Kratos ist noch vergleichsweise klein, sitzt aber genau dort, wo sich die US-Verteidigungsstrategie gerade grundlegend verändert.
Kleine Firma, große Strategie
Kratos ist kein klassischer Rüstungskonzern. Das Unternehmen versucht vielmehr, sich an den technologischen Schnittstellen der nächsten Generation des US-Militärs zu positionieren – insbesondere Drohnen und andere autonome Waffensysteme, Hyperschallraketen, Raumfahrt, elektronische Kriegsführung und Luftverteidigung.
Damit trifft das Unternehmen gleich mehrere Trends, die die amerikanische Verteidigungsstrategie verändern. Die USA wollen ihre militärische Überlegenheit nicht mehr ausschließlich mit wenigen extrem teuren Plattformen sichern. Stattdessen gewinnen Systeme an Bedeutung, die schnell entwickelt, vergleichsweise günstig produziert und in großer Zahl eingesetzt werden können.
Genau hier liegt eine der zentralen Stärken von Kratos. Das Unternehmen verfolgt ausdrücklich eine Strategie der „Affordability“: Nicht das maximal komplexe und teuerste System soll gebaut werden, sondern eine ausreichend leistungsfähige Technologie, die sich skalieren lässt – also in sehr großen Stückzahlen hergestellt werden kann.
Warum sich diese Strategie gerade jetzt verändert, lässt sich durch den Krieg in der Ukraine und die jüngsten Konflikten im Nahen Osten erklären. Der Ukraine-Krieg hat gezeigt, wie schnell sich Drohnen, elektronische Kriegsführung und vergleichsweise günstige Präzisionswaffen auf dem Schlachtfeld entwickeln und wie wichtig große Stückzahlen sein können.
Warum das Pentagon seine Kriegsführung verändert
Gleichzeitig haben die Konflikte im Nahen Osten gezeigt, wie teuer es sein kann, Drohnen und Raketen mit hochentwickelten Abwehrsystemen zu bekämpfen. Eine mehrere Millionen Dollar teure Abfangrakete gegen eine vergleichsweise günstige Drohne einzusetzen, ist auf Dauer kaum wirtschaftlich.
Für das US-Militär bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Neben einigen hochentwickelten und extrem teuren Waffensystemen braucht es zunehmend große Mengen günstiger, autonomer und schnell ersetzbarer Systeme. Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich Kratos.
Das bekannteste Beispiel ist die XQ-58A Valkyrie. Das unbemannte Kampfflugzeug ist als sogenanntes „attritable“ System konzipiert. Dahinter steckt ein grundlegender Wandel in der militärischen Logik. Ein bemanntes Kampfflugzeug muss um fast jeden Preis geschützt werden, weil der Verlust einer Maschine 100 Millionen Dollar kostet und dabei auch ein Pilot ums Leben kommen kann.
Bei einer vergleichsweise günstigen autonomen Plattform sieht die Rechnung anders aus. Sie kann riskantere Missionen übernehmen, als Begleiter bemannter Jets eingesetzt werden oder gemeinsam mit anderen Drohnen als Schwarm operieren.
Die Valkyrie zeigt, wohin die Reise gehen könnte
Genau deshalb ist die Valkyrie mehr als nur ein einzelnes Drohnenprojekt. Sie steht für das Konzept der Collaborative Combat Aircraft, bei dem autonome Systeme gemeinsam mit bemannten Kampfflugzeugen eingesetzt werden. Für Kratos könnte daraus ein bedeutender Serienmarkt entstehen.
Entscheidend ist dabei nicht nur, ob die Valkyrie selbst zum Standardmodell wird. Viel wichtiger ist, ob sich das zugrunde liegende Konzept durchsetzt und Kratos seine Erfahrung mit autonomen, kostengünstigen Fluggeräten in weitere Programme übertragen kann.
Noch größer könnte der langfristige Hebel beim Hyperschall liegen. Kratos entwickelt nicht nur Flugkörper, sondern ist auch bei Testsystemen, Trägern und der dafür notwendigen Infrastruktur aktiv. Das ist aus Investorensicht besonders interessant: Wenn die USA ihre Kapazitäten für Entwicklung und Erprobung hypersonischer Systeme wie erwartet ausbauen, könnte Kratos an dem Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur beteiligt sein.
Ein Beispiel dafür ist MACH-TB 2.0, ein umfangreiches Hyperschall-Testprogramm. Solche Aufträge zeigen, dass Kratos nicht ausschließlich auf die Entwicklung eines einzelnen Produkts setzt. Das Unternehmen versucht vielmehr, sich als technologischer Partner innerhalb eines wachsenden Ökosystems zu etablieren. Genau diese Position kann langfristig wertvoller werden als ein einzelner Produkt-Hit.
Kratos will mehr sein
Trotz der spektakulären Drohnen- und Hyperschallstory sollte man allerdings nicht vergessen, dass Kratos ein breit aufgestelltes Unternehmen ist.
Das Government-Solutions-Geschäft bildet weiterhin den Kern des Geschäfts. Dort geht es unter anderem um Raketenantriebe, Satelliten- und Raumfahrtsysteme, Radar- und Mikrowellentechnik, C5ISR, Luftverteidigung, elektronische Systeme sowie Training und Simulation.
Ein großer Teil des Geschäfts hängt direkt oder indirekt an amerikanischen Verteidigungsbudgets. Das macht Kratos politisch abhängig, gleichzeitig liegen die wichtigsten Wachstumsmärkte des Unternehmens genau in den Bereichen, denen Washington derzeit strategische Priorität einräumt.
Für Anleger ist deshalb vor allem die Frage entscheidend wie viel von diesem zukünftigen Wachstum bereits im Aktienkurs enthalten ist?
Darüber lässt sich vortrefflich streiten, doch eine ganze Reihe von Großinvestoren hat diese Frage bereits für sich beantwortet.
Kapitalerhöhung zu 84 USD mehrfach überzeichnet
Im Februar 2026 hat Kratos eine außergewöhnlich große Kapitalerhöhung durchgeführt, die dennoch erheblich überzeichnet war.
Kratos platzierte 14,29 Millionen neue Aktien zu 84 US-Dollar und nahm damit zunächst rund 1,2 Mrd. USD ein. Zusätzlich erhielten die Konsortialbanken eine Mehrzuteilungsoption über weitere 2,14 Mio. Aktien.
Der Lead-Manager Baird berichtet, dass das Orderbuch bereits vor dem öffentlichen Vermarktungsstart mehrfach überzeichnet war. Demnach sei die Kapitalerhöhung in den vorherigen Sondierungsgesprächen auf enormes Interesse gestoßen.
Besonders interessant: Baird spricht von einer hohen Nachfrage von „high-quality anchor investors“, mit einer starken Mischung aus Long-only-Investoren und fundamental orientierten Anlegern (Quelle).
Das spricht gegen die Vorstellung, dass hier ausschließlich kurzfristige Momentum-Fonds auf die Drohnenstory aufspringen.
Das Management begründet den Kapitalbedarf mit einer außergewöhnlichen Phase für die US-Verteidigungsindustrie. Kratos will seine Produktionskapazitäten hochfahren, bestehende und neu gewonnene Programme bedienen, neue Technologien entwickeln und gleichzeitig weitere Akquisitionen finanzieren. Im Prospekt werden ausdrücklich die Übernahme von Nomad Global Communication Solutions, die geplante Übernahme von Orbit Technologies sowie weitere strategische M&A-Möglichkeiten genannt.
Damit will man das Wachstum richtig anheizen
Das Management geht davon aus, dass der Konzern wesentlich schneller wachsen kann, wenn dieses Kapital zur Verfügung steht.
Kratos hat die einzelnen Käufer der Kapitalerhöhung nicht veröffentlicht, das ist aber auch nicht entscheidend.
Entscheidend ist, dass eine ganze Reihe von Großinvestoren bereit waren, bei einem Kurs von 84 USD mehr als eine Milliarde Dollar in Kratos zu investieren und dass der Kurs heute bei 47,65 USD liegt.

Entweder lagen die Großinvestoren grandios daneben, oder die aktuelle Situation könnte eine Gelegenheit sein.
Wie immer wird das langfristig nahezu ausschließlich von den Geschäftszahlen abhängen. Schauen wir sie uns also gemeinsam an.
In den letzten drei Geschäftsjahren konnte der Umsatz von 1,04 auf 1,35 Mrd. USD gesteigert werden. Gleichzeitig verbesserte sich das Ergebnis von 0,42 auf 0,55 USD je Aktie.
Beschleunigt sich die Dynamik gerade?
Im laufenden Geschäftsjahr hat sich die Dynamik weiter beschleunigt, was den zwischenzeitlichen Höhenflug der Aktie erklärt.
Im ersten Quartal lag der Gewinn mit 0,16 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 0,13 USD. Mit einem Umsatz von 371,0 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 345,0 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 22,6 % und einem Gewinnsprung um 33,3 %.
In Q2 lag der Gewinn mit 0,21 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 0,14 USD. Mit einem Umsatz von 458,8 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 410,0 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 19,1 % und nahezu einer Verdopplung des Gewinns.
Kratos wächst demnach nicht nur mit einem erheblichen Tempo, das Unternehmen ist bereits profitabel und steigern den Gewinn überproportional. Das sind gute Vorzeichen für die Zukunft.
Gleichzeitig spricht der stark steigende Auftragsbestand dafür, dass sich das Wachstum fortsetzen könnte. In den letzten 12 Monaten lag die Book to Bill Ratio bei 1,3.
Ausblick und Bewertung
Daraufhin hat das Unternehmen die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr von 1,70 – 1,76 auf 1,75 – 1,80 Mrd. USD erhöht und gleichzeitig die Capex von 155 – 165 auf 125 – 135 Mio. USD gesenkt.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 51 % auf 0,83 USD je Aktie steigen.
Kratos kommt demnach auf eine forward P/E von 56,6.
Damit ist das Unternehmen definitiv kein klassisches Schnäppchen. Das war bei der zugrundeliegenden Investment-Story, dem Auftragsbestand in Höhe von 1,99 Mrd. USD und den hohen Wachstumsraten auch nicht zu erwarten.
Es handelt sich um eine typische Wachstumsstory. Ein mögliches Investment zielt darauf ab, dass Kratos in den kommenden Jahren stark steigende Gewinne verzeichnen könnte, was auch den Konsensschätzungen entspricht.
Im kommenden Geschäftsjahr soll das Ergebnis um 33 % auf 1,10 USD je Aktie klettern.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.09.2026 um 15:13 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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