Vergangene Woche testete der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 punktgenau seine 200-Tage-Linie … und die hielt. Das Problem ist, dass ein Aufbäumen des bullischen Lagers als Reaktion auf diesen erfolgreichen Test bislang ausblieb – der Index bleibt in der Gefahrenzone.
Die Situation in Bezug auf den Ukraine-Krieg ist festgefahren, in Sachen Iran-Konflikt sieht es genauso aus. Die Zinsen bleiben auf mehrjährigen Hochs, der Ölpreis kommt nicht einmal ein wenig nach unten … und in Frankreich wackelt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Regierung. Das ist kein Umfeld, in dem man so ohne Weiteres bullisch wäre. Zumal auch die Aktien aus dem Umfeld des KI-Booms momentan abwärts tendieren. Dass dieser ebenso präzise wie erfolgreiche Test der 200-Tage-Linie da nicht automatisch zum Sprungbrett für eine Rallye wurde, ist nachvollziehbar. Aber so, wie das Chartbild aktuell daherkommt, werden die Trader es wohl kaum stehen lassen:
Es gelang zwar, sich wieder an die Supportzone 6.181/6.200 Punkte zu retten, aber dort tritt der Euro Stoxx 50 jetzt bereits seit drei Handelstagen auf der Stelle. Darunter, in weiterhin geringer Entfernung, die 200-Tage-Linie bei momentan 6.099 Punkten. Darüber, kaum weiter entfernt, die im August etablierte Abwärtstrendlinie bei aktuell 6.292 Punkten. Und morgen steht die Abrechnung der Optionen auf Aktien und Indizes an den Terminbörsen an. Das ist ein Szenario, das vor Spannung förmlich knistert, zumal die Fragen im Raum stehen:

Expertenmeinung: Stützt dieser anstehende Abrechnungstermin am Terminmarkt den Index … oder hält er ihn gedrückt? Wird es nach der Abrechnung dann in der kommenden Woche nennenswerte Neuorientierungen der großen Akteure an der Terminbörse geben, die zu einer charttechnischen Entscheidung beitragen?
Die nächste Frage, die hinter den aktuell dominierenden Einflüssen in Form des Ölpreises und der Zinsen langsam hervortritt, betrifft die Midterm Elections. In 19 Tagen wird sich entscheiden, ob und wie markant die US-Regierung durch die Demokraten in ihren Entscheidungen ausgebremst wird. Aber käme es dazu, wäre das denn ein bullischer Faktor? Auch das ist eine Frage, die sich im Vorfeld nicht klar beantworten lässt, denn es gäbe durchaus Wege, eine Kontrolle durch einen demokratisch dominierten Kongress einzuschränken bzw. zumindest zu verlangsamen. Immer vorausgesetzt, es käme nicht zu einem Chaos, in dem Mr. Trump eine Wahlniederlage, so sie denn käme, einfach zum „Wahlbetrug“ erklärt und ignoriert. Zumal ein solches „Patt“ zwischen Kongress und Regierung viele Entscheidungen massiv verzögern kann. Man wird es sehen, aber:
Noch ist eben alles offen. Der Fragen gibt es viele, Antworten hingegen gibt es nicht. Es kann daher nicht einmal überraschen, dass man beim Euro Stoxx 50 so nahe an mittelfristig relevanten Chartmarken eine Entscheidung scheut. Aber 100 Punkte in beide Richtungen bis zu den Schlüsselmarken, das ist zu eng, um hier noch bis zur US-Wahl seitwärts zu laufen. Zumal es ja nicht alleine um dieses den Chart auf Tagesbasis dominierende Dreieck (wenn man die 200-Tage-Linie als untere Linie des Dreiecks sieht) geht. Wir sehen im Chart auf Wochenbasis, dass der Euro Stoxx 50 zugleich mit der oberen Begrenzung des im Frühjahr 2020 etablierten Aufwärtstrendkanals ringt. Man müsste also damit rechnen, dass hier eher über kurz als über lang eine der beiden Entscheidungszonen fällt. Aber!

Falls ein solcher Ausbruch im Vorfeld von Antworten auf wenigstens einige der zahlreichen, oben erwähnten Fragen erfolgen sollte, ist das Risiko eines Fehlausbruchs in beide Richtungen nicht zu unterschätzen. Wer als charttechnisch orientierter Trader auf einen Ausbruch reagieren wollte, sollte das daher besser mit konsequenten Stoppkursen tun.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.10.2026 um 21:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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