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Kritiker sehen Disney in einer Abwärtsspirale aus schwächelnden Filmen und problematischem Streaminggeschäft. Ist das die ganze Wahrheit?
Vom Kulturriesen zum Problemfall
Die Kursentwicklung von Disney war in den letzten Jahren alles andere als erfreulich – und das hat gute Gründe. Viele Investoren sprechen inzwischen von einem schleichenden Niedergang: zu hohe Kosten, schwächelnde Kinoerfolge, Probleme im Streaminggeschäft und eine Führung, die sich in politischen Debatten unnötig exponiert hat.
Tatsächlich hat der Konzern damit Teile seines Publikums verprellt – ein sensibles Thema für ein Unternehmen, das von möglichst breiter Familienunterhaltung lebt.
Das Schlimmste daran ist, dass Disney immer wieder dieselben Fehler macht und dass sie so offensichtlich sind.
Beliebte Klassiker werden umgeschrieben und dem vermeintlichen Zeitgeist angepasst. Erfolgsmodelle werden über den Haufen geworfen und ins Gegenteil verkehrt. Und selbstverständlich wird politisiert, was in jedem Fall Zuhörerschaft kostet, egal welche Seite man einnimmt.
Mit all diesen Kritikpunkten dürften die Bären goldrichtig liegen. Doch dabei könnten sie die erzielten Fortschritte übersehen. Seitdem Bob Iger wieder auf den Chefposten zurückgekehrt ist, wurden etliche Maßnahmen angestoßen und erfolgreich umgesetzt.
Das Vertrauen wurde nachhaltig verspielt
Als er 2022 erneut den Chefposten übernahm, stand Disney vor einem Scherbenhaufen aus hohen Kosten, strategischer Unklarheit und enttäuschten Investoren.
Seitdem hat das Management spürbar umgesteuert. Disney hat die Kostenbasis gesenkt, Strukturen verschlankt und den Fokus wieder stärker auf Profitabilität gelegt.
Das gilt vor allem für das Streaming-Geschäft Disney+, das über weite Strecken Milliarden verbrannt hat. Inzwischen liefert der Bereich einen erheblichen Beitrag zum Konzerngewinn, doch dazu später mehr.
Zunächst widmen wir uns der Großwetterlage. Seit der Rückkehr von Bob Iger konnte Disney den Gewinn in jedem einzelnen Jahr steigern, in Summe sogar erheblich.
Seit dem Ende des Geschäftsjahres 2021 kletterte das Ergebnis von 2,29 auf 5,93 USD je Aktie. Im letzten Jahr konnte der Gewinn um 19 % gesteigert werden.
Dass der Kurs dennoch nicht nachhaltig gestiegen ist, ist aus meiner Sicht vor allem auf einen Faktor zurückzuführen:
Disney hat das Vertrauen der Anleger verspielt und selbst mehrere starke Jahre haben bisher nicht ausgereicht, um es wieder zurückzugewinnen.
Gewinn steigt trotz Skepsis
Im nahezu abgeschlossenen Geschäftsjahr, welches noch bis Ende September läuft, hat sich die positive Entwicklung fortgesetzt.
Der Gewinn lag in Q2 mit 1,57 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 1,48 USD. Mit einem Umsatz von 25,2 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 25,1 Mrd. USD knapp übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 7 % und einem Gewinnsprung um 8 %.
Zum Wachstum haben alle Sparten beigetragen. Der Bereich Entertainment verzeichnete ein Umsatzplus von 10 % auf 11,72 Mrd. USD, Sports einen Anstieg um 2 % auf 4,61 Mrd. USD und Experiences ein Plus von 7 % auf 9,49 Mrd. USD.
Disney+ verzeichnete einen Umsatzanstieg um 6 % auf 1,34 Mrd. USD. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 88 % auf 582 Mio. USD.
Darüber hinaus wurde die Prognose für Teilbereiche des Konzerns erhöht und die Gesamtprognose bestätigt. Disney stellt für das laufende Geschäftsjahr einen Anstieg des Gewinns um 16 % in Aussicht.
Ausblick und Bewertung
Eine Kursreaktion auf diese Neuigkeiten ist weitgehend ausgeblieben. Doch die Realität lässt sich nicht unbegrenzt ignorieren. Die Bewertung ist inzwischen auf ein Niveau gesunken, auf dem die Verweigerung oft ein Ende findet.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis um 16 % auf 6,88 USD je Aktie steigen. Disney kommt demnach auf eine forward P/E von 14,8.
Damit ist die Bewertung auf das niedrigste Niveau seit mehr als 10 Jahren gesunken. Selbst in den letzten drei Jahren, in denen das Kursgeschehen eine ausgeprägte Baisse war, lag die P/E durchschnittlich bei 21,7.
Um wieder dieses Niveau zu erreichen, müsste die Aktie auf 149,30 USD steigen.
Sollte der Gewinn im bald anbrechenden Geschäftsjahr wie erwartet im zweistelligen Prozentbereich steigen, entspräche eine P/E von 21,7 einem Kursziel von mindestens 164,23 USD.
In der Chefetage von Disney hat man sich daher entschlossen, die Sache etwas handfester anzugehen. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Disney Aktienrückkäufe mit einem Gesamtvolumen von 8 Mrd. USD an, was fast 5 % des Börsenwerts entspricht.
Dadurch ist die Zahl der ausstehenden Aktien auf Jahressicht bereits von 1,814 auf 1,772 Milliarden Stück gesunken.

Gelingt jetzt ein Anstieg über 103 USD, könnte ein erneuter Angriff auf den korrigierenden Abwärtstrend erfolgen. Über 110 USD käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit einem Kursziel bei 120–124 USD.
Darüber würde sich das Chartbild nachhaltig aufhellen.
Fällt die Aktie hingegen unter 97 USD, muss mit einem Rücksetzer bis 90–93 USD gerechnet werden.
Unter 80 USD würde sich das Chartbild nachhaltig eintrüben.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.06.2026 um 14:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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