Corpay wächst plötzlich schneller als erwartet. Sollte man jetzt noch auf den Zug aufspringen, oder ist es schon zu spät?
Die letzte Analyse zu Corpay hatte den Titel „Viel Wachstum für wenig Geld?“. Seitdem ist der Kurs von etwa 291 auf 341 USD gestiegen, doch die Überschrift wäre heute noch genauso passend wie damals. Denn die damaligen Prognosen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.
Darüber hinaus scheint es zu einer Beschleunigung der Wachstumsdynamik zu kommen, die damals noch nicht absehbar war.
Wird Corpay zum nächsten FinTech-Compounder?
Bereits in den vergangenen Quartalen hatte Corpay bewiesen, dass das Unternehmen auch in einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld zuverlässig liefern kann. Inzwischen zeichnet sich jedoch ein noch interessanteres Bild ab: Das Wachstum verlagert sich zunehmend in margenstärkere und strukturell attraktivere Geschäftsbereiche.
Vor allem das Segment Corporate Payments entwickelt sich dynamischer als erwartet. Hier bietet Corpay Lösungen für internationale Zahlungen, Rechnungsabwicklung, virtuelle Karten sowie die Automatisierung von Back-Office-Prozessen an. Gerade in schwierigen Zeiten konzentrieren sich viele Unternehmen auf Effizienzsteigerungen und Kostenkontrolle.
Das scheint das Geschäft von Corpay zu beleben.
Noch vor einigen Jahren war Corpay vor allem Anbieter von Tank- und Flottenkarten. Dieses Geschäft ist nach wie vor hochprofitabel, doch der Konzern entwickelt sich zunehmend zu einem breit aufgestellten B2B-FinTech.
Besonders interessant ist dabei, dass diese Dienstleistungen tief in die Prozesse der Kunden integriert werden. Hat Corpay einen Kunden einmal gewonnen, entstehen hohe Wechselkosten.
Das klassische Fuhrparkgeschäft bildet heute gewissermaßen das stabile Fundament, während Corporate Payments und internationale Zahlungsabwicklungen die wesentlichen Wachstumstreiber darstellen.
Burggraben: Hohe Wechselkosten und Skaleneffekte
Hinzu kommen die positiven Skaleneffekte. Durch die enorme Reichweite und das große Partnernetzwerk kann Corpay Konditionen anbieten, die kleinere Wettbewerber kaum replizieren können. Gleichzeitig steigt mit jedem zusätzlichen Kunden und jeder Akzeptanzstelle der Wert des Netzwerks – für alle Seiten.
Daher ergibt die aggressive Expansionsstrategie von Corpay aus meiner Sicht auch Sinn. Das Unternehmen hat sich unter dem langjährigen CEO Clarke zu einem regelrechten Spezialisten für Übernahmen entwickelt.
Clarke hat über Jahrzehnte bewiesen, dass Kapital diszipliniert und gewinnbringend eingesetzt wird. Akquisitionen erfolgen selektiv, margenschwache Bereiche werden abgestoßen oder optimiert und überschüssiges Kapital fließt regelmäßig in Aktienrückkäufe.
All das bildet die Grundlage für eine mögliche Neubewertung in der Zukunft. Viele Investoren verbinden Corpay weiterhin mit dem eher zyklischen Flottengeschäft, obwohl der Konzern inzwischen deutlich stärker von wiederkehrenden Software-, Zahlungs- und Plattformerlösen geprägt ist.
Chance auf eine Neubewertung
Ein Investment-Case dürfte aber auch gegeben sein, wenn keine Neubewertung stattfindet. Nachdem der Gewinn im letzten Geschäftsjahr um 12 % auf 21,38 USD je Aktie gestiegen ist und wie gewohnt ein neues Rekordniveau erreicht hat, dürfte sich der Trend auch in diesem Jahr fortsetzen.
Im ersten Quartal lag der Gewinn mit 5,80 USD je Aktie über den Erwartungen von 5,50 USD. Mit einem Umsatz von 1,26 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 1,20 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 25 % und einem Gewinnsprung um 44 %. Das Ergebnis je Aktie konnte sogar um 49 % gesteigert werden.
Daraufhin hat das Management die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr von 5,22 – 5,32 auf 5,25 – 5,33 Mrd. USD und die Gewinnerwartungen von 25,50 – 26,50 auf 26,30 – 27,10 USD je Aktie erhöht.
Sollte die Prognose erfüllt werden, entspräche das im Mittel einem Gewinnsprung um 25 %.
Corpay kommt demnach auf eine forward P/E von 12,7. Der Kurs ist seit der letzten Analyse zwar von etwa 291 auf 341 USD gestiegen, die Bewertung ist heute jedoch niedriger als damals.

Die Aktie ist übergeordnet bullisch und könnte jetzt in Richtung 350 – 356 USD steigen. Darüber kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 384 USD und dem Allzeithoch nahe 400 USD.
Für antizyklische Investoren wäre hingegen der Bereich zwischen 270 und 300 USD interessant.
Aus Sicht der Bullen sollte der Kurs jedoch nicht unter 270 USD sinken.
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