Kaum ein Unternehmen profitiert so stark vom globalen Aufrüstungsboom wie TKMS. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und der Gewinn könnte erheblich steigen.
Ein verborgenes Juwel?
Thyssenkrupp AG hat 49 Prozent seiner Marine- und Rüstungssparte abgespalten und die Anteile an die eigenen Bestandsaktionäre ausgeschüttet. In welch einer erfreulichen Welt könnten die Aktionäre von Thyssen leben, wenn dasselbe mit der Aufzugssparte geschehen wäre.
TKMS ist das zweite Kronjuwel im Konzern und langfristig womöglich mehr wert, als alle anderen verbliebenen Unternehmensteile.
Das Unternehmen ist der weltweit führende Hersteller konventioneller Unterseeboote, sprich nicht-nuklearer Diesel-Elektro- und luftunabhängiger Antriebssysteme. Etwa 60 Prozent aller U-Boote der NATO wurden in Kiel gebaut, dem einzigen deutschen U-Boot-Werftstandort. Daneben baut TKMS Fregatten und Korvetten und betreibt mit Atlas Electronik eine Sparte für Sonarsysteme, Kampfmanagementsoftware, Torpedos und Marine-Elektronik, die mehr als vierzig Seestreitkräfte weltweit beliefert.
Etwa die Hälfte des Umsatzes entfällt auf U-Boote und jeweils ein Viertel auf Überwasserschiffe und Atlas Electronics.
Die geopolitische Lage und die damit verbundene Aufrüstung haben zu einem enormen Anstieg der Nachfrage geführt.
Weltmarktführer unter Wasser
In den letzten vier Geschäftsjahren konnte der Umsatz von 1,70 auf 2,17 Mrd. Euro gesteigert werden. Das EBIT hat sich in dieser Zeit von 25 auf 106 Millionen Euro mehr als vervierfacht.
Der Gewinn ist von 0,17 auf 1,65 Euro je Aktie gestiegen.
Die positive Entwicklung dürfte sich auf unabsehbare Zeit fortsetzen, denn TKMS ist mehr als nur ausgelastet.
Zuletzt lag der Auftragsbestand bei 18,7 Mrd. Euro, also mehr als dem Achtfachen des Jahresumsatzes.
Rechnet man bekannte, aber noch nicht offiziell gebuchte Aufträge – etwa von der deutschen und der norwegischen Marine – hinzu, dürfte der sogenannte weiche Auftragsbestand näher an 28 Milliarden Euro liegen. Und über allem schwebt noch ein möglicher kanadischer Auftrag über bis zu 13 Milliarden Euro für zwölf neue U-Boote, bei dem TKMS neben Hanwha Ocean aus Korea als Finalist gilt.
Dass die Aktie kein klassisches Schnäppchen ist, dürfte daher niemanden wundern. Auf den ersten Blick scheint TKMS mit einem KGV von 52 teuer zu sein, vielleicht zu teuer.
Der eigentliche Hebel
Auf der anderen Seite ist die Vorhersehbarkeit der Entwicklung sehr hoch, schließlich bieten die einmalige Stellung in der Branche und der enorme Auftragsbestand eine große Sicherheit.
Der Kernpunkt ist jedoch, dass die Marge aktuell noch sehr niedrig ist. In der Vergangenheit konnte TKMS die gewünschten Preise nicht durchsetzen, denn der Investitionswille der meisten NATO-Staaten war gering.
Heute ist das Gegenteil der Fall.
Zuletzt lag die EBIT-Marge bei etwa 6 %. Den Konsensschätzungen zufolge soll sie aber bis 2028 auf etwa 8 % steigen.
Ohne jegliches Wachstum würde das bereits für einen Anstieg des Konzerngewinns um etwa ein Drittel ausreichen.
Doch das dürfte kaum das Ende der Fahnenstange sein. Der Wettbewerber NVL, halb so groß und kürzlich von Rheinmetall übernommen, erwirtschaftet heute bereits 10 % und peilt bis 2030 über 15 % an. Fincantieri wiederum hat in seinem U-Boot-Segment 20 Prozent EBITDA-Marge als Ziel ausgegeben.
Das ändert sich grundlegend
Bei TKMS wäre eine ähnliche Entwicklung möglich. Tatsächlich hat das Unternehmen in der Vergangenheit bereits eine EBIT-Marge von 11 – 14 % erreicht.
Als TKMS an die Börse ging, war das Unternehmen also nicht künstlich „aufgehübscht“ – ganz im Gegenteil. Die Margen waren zu diesem Zeitpunkt im historischen Vergleich eher niedrig.
Dazu trägt ein weiterer Effekt bei: Ältere, schlechter bezahlte Aufträge aus dem Bestand werden sukzessive abgearbeitet und durch neue, margenstarke Kontrakte ersetzt. Das aktuelle Marktumfeld begünstigt das: Werften sind ausgelastet, Kapazität ist knapp, die Nachfrage steigt. Wer Schiffe bauen will, muss zahlen, was verlangt wird.
Der strukturelle Rückenwind ist dabei keine Vermutung, sondern politisch beschlossen. Im vergangenen Juni einigten sich die NATO-Mitglieder auf ein neues Rüstungsziel von 5 Prozent des BIP bis 2035 – mehr als doppelt so hoch wie die bisherige Zwei-Prozent-Marke.
Die europäischen Verteidigungsbudgets sind bereits stark gestiegen und werden in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter klettern.
Ausblick und Bewertung
Nach mehr als dreißig Jahren Abbaupolitik nach dem Kalten Krieg hat die Friedensdividende ihr Ende gefunden, und Länder von Deutschland bis Indien stocken ihre Flotten auf.
Die Flottenstärke der europäischen Marine hat sich seit 1990 halbiert, dieser Trend scheint sich jetzt umzukehren.
Neben den zu erwartenden Margensteigerungen arbeitet TKMS auch aktiv am Ausbau der Kapazitäten, insbesondere am Standort Wismar. Dort sollen zusätzliche Fertigungsmöglichkeiten entstehen, vor allem für U-Boote und größere Marineschiffe.
Gleichzeitig setzt TKMS zunehmend auf internationale Zusammenarbeit. Aktuell wird zum Beispiel eine Kooperation mit dem spanischen Schiffbauer Navantia geprüft.
In Summe dürften all diese Maßnahmen dazu beitragen, dass TKMS den Gewinn im laufenden und den kommenden Jahren jeweils um 20 % und mehr steigern könnte.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr (9/2026) um 26 % auf 2,08 Euro je Aktie steigen. TKMS kommt somit auf ein KGVe von 41,8.
Sollte das Ergebnis im bald beginnenden Geschäftsjahr wie erwartet um 24 % auf 2,56 Euro je Aktie klettern, würde das KGV dadurch auf 34,0 sinken. Plötzlich erscheint die Bewertung in einem anderen Licht.
Eine andere Sichtweise unterstreicht diese These. Für eine Marktkapitalisierung von 5,4 Milliarden Euro bekommt man den Weltmarktführer für konventionelle U-Boote mit einem Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro. Obendrein ist TKMS mit einer Netto-Cash-Position von 1,0 Mrd. Euro faktisch schuldenfrei.

Gelingt jetzt ein Ausbruch über 90 Euro, könnte das einen Anstieg bis zum korrektiven Abwärtstrend auslösen. Darüber wären Kursziele zwischen 97,50 und 102,50 Euro denkbar.
Kann das bisherige Allzeithoch überwunden werden, ergeben sich extrapolierte Kursziele bei 110 bis 112,50 Euro.
Fällt die Aktie jedoch unter 82,50 Euro, wäre ein erneuter Rücksetzer bis 72,50 Euro denkbar.
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