Was wäre, wenn der meistbesuchte Auto-Marktplatz der USA gerade mit einer forward P/E von unter 15 bewertet wäre, obwohl ein Gewinnsprung und ein Rekordergebnis erwartet werden?
Strategische Fehler – und warum sie heute kaum noch zählen
Nach einer ganzen Reihe von strategischen Fehlgriffen könnte sich das Blatt bei Cargurus wenden. Womöglich hat es das längst, ohne dass es sich in den Kursen widerspiegeln würde.
Während der Kapitalmarkt das Unternehmen aufgrund des inzwischen beendeten und kostspieligen Ausflugs in den Großhandel über die Plattform CarOffer weiterhin abstraft, deutet die fundamentale Entwicklung auf eine deutliche operative Trendwende hin.
Gleichzeitig hat das Management die moderate Bewertung genutzt, um aggressiv Aktienrückkäufe durchzuführen. Dadurch wurde die Zahl der ausstehenden Aktien seit Ende 2022 von 118 auf 100 Millionen Stück reduziert.
CarGurus ist eine Online-Plattform zum Kaufen und Verkaufen von Autos. Sie vergleicht Fahrzeugpreise anhand von Marktdaten und zeigt an, ob ein Angebot fair, gut oder überteuert ist. Nutzer können sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagen von Händlern und Privatpersonen finden. Ziel von CarGurus ist es, Transparenz zu schaffen und Käufern bei der Entscheidungsfindung zu helfen.
Skalierbares Plattformgeschäft mit starken Netzwerkeffekten
Es handelt sich also um ein gut skalierbares Plattform-Geschäftsmodell, das potenziell hochprofitabel ist. Das gilt jedenfalls für den oder die größten Anbieter. Glücklicherweise ist CarGurus in den USA der Anbieter mit den höchsten Nutzerzahlen und ist daher für Autohändler ein quasi unverzichtbarer Kanal zur Lead-Generierung.
Darüber hinaus sind die Kosten pro Verkauf über CarGurus signifikant niedriger als bei den Konkurrenten wie AutoTrader oder Cars.com.
Da CarGurus bereits heute der größte Marktplatz und obendrein günstiger ist, könnten die positiven Netzwerkeffekte dazu führen, dass das Unternehmen seine Marktanteile in Zukunft weiter ausbauen kann.
Das Zahlenwerk spricht dafür, dass Cars.com als Verlierer aus diesem Wettstreit hervorgehen könnte. Derzeit ist Cars.com noch die zweitgrößte Plattform, doch das Unternehmen wächst seit Jahren nicht mehr, hat die niedrigsten Margen und obendrein relativ hohe Schulden.
Diese Schwäche spielt CarGurus und Auto Trader in die Karten und könnte perspektivisch dazu führen, dass die beiden Plattformen sich einen Großteil vom Kuchen sichern.
Schwäche der Konkurrenz öffnet neue Chancen
Daher könnten beide Aktien für Investoren interessant sein. Durch den zyklischen Downturn in den USA ist der Kurs von Auto Trader unter die Räder gekommen, obwohl der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr um 12 % auf 0,35 GBP steigen soll.
Autotrader käme demnach auf eine forward P/E (3/2026) von 16,3.
Sollte das Ergebnis im kommenden Geschäftsjahr, das im April beginnt, wie erwartet um 10 % auf 0,39 GBP je Aktie steigen, würde die P/E auf 14,7 sinken.
Im langjährigen Durchschnitt lag die P/E bei 26.
Noch interessanter ist die Lage bei CarGurus. Durch den kostspieligen Ausflug ins Großhandelsgeschäft, der den Gewinn zeitweise sinken ließ, hat das Unternehmen das Vertrauen vieler Anleger verspielt.
Dabei werden jedoch die operativen Fortschritte ignoriert, die seitdem erzielt wurden. In den letzten beiden Geschäftsjahren wurden jeweils Gewinnsprünge von mehr als 20 % erzielt.
Im Geschäftsjahr 2025 dürfte das Ergebnis das dritte Mal in Folge in diesem Umfang zulegen und um 30 % auf 2,22 USD je Aktie steigen. CarGurus kommt demnach auf eine forward P/E von 17,4.
Sollte das Ergebnis im Geschäftsjahr 2026 wie erwartet um 17 % auf 2,60 USD je Aktie steigen, würde die P/E auf 14,8 sinken.
Für ein gut skalierbares, dominantes und potenziell hochprofitables Plattform-Geschäftsmodell scheint die Bewertung moderat.

CarGurus könnte gerade den langfristigen Abwärtstrend überwunden haben und in eine neue Rallyephase übergehen.
Gelingt jetzt ein Ausbruch über das Widerstandsband bei 39 – 40 USD, könnte es zu einem technischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 43 und 46,66 USD kommen. Grundsätzlich wäre auch ein erneuter Test des Allzeithochs denkbar.
Für antizyklische Anleger könnte sich der Bereich zwischen 33 und 30 USD anbieten.
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