Amazon will über 200 Milliarden Dollar in KI investieren und dennoch sind die Rechenkapazitäten auf Jahre hinaus knapp, und der größte Nachfrageschub könnte erst noch bevorstehen.
Der nächste Paukenschlag
Erst vor wenigen Tagen hat der AWS-Chef mit einigen Aussagen für Aufsehen gesorgt:
Amazon: Diese Aussagen des AWS-Finanzchefs muss man gehört haben
Demzufolge liegt die Amortisationszeit für KI-Server bei weniger als drei Jahren. Das würde bedeuten, dass die Investitionen in diesem Bereich profitabel sind.
Das ist bisher wohl einer der deutlichsten Hinweise darauf, dass sich Amazons milliardenschwere Investitionen nicht nur strategisch auszahlen, sondern auch wirtschaftlich rechnen.
In einem ausführlichen Gespräch gewährte der Amazon-Chef Jassy jetzt weitere Einblicke in die KI-Strategie des Konzerns. Dabei wurde deutlich, warum Amazon trotz des enormen Kapitalbedarfs weiter investiert, wie lange die Nachfrage anhalten könnte und weshalb der größte Wachstumsschub möglicherweise noch bevorsteht.
AWS ist auf Jahre hinaus ausgebucht
220 Milliarden US-Dollar will Amazon 2026 investieren. Ein erheblicher Teil davon wird in Rechenzentren, Server und Netzwerktechnik fließen. Die Summe ist gewaltig und wirft eine berechtigte Frage auf: Rechnet sich dieser Kapitaleinsatz überhaupt?
Amazon-Chef Andy Jassy liefert darauf eine bemerkenswerte Antwort. Im Gespräch mit Andreessen Horowitz erklärte er, dass die verfügbaren Kapazitäten von Amazon Web Services (AWS) für 2026 bereits vollständig ausgebucht sind. Für 2027 ist das Angebot an großen Infrastruktur-Blöcken nahezu restlos vergeben und selbst für 2028 ist bereits ein erheblicher Teil reserviert.
Faktisch übersteigt die Nachfrage das Angebot, obwohl massiv investiert wird und die Rechenkapazität in einem Umfang ausgebaut wird, der vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre.
Der Ausbau ist historisch mit dem Bau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert vergleichbar.
Dass die Rechenkapazitäten für 2026 und 2027 weitgehend ausgebucht und für 2028 bereits zu einem erheblichen Teil reserviert sind, spricht gegen die Vorstellung, dass Überkapazitäten aufgebaut werden.
Die größte Welle könnte erst noch kommen
Laut Jassy stellen KI-Labore wie Anthropic und OpenAI, die enorme Rechenleistung benötigen, nur eine erste Nachfragewelle dar. Die zweite bilden Unternehmen, die KI bereits nutzen, um Kosten zu senken, Geschäftsprozesse zu automatisieren oder Betrug zu erkennen.
Das größte Potenzial sieht Jassy jedoch an einer anderen Stelle: In den kommenden fünf bis sieben Jahren dürfte eine tiefe Integration von KI in alltägliche Unternehmensanwendungen und den Alltag der Menschen erfolgen.
Wenn immer mehr KI-Modelle bei jeder Anfrage, jeder Analyse und jedem automatisierten Arbeitsschritt genutzt werden, könnte der Bedarf an Rechenleistung erheblich steigen – und genau die stellt AWS zur Verfügung.
Eigene Chips sollen die Margen verbessern
Doch Rechenleistung allein reicht nicht. KI muss auch wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden können. Genau deshalb investiert Amazon in eigene Halbleiter.
Inzwischen erzielt Amazon in der eigenen Chip-Sparte Milliardenumsätze, unter anderem mit Graviton-Prozessoren für Cloud-Server und Trainium-Beschleuniger für KI-Anwendungen.
Nach Angaben von Jassy bieten Amazons eigene Chips beim Preis-Leistungs-Verhältnis einen Vorteil von 30 bis 40 Prozent gegenüber vergleichbaren Alternativen.
Und je günstiger sich KI-Modelle ausführen lassen, desto mehr Anwendungen werden wirtschaftlich attraktiv. Zugleich kann Amazon seine Abhängigkeit von externen Chipanbietern reduzieren und einen größeren Teil der Wertschöpfung selbst kontrollieren.
Auch die Partnerschaften mit Anthropic und OpenAI passen in diese Strategie. Über Amazon Bedrock können AWS-Kunden unterschiedliche KI-Modelle nutzen, ohne ihre gesamte Infrastruktur auf einen einzigen Anbieter auszurichten. Amazon positioniert sich damit nicht nur als Vermieter von Rechenleistung, sondern als zentrale Plattform für den Unternehmenseinsatz von KI.
Warum der hohe Kapitalbedarf nicht automatisch zum Problem wird
Die Kehrseite der Expansion ist der enorme Kapitalbedarf. Amazon muss Grundstücke erwerben, Gebäude errichten, Stromanschlüsse organisieren und Server beschaffen.
Allerdings sind Investitionssumme und wirtschaftliches Risiko nicht gleichzusetzen. Laut Jassy amortisieren sich Server und Netzwerktechnik im Durchschnitt in weniger als drei Jahren, während sie fünf bis sechs Jahre genutzt werden. Viele KI-Verträge laufen zudem mindestens fünf Jahre. Nach Erreichen des Break-even kann die Hardware somit noch mehrere Jahre Erträge erwirtschaften.
Rechenzentren selbst haben eine wesentlich längere Nutzungsdauer. Gebäude, Grundstücke und Stromanschlüsse können über Jahrzehnte verwendet werden, während die Server darin mehrfach ausgetauscht werden.
Das ist ein wesentlicher Grund für die hohen Anlaufkosten.
Für die Kritiker und KI-Bären ergibt sich daraus eine entscheidende Frage: Was wäre die Alternative für Amazon? Weniger oder gar nicht zu investieren, obwohl die Nachfrage kaum zu bedienen ist und sich KI-Server laut Jassy im Schnitt in weniger als drei Jahren amortisieren?
Wer in diesem Markt nicht investiert, riskiert aus meiner Sicht, den wohl größten Wachstumsmarkt der kommenden Jahre kampflos der Konkurrenz zu überlassen.

Gelingt jetzt ein Anstieg über 265 USD, könnte Amazon wieder in Richtung Allzeithoch klettern. Darüber könnten sich extrapolierte Kursziele bei 300 bis 310 USD ergeben.
Fällt die Aktie hingegen unter 248 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 235 oder 225 USD gerechnet werden.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.10.2026 um 11:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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