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Die Wachstumsdynamik von Bechtle hat Quartal für Quartal zugenommen und ist zuletzt sprunghaft gestiegen. Könnte das Tal durchschritten sein?
Wenn ein ehemaliger Dauerläufer wie Bechtle ins Stolpern gerät, lohnt sich ein genauer Blick.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Bechtle ist einer der führenden Anbieter von IT-Konzepten für Gewerbekunden in Deutschland. Das Geschäftsmodell verbindet IT-Dienstleistungen mit dem herstellerunabhängigen Direktvertrieb von Hard- und Software für inzwischen mehr als 75.000 Kunden.
Die Services von Bechtle umfassen hierbei alle Dienstleistungen von der IT-Strategieberatung über die Projektplanung und Durchführung, Systemintegration bis zum Komplettbetrieb der IT ganzer Unternehmen.
Digitalisierung ist ein dauerhaftes Thema. Egal, ob die Kunden hinterherhinken oder schlichtweg immer an der digitalen Spitze bleiben wollen, es besteht stets Handlungsbedarf.
Die Realität ist aber auch: Die deutsche Wirtschaft läuft alles andere als rund. Seit Jahren herrscht Krisenstimmung und dementsprechend wurden und werden Investitionen aufgeschoben und schlichtweg andernorts getätigt.
Privatpersonen schränken ihren Konsum ein, was wiederum die Nachfrage in der Wirtschaft dämpft. Unternehmen stellen weniger Mitarbeiter ein, sparen und stärken die Kapitaldecke.
Wenn Kunden auf die Bremse treten
Und wenn man spart, beginnt man in der Regel bei externen Kostenpunkten, wie zum Beispiel IT-Dienstleistern.
Die geplante Modernisierung von Hardware, Software oder IT-Infrastruktur wird vorerst aufgeschoben.
Der Modernisierungsbedarf verschwindet aber nicht, ganz im Gegenteil. Früher oder später muss investiert werden, und wenn es nur aus dem Grund geschieht, weil Geräte den Geist aufgeben.
In dem wirtschaftlichen Umfeld der letzten Jahre haben die Unternehmen in Deutschland jedoch so viele Investitionen aufgeschoben wie nur möglich.
Dadurch hat die Wachstumsdynamik von Bechtle in den Geschäftsjahren 2022 und 2023 nachgelassen, bis es 2024 und 2025 schließlich zu einem Rückgang des Gewinns kam.
Für Bechtle ist das eine absolut einmalige Situation.
Meine Daten reichen zwei Dekaden zurück und noch nie verzeichnete das Unternehmen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren einen rückläufigen Gewinn. Das spricht für die grundlegende Qualität des Unternehmens, zeigt aber auch, wie schwierig die Rahmenbedingungen sind.
Kein Aktionismus: Bechtle setzt auf Disziplin statt Panik
Bechtle hat darauf auf besondere Art und Weise reagiert. Der Vorstand hat die Jahre 2024 und 2025 nicht als Krise inszeniert, sondern als Belastungstest für das Geschäftsmodell behandelt.
Bechtle reagierte nicht mit einem radikalen Kurswechsel, sondern mit Disziplin. Kosten wurden kontrolliert, aber nicht aggressiv gekappt. Die Profitabilität sollte stabil bleiben, auch wenn das Wachstum schwächelte.
Auffällig ist, wie konsequent das Unternehmen an seiner langfristigen Linie festgehalten hat. Während kurzfristig weniger Nachfrage vorhanden war, investierte Bechtle weiter in margenstärkere Bereiche wie Cloud, Software und Managed Services.
Zudem führte Bechtle gezielte Übernahmen durch, um das Portfolio zu stärken und Lücken zu schließen. Das ist keine defensive, sondern eine antizyklische Strategie.
Parallel dazu setzte das Management auf vorsichtige Kommunikation. Prognosen wurden bewusst breit gefasst, Erwartungen gedämpft, ohne den Eindruck von Unsicherheit zu vermitteln.
Antizyklisch investieren: Der Blick über die Krise hinaus
Nüchtern betrachtet hat Bechtle vieles richtig gemacht. An der Börse wurde das allerdings kaum honoriert, mit dem Kurs ging es trotzdem drastisch bergab.
Langsam scheint sich diese Strategie jedoch auszuzahlen. Im Jahresverlauf 2025 hat sich eine leichte Erholung abgezeichnet, insbesondere im Schlussquartal.
Der Umsatz konnte 2025 um 1,6 % auf 6,41 Mrd. Euro leicht gesteigert werden. Die EBT-Marge war jedoch von 5,5 auf 5,1 % rückläufig und das Ergebnis sank von 1,95 auf 1,82 Euro je Aktie.
Im Jahresverlauf hat sich die Wachstumsdynamik jedoch sukzessive verbessert. Im ersten Quartal konnte das Geschäftsvolumen lediglich um 0,8 % gesteigert werden, im zweiten Quartal lag das Plus bei 5,1 %, im dritten bei 8,4 % und im Schlussquartal bei 16,6 %.
Dasselbe gilt für die Profitabilität. Die EBT-Marge ist im Jahresverlauf von 3,8 auf 6,5 % gestiegen und lag im Schlussquartal erstmals wieder über dem Vorjahresniveau. Der Aufwärtstrend ist bei allen Kennzahlen eindeutig.
Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte die Talsohle durchschritten sein. Der Vorstand zeigt sich wie gewohnt verhalten optimistisch und stellt für 2026 einen Anstieg von Umsatz und EBT um 0 bis 5 % in Aussicht.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis um 9 % auf 1,96 Euro je Aktie steigen. Bechtle kommt demnach auf ein KGVe von 15,1. Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV bei 23,7.
Bis 2030 soll das EBT auf mehr als 500 Millionen Euro wachsen, was einem Anstieg von nahezu 50 % entsprechen würde.

Gelingt jetzt ein Anstieg über 30 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 32,50 oder 34,70 – 35,70 Euro einleiten. Darüber hellt sich das Chartbild weiter auf.
Fällt die Aktie hingegen unter 28,50 Euro zurück, könnte die Unterstützung bei 25 Euro abermals angesteuert werden.
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