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FICO verliert sein Monopol, VantageScore gewinnt an Bedeutung und mittendrin könnte TransUnion zu den überraschenden Profiteuren gehören.
Gestern ist es bei Fair Isaac (FICO) zu einem Kurssturz von mehr als 26 % gekommen. Auslöser ist eine Entscheidung der US-Wohnungsbaubehörde FHFA: VantageScore und FICO-Score werden bei den staatlichen Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac zukünftig als Alternativen zugelassen.
Damit wird das faktische Monopol von FICO aufgebrochen. Die negative Kursreaktion ist daher nachvollziehbar, denn gleichzeitig dürften die Preise auch deutlich sinken.
Das ist für Fair Isaac deshalb problematisch, weil Kredit-Scores im Hypothekengeschäft bislang eine außergewöhnlich starke Marktstellung hatten. Gleichzeitig dürfte der Wettbewerb den Preis massiv drücken. TransUnion hat angekündigt, VantageScore 4.0 bis Ende 2028 für lediglich 0,99 US-Dollar je Hypothekenanfrage anzubieten.
FICO hatte sich die Anfragen bisher mit 10 USD vergüten lassen. Gemessen am Volumen einer Hypothek ist auch das kein riesiger Betrag, doch bei Millionen von Abfragen summiert sich die Differenz gewaltig.
Wird aus dem FICO-Monopol ein Duopol?
Doch was für FICO ein erheblicher Schaden ist, könnte für VantageScore ein wichtiger Wachstumstreiber werden. Des einen Freud ist des anderen Leid.
Das Geschäft von VantageScore dürfte dadurch einen Schub bekommen. Darüber hinaus dürfte der Preis mittelfristig deutlich steigen, die Preisbindung gilt schließlich nur bis Ende 2028.
Das hat schon vor dem Aufbrechen des Monopols auf der staatlichen Seite viele Kunden überzeugt.
Mehr als 3.700 Finanzinstitute und Organisationen nutzen VantageScore aktiv für Bonitätsprüfungen. Dazu gehören 9 der 10 größten Banken der USA, Kreditkartenherausgeber, Automobilfinanzierer sowie Telekommunikations- und Versorgungsunternehmen.
Das Wachstum von VantageScore scheint erheblich zu sein. Im Jahr 2024 konnte die Zahl der Abfragen um 55 % gesteigert werden und im ersten Halbjahr 2025 um weitere 74 %.
TransUnion könnte einer der Profiteure sein
VantageScore gehört zu je einem Drittel den Auskunfteien Equifax, Experian und TransUnion. Daher stellt sich die Frage, warum die Aktienkurse der drei Auskunfteien nicht steigen.
Wie immer ist die Antwort darauf vielschichtig. Aber die drei Hauptgründe dürften das negative Sentiment für die Branche sein, Angst vor einem Preiswettkampf und vor weiteren Eingriffen von staatlicher Seite.
FHFA-Chef Bill Pulte hat im Zuge dieser Entscheidung die gesamte Kreditberichterstattungsbranche scharf kritisiert und den Auskunfteien vorgeworfen, zu hohe Gebühren zu kassieren.
Er stellte bereits weitere Maßnahmen in Aussicht, wie den Wechsel von einem „Tri-Merge“-Modell zu einem „Bi-Merge“-Modell. Für einen Score wären dann nur noch Daten von zwei statt allen drei Auskunfteien notwendig. Dadurch könnte der Wettbewerb deutlich härter werden.
TransUnion verdient sein Geld aber nicht nur mit Kredit-Scores. Das Unternehmen verfügt über umfangreiche Datenbestände und verkauft darauf aufbauende Lösungen rund um Kreditrisiken, Betrugsbekämpfung, Identitätsprüfung, Marketing und Versicherungen.
Viel mehr als Kredit-Scores
Der Kreditbereich ist zwar weiterhin das wichtigste Geschäftsfeld, aber TransUnion hat sich längst zu einem wesentlich breiter aufgestellten Daten- und Analyseunternehmen entwickelt.
Daher ist der VantageScore-Effekt zunächst schwer einzuschätzen. Ein größerer Marktanteil bei Kredit-Scores ist zwar positiv, 0,99 Dollar pro Abfrage sind jedoch kaum geeignet, kurzfristig einen gewaltigen Gewinnsprung auszulösen.
Für TransUnion ist die entscheidende Frage deshalb nicht, ob VantageScore künftig FICO Marktanteile abnimmt. Das erscheint durch die politische Öffnung des Marktes wahrscheinlich zu sein.
Entscheidend ist vielmehr, ob daraus langfristig ein profitables Duopol entsteht oder ein ruinöser Preiskampf. Persönlich halte ich ein profitables Duopol für wesentlich wahrscheinlicher. Spontan würde mir kein Duopol einfallen, das sich gegenseitig über den Preis zerstört hat.
Die aktuelle Situation spricht zumindest dafür, dass der Markt gerade neu verteilt wird. VantageScore gewinnt Zugang, FICO verliert seine Sonderstellung und TransUnion kann über seine Beteiligung an VantageScore davon profitieren.
Die politischen Risiken dürften, abgesehen von drastischen Maßnahmen, eingepreist sein.
Ausblick und Bewertung
TransUnion hat die Prognose erst vor wenigen Tagen abermals bestätigt. Daher ist es nach wie vor wahrscheinlich, dass die Konsensschätzungen erfüllt werden und TransUnion im laufenden wie auch den kommenden beiden Jahren zweistellige Gewinnsteigerungen erzielen wird.
Derzeit wird erwartet, dass das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 13 % auf 4,84 USD je Aktie steigen wird.
TransUnion kommt demnach auf eine forward P/E von 13,3.
Sollte der Gewinn im kommenden Jahr wie erwartet um 14 % auf 5,54 USD je Aktie steigen, würde die P/E dadurch auf 11,6 sinken. Im langjährigen Durchschnitt lag die P/E bei 25 und am absoluten Tief der letzten fünf Jahre bei knapp unter 13.

Aus technischer Sicht steht die Aktie jedoch weiterhin auf wackeligen Beinen. Wird die Unterstützungszone bei 64 – 66 USD nachhaltig unterschritten, könnte das weitere Kursverluste in Richtung 57 oder 53 USD nach sich ziehen.
Gelingt hingegen eine Rückkehr über 66 USD, würde sich die Lage wieder etwas entspannen.
Über 71 USD käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 79 und 82 USD.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.09.2026 um 15:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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