Im langjährigen Durchschnitt wurde Bechtle mit einem KGV von 23,7 bewertet. Bei einem Ergebnis von 2,00 Euro entspräche das einem Kursziel von 47,40 Euro.

Mit dem Anstieg über 35 Euro wurde ein Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 40 – 42 Euro ausgelöst.
Kann der Abwärtstrendkanal und die Widerstandszone bei 44,00 bis 45,50 Euro überwunden werden, hellt sich das Chartbild spürbar auf.
Fällt die Aktie jedoch unter 34 Euro zurück, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.07.2026 um 15:13 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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