Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen warnten viele, dass Aktien, die mit der KI-Thematik zu tun haben, bei einem Sieg der Demokraten deutlich abrutschen könnten. Genau so kam es auch, aber der DAX stieg dennoch – und das kräftig. Jetzt geht es bereits um das Rekordhoch.

Die Dimension, mit der die US-Demokraten von der Abstrafung der Regierung profitierten, hatte so niemand vorhergesehen, nicht einmal die Optimisten unter den Demokraten selbst. Jetzt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine ungehemmte Expansion von KI und der dafür erforderlichen Rechenzentren ab Januar, wenn der neue Kongress erstmals zusammentritt, ein Ende haben wird. Auch wenn man daraus nicht ableiten kann, dass das Wachstumspotenzial des KI-Sektors insgesamt kleiner wird: Das Tempo könnte gebremst werden.
Und da liegt der Haken für die Aktien, die im Kielwasser dieses Themas massiv gestiegen waren. Denn es ist dieses unterstellte, immense Tempo, welches das Angebot bei Halbleitern verknappt, die Auftragsbücher im D-Zug-Tempo füllte und steigende Gewinnmargen bei Unternehmen, die diese Expansion möglich machen sollen, auslöste. Und wie erwartet waren sie es, die im DAX am Mittwoch deutlich unter Druck gerieten: Siemens Energy, Hochtief, Infineon.
Doch der DAX selbst stieg trotzdem. Und das mit 2,22 Prozent nicht gerade wenig. Wie passt das zusammen … und kann das mehr sein als eine Eintagsfliege, könnte das womöglich sogar einen stabilen Ausbruch über das bisherige Rekordhoch bei 26.619 Punkten nach sich ziehen?
Expertenmeinung: Der Kursanstieg basierte darauf, dass außer den drei vorgenannten DAX-Aktien nur noch Rheinmetall leicht nachgab, die restlichen 36 Aktien des Index stiegen. Denn der Umstand, dass die US-Demokraten dem US-Präsidenten durch die ab Januar geltende Kontrolle beider Kongresskammern deutlich effektiver auf die Finger schauen können, führte auch zu anderen „Vorgriffen“ … und die wirkten positiv:
Ein sinkender Ölpreis als Ausdruck der Hoffnung auf Bewegung in Bezug auf den Iran-Konflikt, die Erwartung einer durch fallende Energiepreise schnell wieder auf Normalniveau sinkenden Inflation und die dadurch wieder steigende Investitions- und Konsumbereitschaft wirkten bullisch. Auch hier griff man indes einem Szenario vor, das man erhofft, bei dem man aber nicht sicher sein kann, dass es wirklich so kommt.
Dabei könnte das bisherige, jetzt bereits in Reichweite liegende Rekordhoch des DAX grundsätzlich auch dauerhaft überwunden werden, denn wenn 36 DAX-Aktien außerhalb der Themen KI und Rüstung diese ehemaligen Zugpferde ersetzen und mehrheitlich weiter zulegen, wäre nach oben allerhand möglich. Aber wie so vieles, das mit einem Vorgriff auf kommende Entwicklungen zu tun hat, hat auch dieses Gedankenmodell eine Achillesferse … in diesem Fall trägt sie den Namen Donald Trump.

Denn einiges an der positiven Vorlage der US-Aktienmärkte hängt damit zusammen, dass dieser nicht nur das Wahlergebnis akzeptiert hat, sondern auch avisierte, die Zusammenarbeit mit den Demokraten zu suchen. Das wäre ein derart umfassender Sinneswandel, dass man gut daran tun dürfte, nicht gar zu sehr darauf zu vertrauen, dass es wirklich so kommt. Und käme es nicht so, würde das, was der US- ebenso wie der Weltwirtschaft bislang geschadet hat, zwar ab Januar, wenn der neue US-Kongress die Arbeit aufnimmt, besser zu beeinflussen sein, aber ganz verhindern könnte man z. B. eine erneute Eskalation im Iran-Krieg eben nicht.
Fazit: Die Bullen erlebten am Mittwoch einen unverhofften Schub. Der sich fortsetzen könnte, aber dieses „könnte“ muss man angesichts des Umstands, dass erneut Hoffnungen zum Zugpferd werden, deutlich hervorheben. Auf der Long-Seite weiterhin mit Vorsicht zu agieren, dürfte nicht schaden.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.11.2026 um 22:50 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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