Lange unterschätzt, plötzlich gefragt. Jenoptik hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Ist das erst der Anfang einer langfristigen Wachstumsstory?
Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich in einem Artikel die Frage gestellt, ob es sich bei der Aktie um ein verborgenes Juwel handelt („Jenoptik: Verborgenes Juwel oder ewige Enttäuschung? Jenoptik hat ein Rekordergebnis eingefahren, die Aktie notiert jedoch auf Mehrjahrestief. Steht eine Neubewertung bevor oder ist die Skepsis der Anleger gerechtfertigt?“).
Über die Formulierung kann man sicherlich streiten. Wer den Artikel jedoch als Anlass für einen Einstieg genutzt hat, wurde belohnt.
Der Kurs von Jenoptik hat sich seitdem nahezu verdoppelt. Daher stellt sich jetzt die Frage, ob die Rallye weitergehen wird oder langsam am Ende der Fahnenstange angekommen ist.
Hightech mit Zukunft
Jenoptik hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von optischen und photonischen Technologien spezialisiert und bietet eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen an.
Das Unternehmen ist in drei Hauptgeschäftsfeldern tätig: Advanced Photonic Solutions, Smart Mobility sowie Non-Photonic. Diese Bereiche umfassen Produkte und Lösungen für verschiedene Anwendungen, darunter optische Systeme, Imaging-Lösungen, Kameras, Laser und Lasertechnik, LiDAR-Sensoren und Komponenten, Prüf- und Messgeräte, Optoelektronik, Verkehrsüberwachungssysteme, Medizintechnik und vieles mehr.
Die Produkte und Lösungen von Jenoptik kommen in einer Vielzahl von Branchen zur Anwendung, darunter beispielsweise die Automobilindustrie, Elektronik und Informationstechnik, Life Science und Medizin, Industrie, Maschinenbau und Halbleiter.
Zwischen Zweifel und Durchbruch
Das sind spannende Geschäftsfelder, doch die Aktie dümpelt seit Jahren vor sich hin – und das nicht ganz grundlos.
Der Umsatz konnte zwar sukzessive gesteigert werden, der Gewinn jedoch nicht.
Jenoptik hat zwar durchweg schwarze Zahlen geschrieben, hatte aber immer wieder Probleme mit der Profitabilität. Im einen Jahr konnte der Gewinn deutlich gesteigert werden, im nächsten war er wieder rückläufig.
Unter dem Strich ist das Ergebnis von 2017 bis 2023 nicht nachhaltig gestiegen und dementsprechend auch der Kurs nicht gestiegen.
Es wäre jedoch möglich, dass der Knoten jetzt endlich geplatzt ist. Fakt ist jedenfalls, dass Jenoptik 2024 ein Rekordergebnis eingefahren hat und endlich die bisherige Bestmarke von 2018 übertroffen hat.
Warum der Gewinn jetzt überproportional steigen könnte
Im Geschäftsjahr 2025 kam es wieder zu einem leichten Knick, doch 2026 winken die nächsten Bestmarken.
Jedenfalls stellt der Konzern ein „profitables Wachstum“ in Aussicht.
Der Umsatz soll im einstelligen Prozentbereich zulegen. Gleichzeitig soll die EBITDA-Marge von 18,4 auf 19 – 21 % steigen.
Da die Investitionen unter dem Vorjahr liegen sollen und die Nettoverschuldung seit dem bisherigen Rekordjahr 2024 von 423,1 auf 317,4 Mio. Euro stark gesunken ist, dürfte der Anstieg des EBITDA überproportional auf den Gewinn durchschlagen.
Den derzeitigen Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis im Geschäftsjahr 2026 um 34 % auf 1,68 Euro je Aktie steigen und somit einen neuen Bestwert erreichen.
An diesem Punkt stellt sich nur noch die Frage, welche Bewertung das alles rechtfertigt. Billigt man dem Unternehmen ein KGV von 18,5 oder mehr zu, dann ergibt sich ein entsprechendes Kurspotenzial.
Langjährig pendelt das KGV um einen Wert von 21,2. Sollten die Prognosen richtig sein, müsste der Kurs bis Ende des Jahres auf 36,04 Euro steigen, um wieder dieses Niveau zu erreichen.
Der Wendepunkt?
Die eigentliche Frage ist aber die folgende: Sollte der Knoten tatsächlich geplatzt sein und der Gewinn im kommenden Jahr um weitere 20 % auf über 2 Euro je Aktie steigen, welche Bewertung lässt sich dann rechtfertigen?
Wenn Jenoptik tatsächlich vor einer längeren und anhaltenden Wachstumsphase steht, wäre eine Neubewertung denkbar. In diesem Szenario ergeben sich bei einem KGV von 25, was nicht ungewöhnlich hoch ist, plötzlich Kursziele von 50 Euro und mehr.
Die Bullen haben aber noch einen weiteren Pfeil im Köcher: Der gemeldete Gewinn liegt bei Jenoptik substanziell unter dem freien Cashflow. Das bedeutet, dass die zugrundeliegende Profitabilität höher ist, als es den Anschein hat.
Im letzten Jahr lag der freie Cashflow beispielsweise bei 152,4 Millionen Euro und erreichte damit das höchste Niveau der Unternehmensgeschichte – ganz im Gegensatz zum Gewinn, der auf 74,2 Mio. Euro rückläufig war und weit unter dem freien Cashflow lag (Mehrjahresübersicht der Kennzahlen).
Inklusive der Nettoverschuldung liegt der EV/FCF bei 13,4 (EV: Enterprise Value). Auf dieser Basis ist die Aktie also noch wesentlich niedriger bewertet.
An diesem Punkt könnte man wieder dieselbe Frage stellen: Welche Bewertung, also welcher Multiplikator, ist gerechtfertigt? Je nachdem, zu welchem Ergebnis man kommt, lassen sich dadurch noch höhere Kursziele ableiten als auf Basis des KGV.

Wird der Ausbruch über 30 Euro bestätigt, kommt es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 32,50 – 33,00 Euro. Darüber wäre ein bis zum Widerstandsband bei 36,00 – 37,50 Euro denkbar.
Fällt die Aktie hingegen unter 30 Euro zurück, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan. In diesem Szenario wären Kursverluste bis 28 oder 24 -25 Euro denkbar.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.04.2026 um 15:44 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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