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Eine Kooperation mit Nvidia und Milliardenaufträge von mehreren Hyperscalern. Ohne die Glasfasertechnik von Corning geht es dabei kaum noch.
Die größte Infrastrukturwelle unserer Zeit
Der KI-Boom hat zunächst vor allem Nvidia und andere Chipkonzerne beflügelt. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass auch klassische Industrieunternehmen zu den großen Gewinnern gehören könnten.
Der KI-Boom verändert inzwischen ganze Industriezweige. Zunächst konzentrierte sich die Börse fast ausschließlich auf Nvidia. Später rückten vor allem die möglichen Verlierer im Software-Sektor in den Fokus.
Dabei wurde übersehen, welches Potenzial dafür im Hardware-Bereich geschlummert hat. Bis vor wenigen Monaten wurde das an der Börse nicht verstanden. Damals lag der Kurs von Micron noch unter 70 USD und heute deutlich höher. Seagate kletterte in dieser Zeit von unter 70 USD deutlich nach oben – und das sind nur einige Beispiele.
Inzwischen zeichnet sich ab, dass auch weite Teile der klassischen Industrie umgekrempelt werden.
Corning ist einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialglas, Glasfasertechnik und photonischen Lösungen.
Moderne KI-Rechenzentren verschlingen nicht nur immer leistungsfähigere Chips, sondern vor allem enorme Mengen an Glasfasertechnik. Tausende parallel arbeitende Grafikprozessoren müssen Daten nahezu verzögerungsfrei austauschen. Genau hier entsteht aktuell einer der größten Engpässe der KI-Industrie.
NVIDIA-Chef Jensen Huang sprach bereits von der „größten Infrastrukturwelle unserer Zeit“.
Warum Corning plötzlich im Zentrum des KI-Booms steht
Warum Corning plötzlich im Zentrum des KI-Booms steht
Corning und Nvidia haben daher eine langfristige technologische und kommerzielle Kooperation vereinbart, um die Produktion optischer Verbindungslösungen in den USA massiv auszubauen.
Die Fertigung für optische Konnektivität in den USA soll verzehnfacht werden, zusätzlich plant der Konzern eine Ausweitung der heimischen Glasfaserproduktion um mehr als 50 %. Dafür entstehen neue Produktionsstandorte in North Carolina und Texas. Mehr als 3.000 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.
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Für Corning kommt diese Entwicklung strategisch zum richtigen Zeitpunkt. Mit der Unternehmensstrategie „Springboard“ verfolgt das Management seit Jahren das Ziel, sich aus margenschwachen Standardgeschäften herauszuarbeiten und stattdessen hochspezialisierte Lösungen mit technologischem Vorsprung anzubieten. Besonders im Bereich Optical Communications zahlt sich dieser Ansatz inzwischen sichtbar aus.
Die nächste Wachstumsphase hat begonnen
Diese Strategie scheint aufzugehen. Nachdem Corning im Geschäftsjahr 2024 einen Gewinnsprung um 15 % auf 1,96 USD je Aktie hingelegt hat, folgte 2025 ein neues Rekordjahr mit einem Gewinn von 2,52 USD je Aktie.
Im laufenden Geschäftsjahr dürfte sich die gute Entwicklung fortsetzen, nicht zuletzt auch dank der Kooperation mit Nvidia. Der eigentliche Hebel ist aber, dass die Kapazitäten deutlich ausgebaut werden, gleichzeitig Skaleneffekte durchschlagen und sich dank der starken Nachfrage gute Preise erzielen lassen.
Im ersten Quartal konnte der Umsatz um 18 % auf 4,35 Mrd. USD gesteigert werden. Gleichzeitig verbesserte sich die Profitabilität, wodurch der Gewinn um 30 % auf 0,70 USD je Aktie zugelegt hat.
Corning gab bekannt, dass im letzten Quartal langfristige Verträge mit zwei weiteren Hyperscalern geschlossen wurden. Nach Unternehmensangaben bewegen sich Umfang und Laufzeit der Vereinbarungen auf einem ähnlichen Niveau wie der kürzlich geschlossene mehrjährige Vertrag mit Meta mit einem Volumen von bis zu 6 Mrd. USD.
Für das zweite Quartal stellt Corning einen Umsatzsprung um 14 % auf 4,6 Mrd. USD und einen Anstieg des Gewinns um 25 % auf 0,73 – 0,77 USD je Aktie in Aussicht.
Trader lieben Momentum – Investoren warten auf Rücksetzer
Das passt zu den derzeitigen Konsensschätzungen, die für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinnsprung um 26 % auf 3,18 USD je Aktie vorsehen. Das einzige Problem an Corning ist die hohe Bewertung, denn aktuell liegt die forward P/E bei 57.
Das ist mindestens grenzwertig, ohne jeden Zweifel.
Daher eignet sich die Aktie wohl vor allem für Trader, die auf eine Trendfolge setzen möchten. Die Fundamentaldaten und der positive Newsflow dürften jedoch ausreichend Rückenwind liefern, um die Börse über die hohe Bewertung hinwegzutrösten.
Für langfristige Investoren wäre die Aktie vor allem nach einem größeren Rücksetzer interessant. Mit Blick auf die hohe Volatilität könnte ein schrittweiser Einstieg ratsam sein.
Sollten die anvisierten Ziele des Unternehmens erreicht werden, dürfte der Weg des geringsten Widerstands in den nächsten Jahren eher die Oberseite sein.
Corning strebt bis Ende des Jahres einen Umsatz (run rate) von 20 Mrd. USD an. Bis 2030 sollen 40 Mrd. USD erreicht werden.
Das entspräche in etwa einem annualisierten Umsatzwachstum von etwa 19 %. Sollte die Profitabilität gleichzeitig zulegen, wären überproportionale Gewinnsteigerungen denkbar.
Derzeit wird erwartet, dass die Wachstumsdynamik in den kommenden Jahren zunehmen wird. Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis 2027 um 28 % und 2028 sogar um 31 % steigen.

Mögliche Anlaufstellen auf der Unterseite wären die Unterstützungszone bei 155 – 160 USD oder der Aufwärtstrend nahe 145 USD.
Die nächste relevante Unterstützung darunter läge bei 125 – 130 USD.
Kommt es jedoch zu einem prozyklischen Ausbruch über 190 USD, könnte eine Fortsetzung der Rallye in Richtung Allzeithoch möglich sein. Darüber ergeben sich extrapolierte Kursziele bei 220 und 235 USD.
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