Wenn es um das US-Verbrauchervertrauen geht, sind zwei Faktoren immens wichtig: die Benzinpreise und der Aktienmarkt. Ersteres ist derzeit fatal, aber was Aktien angeht, knallen die Sektkorken – der S&P 500 markierte gerade neue Hochs. Kann das wirklich gutgehen?
Das könnte es zwar. Aber je mehr aktiv agierende Marktteilnehmer gar nicht erst daran zweifeln, dass das gutgeht, desto dünner wird das Eis, das den Ausbruch des marktbreiten S&P 500 über sein bisheriges Rekordhoch tragen muss. Wobei aus rein charttechnischer Sicht bislang alles soweit passt:
Der Index sprang bereits Mitte April über die bisherige Bestmarke von 7.002 Punkten, sah statt umgehenden Gewinnmitnahmen Anschlusskäufe und nahm im Verlauf der vergangenen Woche nach kurzem Verharren erneut Fahrt auf. Charttechnische Widerstände warten hier keine mehr, obere Begrenzungen von Aufwärtstrendkanälen wären zu sehr konstruiert, um wirklich als relevant wahrgenommen zu werden. Zwar ist die Markttechnik des S&P 500 auf Tagesbasis bereits heiß gelaufen, hierfür beispielhaft im Tageschart unten der Stochastik-Oszillator. Aber solange das Momentum der Bewegung hoch bleibt, muss das alleine die Bullen nicht stoppen. Was aber könnte es dann?

Expertenmeinung: Die Achillesferse dieser Kaufwelle ist, dass man offenbar unterstellt, dass jetzt, nachdem der Iran-Krieg bereits zwei Monate andauert und die Benzinpreise in den USA so hoch sind wie seit Anfang 2022 nicht mehr, kein Abriss des Aktienmarkts mehr droht, alleine, weil es bisher ja auch nicht passiert ist. Man setzt also auf den „Gewöhnungseffekt“. Und das funktioniert umso besser, je mehr Akteure daran glauben und weiter kaufen … oder zumindest nicht aussteigen. Aber die Sache ist keineswegs ohne Risiko.
Denn wie viele Marktteilnehmer den Markt derzeit passiv beobachten und bereits die Finger über der „Exit“-Taste haben, wird im Chartbild natürlich nicht sichtbar. Aber dass die Zahl derer groß sein könnte, die beim kleinsten Anzeichen, dass diese „Wette“ auf absolut resiliente Aktienmärkte schiefgeht, aussteigen, wäre zumindest nicht verwunderlich, denn:
Noch weisen die Bilanzen der Unternehmen kaum und oft sogar gar keine negativen Effekte dieses Iran-Krieges aus. Noch schlagen auch nur vereinzelte Konjunkturdaten Alarm. Aber das könnte nur dann so bleiben, wenn dieser Konflikt in den kommenden Tagen glaubwürdig beendet wird und die Ölpreise rasant in die Nähe der Levels vor dem Iran-Krieg zurückkommen würden. Passiert das nicht – und derzeit wäre ein solches, die Hausse nachträglich „heilendes“, Szenario eher überraschend – würden sich die Folgen der Ölpreise durch die Wirtschaft „hindurchfressen“, von den Zulieferern über die Hersteller bis zu den Händlern und am Ende zu den Verbrauchern.
Reißende Lieferketten und ein Rückgang des Konsums sind nichts, was am Tag 1 eines solchen Konflikts auftaucht. Aber daraus zu schließen, dass diese Entwicklung ausbleibt, ist naiv und erinnert an die Post-Corona-Phase, in der auch viele dachten, die Inflation würde schon zügig von alleine wieder verschwinden.
Man tanzt hier also definitiv auf dünnstem Eis … und viele scheinen sich dessen nicht gewärtig zu sein. Andererseits, wie eingangs festgehalten: Solange genug Anleger nicht nur daran glauben, sondern auch so handeln, als wären die dunklen Wolken über der US-Wirtschaft nicht da, kann das gutgehen. Wichtig wäre aber, sich für den Fall der Fälle abzusichern, denn auf dünnem Eis hat man nicht allzu viel Zeit, nach Lösungen zu suchen, wenn es erst einmal bricht.
Derzeit wäre das vorherige Hoch um 7.000 Punkte, aktuell als Support noch durch die 20-Tage-Linie verstärkt, ein sinnvoller Anhalt für einen Stoppkurs, den man idealerweise als Stop Loss-Verkaufsorder in steter Bereitschaft halten würde … denn, dass der Freitag mit einem „Gravestone Doji“ endete, ist nichts, das zu allzu großer Gelassenheit beitragen könnte.

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