Wer 720 Euro im Jahr für eine Kreditkarte bezahlt, muss dafür einiges geboten bekommen. American Express spielt nach eigenen Regeln.
Wohlhabende Kunden als Wachstumsmotor
American Express (AmEx) ist weit mehr als ein Kreditkartenanbieter und verbindet ein eigenes Zahlungsnetzwerk mit der Ausgabe von Kredit- und Chargekarten sowie einem margenstarken Premiumgeschäft.
Der entscheidende Unterschied zu Visa und Mastercard ist der Fokus auf zahlungskräftige Kunden und das eigene Netzwerk. American Express verdient nicht nur an der Zahlungsabwicklung, sondern häufig auch an den Karten selbst und an der Finanzierung seiner Kunden.
American Express verdient vor allem an Gebühren, die Händler für Kartenzahlungen entrichten. Hinzu kommen jährliche Kartengebühren, beispielsweise für Premiumkarten wie die Platinum Card, sowie Zinseinnahmen aus Kreditkartensalden. Weitere Erlöse stammen aus Reiseangeboten, Dienstleistungen für Unternehmen und Partnerschaften mit Banken und anderen Kartenanbietern.
Die Strategie konzentriert sich auf zahlungskräftige Privatkunden, Geschäftsreisende und Unternehmen. Diese Kunden geben häufig überdurchschnittlich viel Geld aus und sind bereit, für Reisevorteile, Versicherungen, Bonusprogramme, Zugang zu Lounges und einen hochwertigen Kundenservice zu bezahlen.
Das Flaggschiff, die American Express Platin Karte, kostet 720 Euro pro Jahr. Die Variante für Geschäftskunden sogar 850 Euro pro Jahr.
Ein eigenes Netzwerk hat Vor- und Nachteile
Anders als Visa und Mastercard kontrolliert American Express große Teile der Wertschöpfung selbst. Das Unternehmen gibt Karten aus, betreibt das Zahlungsnetzwerk und unterhält Beziehungen zu den Händlern. Dadurch erhält es umfangreiche Transaktionsdaten und kann Kundenangebote, Betrugsprävention und Marketing besser miteinander verbinden.
Die Kehrseite ist, dass Händlergebühren häufig höher sind als bei konkurrierenden Netzwerken, und die Akzeptanz international geringer war. In den letzten Jahren hat sich diese Lücke jedoch spürbar verkleinert.
Im September 2026 meldete das Unternehmen weltweit mehr als 190 Millionen Akzeptanzstellen.
In Deutschland ist die Akzeptanz inzwischen flächendeckend hoch und liegt im Einzelhandel bei über 70 %. Viele großen Ketten, Supermärkte, Tankstellen und Onlineshops akzeptieren die Karte problemlos.
Dadurch ist es American Express in den letzten Jahren gelungen, die internationale Expansion erheblich voranzutreiben.
Gleichzeitig konnten immer mehr jüngere Kunden gewonnen werden. Attraktive Bonusprogramme, Lifestyle- und Reisevorteile sowie eine starke Präsenz in sozialen Medien machen die Marke auch für Millennials und die Generation Z interessant. Damit erschließt sich AmEx frühzeitig eine Kundengruppe, deren Ausgaben und Zahlungsbereitschaft im Laufe des Berufslebens noch steigen können.
Das nächste starke Quartal
In Summe hat das dazu geführt, dass der Umsatz in den vergangenen fünf Jahren von 43,15 auf 72,23 Mrd. USD gesteigert werden konnte.
Gleichzeitig wurde die Zahl der ausstehenden Aktien von 805 auf 695 Millionen Stück reduziert.
Das Ergebnis kletterte von 10,02 auf 15,38 USD je Aktie, was einer durchschnittlichen Gewinnsteigerung von etwas mehr als 11 % pro Jahr entspricht.
Wie wir seit dem vergangenen Freitag wissen, hat sich die gute Entwicklung auch im dritten Quartal fortgesetzt.
Der Gewinn lag mit 4,68 USD je Aktie über den Erwartungen von 4,48 USD. Mit einem Umsatz von 20,1 Mrd. USD wurden die Schätzungen erfüllt.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 9 % und einem Gewinnsprung um 13 %.
Durch den Verkauf von Global Business Travel Group kam ein einmaliger Gewinn in Höhe von 982 Mio. USD hinzu. Inklusive dieses Sondereffekts kletterte der Gewinn sogar um 31 % auf 5,42 USD je Aktie.
Ausblick und Bewertung
Trotz der guten geschäftlichen Entwicklung arbeitet das Unternehmen an der Kostenseite.
American Express will rund fünf Prozent der Belegschaft abbauen und nimmt dafür einmalige Restrukturierungskosten von 336 Mio. USD in Kauf.
Gleichzeitig bekräftigte der Konzern das Umsatzziel für 2026 in Höhe von +10 %. Die Gewinnerwartungen wurden von 17,30 – 17,90 auf 17,60 – 17,90 USD je Aktie erhöht, ohne den Verkaufsgewinn von Global Business Travel Group.
Im Mittel entspricht das einem Gewinnsprung um 15 %.
American Express kommt demnach auf eine forward P/E von 17,6. In Anbetracht der Wachstumsrate und aller vorliegenden Informationen scheint das vertretbar zu sein. In den zurückliegenden fünf Jahren bewegte sich die P/E in einem Korridor zwischen 13 und 25 und lag im Durchschnitt bei 18.
Sollte der Gewinn im kommenden Jahr wie erwartet um weitere 13 % steigen, würde die P/E dadurch auf 15,6 sinken.

Aus technischer Sicht ist die Aktie übergeordnet bullisch. Damit das auch so bleibt, sollte die Aktie das bisherige Jahrestief jedoch nicht unterschreiten. Sollte es dennoch geschehen, muss mit weiteren Kursverlusten in Richtung 290 oder 277 USD gerechnet werden.
Gelingt hingegen ein Anstieg über 320 USD, würde das Kursgewinne in Richtung 337 USD ermöglichen. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 350 und 363 USD.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 26.10.2026 um 11:16 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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