Eine lange rote Kerze im Candlestick-Chart, die unter einer Widerstandszone einem Doji folgt und die den Versuch ausbremst, sich nach oben abzusetzen: Das sieht kritisch aus. Aber nüchtern betrachtet ist dieser „Evening Star“ im DAX, zumindest noch, kein Beinbruch.
Eine „Evening Star“- oder „Abendstern“-Formation fungiert nicht selten als Grundstein einer Abwärtswende … aber eben nicht immer. Darüber hinaus müssten mehrere Voraussetzungen erfüllt sein, um ein Abwärtssignal dieser Formation ernst zu nehmen. Zum einen sollte die Formation in Form einer weißen Kerze, eines von der vorherigen und der nachfolgenden Kerze nach oben abgehobenen Dojis und einer roten Kerze idealerweise nach einer größeren Aufwärtsbewegung entstehen. Hier, beim DAX, gab es zuvor nur den kurzen Versuch, sich von einer Supportzone nach oben abzusetzen. Zum anderen benötigt eine solche Formation eine Bestätigung, um gültig zu sein, indem der Kurs am Folgetag, spätestens aber am übernächsten Handelstag, erneut eine rote Kerze zeigt. Ob es dazu kommt, muss man erst einmal abwarten.

Darüber hinaus hat der deutsche Leitindex dadurch zwar unterhalb des Kreuzwiderstands aus 20-Tage-Linie und Juli-Hoch im Bereich 25.882/25.900 Punkte nach unten abgedreht, was man durchaus als kritisch ansehen darf. Aber er hat noch keine wirklich entscheidenden Supportlinien gebrochen. Trotz der langen roten Kerze ist er noch nicht durch die Unterstützungszone 25.280 zu 25.508 Punkte gerutscht. Und erst knapp darunter würde es um mittelfristig bedeutsame Supportlinien gehen. Erst wenn der DAX die April-Aufwärtstrendlinie um 25.000 Punkte und die bei 24.775 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie durchbrechen sollte, käme es hier tatsächlich zu einem markanten Abwärtssignal.

Expertenmeinung: Allerdings sollte man das Risiko, dass es so weit kommt, nicht zu gering schätzen und es deshalb einfach ignorieren. Dass dieser „Evening Star“ am Freitag entstand und damit ausgerechnet an einem Abrechnungstag an der Terminbörse kräftig Abgabedruck aufkam, ist zumindest ein Hinweis darauf, dass der DAX momentan auf der Unterseite nicht besonders robust ist. Ein Risiko als solches wahrzunehmen und einer Verschärfung der Lage vorzugreifen, sind aber trotz allem zwei Paar Schuhe. Ersteres ist zweifellos ratsam, Letzteres nicht, zumal:
Hätte der Automobilsektor am Freitag nicht deutlich nachgegeben, wäre es zu diesem „Evening Star“ nicht gekommen. Der Druck auf den Sektor ging von einer Prognosesenkung bei VW aus (siehe die gesonderte, heutige Analyse zur VW-Vorzugsaktie), sodass die Chance bestünde, dass das Gros derer, die darauf mit einem Verkauf reagieren wollten, das bereits getan hat. Und da die anderen Titel aus diesem Bereich gleich in Vorwegnahme ebenfalls sinkender Prognosen bereits unter Druck gekommen sind, wäre es keineswegs abwegig zu hoffen, dass sich dieser am Freitag negativ wirkende Aspekt heute bzw. in den kommenden Tagen nicht fortsetzt.
Was man ebenfalls erst einmal beobachten sollte, ist der Einfluss der am Freitag absolvierten Abrechnung an den Terminbörsen. Hat dieser Termin die Kurse im Vorfeld eher gestützt oder gedrückt? Hinzu kommen weitere, „bewegliche“ Einflussfaktoren: Deutet sich zum Wochenstart eine Entspannung beim Ölpreis und den Zinsen am Anleihemarkt an oder wird der Druck dort wieder größer? Könnten die Wahlergebnisse in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, deren Ausgang zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrags noch nicht bekannt ist, den DAX beeinflussen?
Es sind unmittelbar nach der Entstehung dieses potenziell, aber nicht zwingend bärischen „Evening Stars“ noch zu viele Fragen offen, um bereits jetzt, zum Start in die neue Handelswoche, bewerten zu wollen, wie dieser sich auswirken wird. Klar ist:
Wenn die Marktteilnehmer dieses Damoklesschwert loswerden wollen, muss der DAX zügig über die Hürde hinaus, unter der er jetzt erst einmal abgedreht hatte: über den Kreuzwiderstand 25.882/25.900 Punkte. Aber erst wenn er die 200-Tage-Linie bei momentan 24.775 Punkten klar unterboten hat, würde aus einer durch diesen „Evening Star“ verlängerten Korrektur wirklich ein klares, bärisches Signal. Behalten Sie den Index im Auge, eines von beiden Szenarien dürfte nicht lange auf sich warten lassen!
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.09.2026 um 15:07 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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