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Man wollte die „magische Marke“ von 30.000 Punkten sehen … und hat sie gesehen. Aber es scheint, als würden viele Trader dieses Ziel jetzt in eine Etappe umdeuten: Die Käufe gehen bislang weiter. Aber nicht nur der Nasdaq 100 steigt … das Risiko steigt mit.
Im Verlauf der vergangenen Woche wurden im Rahmen der zweiten Berechnung zum US-Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals auch die Unternehmensgewinne gemeldet. Da hatten die Experten im Vorfeld mit +5,7 Prozent gerechnet. Nicht gerade wenig, aber immerhin sehen die Investmentbanken im Schnitt über 20 Prozent Anstieg bei den Gewinnen der börsennotierten Unternehmen im laufenden Jahr. Wovon die Hälfte von KI-bezogenen Unternehmen kommen werde, werde erwartet. Doch diese Daten entsprachen keineswegs der Prognose: Laut dem Bureau of Economic Analysis, der Behörde, die die Wachstumsdaten ermittelt, sind die Gewinne der US-Unternehmen im ersten Quartal um 0,4 Prozent gefallen.
Nicht gut … aber Sie sehen in den Charts, dass das den Nasdaq 100 nicht im Mindesten gebremst hat. Nach einem eher überschaubaren Minus als Reaktion auf den Iran-Krieg und hohe Ölpreise beendete der Index jetzt den zweiten Monat mit außergewöhnlich hohen Kursgewinnen, wie wir im Chart auf Monatsbasis sehen können. Seit dem Jahres-Verlaufstief Ende März beträgt der Anstieg 33 Prozent – in nur zwei Monaten.

Aber nur ein Drittel der im Index gelisteten Aktien laufen besser als der Index. Und ganze 46 Aktien liegen in der bisherigen Jahresbilanz im Minus, während neun der 100 Titel bereits mehr als 100 Prozent Kursanstieg ausweisen … der Spitzenreiter SanDisk kommt sogar auf 600 Prozent. Das kann doch auf Dauer nicht gutgehen? Extreme Kursgewinne, beschränkt auf die Bereiche Halbleiter und KI, der Rest: „ferner liefen“? Dieser Sektor kann doch nicht die gesamte US-Wirtschaft tragen?
Expertenmeinung: Nein, das kann er nicht und wird er nicht. Aber was diese Super-Hausse angeht, muss er das ja auch nicht. Der Index wird von diesem Sektor gezogen, aber es steht ja nirgends, dass der Nasdaq 100 die Lage der Gesamtwirtschaft abbilden sollte oder auch nur könnte. Wenn es um die Frage geht, ob das gutgehen kann, wenn sich derart viel Kapital auf nur wenige Aktien konzentriert, zielt die Antwort nur auf diese Gipfelstürmer ab, sprich:
Wann kippen die? Eigentlich ist es kein Geheimnis, dass Kursgewinne noch mehr Kapital anziehen, die Sache dadurch immer spekulativer wird und damit Mast- und Schotbruch riskiert wird. Weniger, weil einige dieser Aktien trotz ihrer immensen Wachstumsperspektive überbewertet sind. Bevor sich so etwas reguliert, kennen die Zocker kein Halten, bis sie sich selbst ein Bein stellen. Denn ein „zu schnell, zu weit“ endet selten durch die plötzliche Einsicht, dass man es übertrieben haben könnte, oder durch „bad news“ von außerhalb … dass man gegen Iran-Krieg, Ölpreis und andere Unbill aus Washington immun zu sein scheint, sieht man ja gerade.
Oft endet die Sache anders: Da den meisten, die diese Hausse bis zum Exzess ausreizen, wissen oder zumindest ahnen, dass sie hier mit vollen Segeln unterwegs sind, reagiert man auf Irritationen eher dünnhäutig. Da kann es durchaus ausreichen, wenn an einem Tag zu viele Gewinnmitnahmen auf einmal auftauchen, während die Käuferseite zu schwach ist, um das aufzufangen. Hier liegen hohe Einsätze auf dem Tisch, die enge Stop Loss-Absicherungen brauchen. Und die können, wenn es mal an einem Tag zu einem starken Abriss kommt, wie Dominosteine kippen und eine Verkaufslawine auslösen.
Wann? Auf welchem Kursniveau? Es liegt in der Natur der Sache, dass das in keiner Weise vorhersagbar ist. Das muss es aber auch nicht. Entscheidend ist, dass man dieses Risiko erkennt. Denn solange man sich auf der Long-Seite konsequent mit Stop-Loss-Verkaufsorders gegen einen solchen „Mast- und Schotbruch“ absichert und diesen Stopp auch konsequent nachzieht, ist man von Bord, wenn das Schiff sinkt.
Derzeit würde als Orientierung hierfür die 20-Tage-Linie ins Auge stechen. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass diese Linie schön parallel zur Hausse mitläuft. Und sie weist dabei mit einem aktuellen Niveau bei 29.135 Punkten einen sinnvollen „Rangierabstand“ aus, der ein, zwei schwächere Tage aushalten kann, wie wir sie Mitte Mai gesehen hatten, und die in dieser Größenordnung noch nicht ausreichen dürften, um eine Bullen-Stampede loszutreten. Fällt dieser Leitstrahl aber, könnte das schnell anders aussehen.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.05.2026 um 23:44 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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