Am Freitag waren in den USA mal wieder die Halbleiter-Aktien auf der Kaufliste. Der deutsche Chiphersteller Infineon zog mit, aber am US-Markt ebenso wie hier sind diese Aktien mit einem starken Tag noch nicht aus der Gefahrenzone zu bekommen … die Situation bleibt kritisch.
Ein solides Plus zum Wochenschluss, das klingt, als könnten sich Anleger, die bei Infineon auf der Long-Seite stehen, entspannt zurücklehnen. Aber tatsächlich ändert dieser eine Kursanstieg nichts daran, dass das bullische Lager mit dem Rücken zur Wand steht.
Die Wand, das ist der Supportbereich aus den Monatstiefs vom Juli (54,06 Euro) und August (53,97 Euro) sowie die mittlerweile dort angekommene, die Relevanz dieser Unterstützungszone verstärkende 200-Tage-Linie (53,39 Euro). Solange diese Zone nicht klar verteidigt wird, muss man sie als Klippe einordnen, über die die Bullen gedrängt werden könnten, wenn es nur zu ein, zwei schwachen Tagen kommen sollte.
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Erst wenn die Infineon-Aktie das Verlaufshoch aus dem August bei 65,45 Euro überwunden hätte, ließe sich konstatieren, dass die Bodenbildung vollendet wurde. Dann wäre diese Supportzone, um die es aktuell weiterhin geht, ein stabiler Boden. Bislang aber ist sie es nicht.

Expertenmeinung: Das ist natürlich auch den Tradern klar, die hier eine Short-Chance wittern. Und die wäre nicht nur aus charttechnischer Sicht eine interessante Sache, weil die Aktie dann schnell an die nächste, markante Unterstützung bei 48,23 Euro durchgereicht werden könnte. Das Bären-Lager hätte auch ein Argument, das niedrigere Kurse unterstützen könnte: die Bewertung.
Zwar sind die Analysten für Infineon derzeit – wie für fast alle Halbleiter-Aktien – auffallend bullisch. 19 von 24 Experten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt mit knapp 86 Euro nahe am bisherigen Rekordhoch aus dem Juni. Aber diese Analysten setzen einen jahrelangen und steilen Gewinnanstieg voraus. Der kommen könnte, aber keineswegs muss.
Halbleiter-Aktien sind „Fahrstuhl-Aktien“. Die so heißen, weil der Unternehmensgewinn in dieser Branche hochvolatil ist. Mal saust er rasant nach oben, mal fällt er in beeindruckendem Tempo in den Keller. Aktuell erwartet man seitens der Analysten, dass sich Infineons Gewinn pro Aktie nicht nur im laufenden Jahr mehr als verdoppelt, sondern im am 1.10. beginnenden Geschäftsjahr 2026/2027 noch einmal um 60, im darauffolgenden Jahr dann um 35 Prozent zulegt. Käme es so, wäre die Aktie auf dem derzeitigen Niveau noch recht günstig. Käme es anders, wäre sie auch jetzt noch, nach diesem Abstieg im Sommer, zu teuer.
Und dass man im Fieber der Super-Hausse der Halbleiter-Aktien womöglich zu weit vorgeprescht war, macht schon diese laufende Korrektur deutlich. Die Investitionen in KI und Rechenzentren haben Dimensionen erreicht, die jederzeit dazu führen können, dass Entscheider die Notbremse ziehen. Dann wäre es auch mit diesem ambitionierten Blick in die Zukunft – die man bekanntlich nie sicher vorhersehen kann – in Sachen der Gewinne bei Infineon vorbei. Und solange die Aktie unter Druck bleibt, bleiben die Zweifel, das ist den Bären natürlich klar, daher:
Das Plus des Freitags unterstreicht, dass sich die Käuferseite aus dieser kritischen Chartsituation befreien will. Das war aber noch bei Weitem nicht genug, um das auch zu schaffen. Behalten Sie diese durch die 200-Tage-Linie verstärkte „Klippe“ zwischen 53,39 und 54,06 Euro im Auge.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.09.2026 um 22:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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