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Der DAX hatte gerade zum Sprung über das im Januar erreichte, bisherige Verlaufshoch angesetzt, als der Iran-Krieg den Index scharf nach unten drehen ließ. Jetzt ist er erneut am Rekordhoch dran. Aber wäre ein nachhaltiger Ausbruch in diesem Umfeld überhaupt denkbar?
Wenn Experten konstatieren, dass eine einigermaßen tragfähige Grundsatzvereinbarung zwischen den USA und dem Iran als Grundlage dann folgender, vermutlich langwieriger Verhandlungen nur bewirken würde, dass man beim Status quo ante landen würde, sprich man da wäre, wo man vor dem US-Angriff schon war … nur mit beschädigten Produktions- und Transportanlagen für Öl … kann man dem schwer widersprechen. Aber wenn das so sein sollte, warum sollte der DAX dann über das Januar-Hoch hinauskommen und dann auch darüber bleiben? Immerhin hieße das, man wäre wieder in einem Umfeld, in dem im Januar genug Anleger der Ansicht waren, dass der Index jetzt so heiß gelaufen und hoch bewertet ist, dass man da langsam mal Kasse machen sollte.
Man bräuchte also für einen nachhaltigen Anstieg über das bisherige Verlaufshoch bei 25.508 Punkten Argumente, die man im Januar noch nicht hatte. Und angesichts der vorstehenden Überlegungen fällt es schwer zu erwarten, dass alleine ein Übergang von einer instabilen Waffenruhe zu einer vorläufigen Einigung im Iran-Krieg ein solches Argument sein könnte … aber:
Expertenmeinung: Das heißt nicht, dass das unmöglich wäre … vorausgesetzt, es verändert sich etwas bei der Stimmung der Verbraucher und der Anleger. Und dass das auch mit „vorläufigen“ Lösungen funktionieren kann, haben wir in den vergangenen Jahren ja dreimal erlebt: in der Corona-Phase, nach dem Angriff auf die Ukraine und nach Trumps „Zoll-Hammer“.
Sehr schnell schalteten die Anleger 2020, 2022 und 2025 auf Hoffnung um und kauften die vorherigen, massiven Kursverluste wieder auf. 2022 führte das zwar nicht weit, weil dann die Inflation nebst schnell steigenden Leitzinsen als Bremse fungierten, was auf die Kombination aus höheren Energiepreisen und den als Spätfolge der Corona-Lockdowns reißenden Lieferketten zurückzuführen war. Aber sollte der Ölpreis in den kommenden Wochen weiter nachgeben, könnten wir diesmal um einen größeren Inflationsschub herumkommen. Allerdings sollte man diese Beispiele nicht als vermeintlichen Beleg dafür sehen, dass der DAX jetzt auf jeden Fall nach oben davonziehen muss. Denn wenn wir an das Jahr 2020 zurückdenken, sehen wir:

Damals wurde zwar ein dramatischer Abriss des Index schnell großenteils wieder ausgeglichen. Aber das „Prä-Corona-Hoch“ von Anfang 2020 wurde trotzdem erst zum Jahresende überwunden, befeuert durch die Kombination aus US-Wahl und den ersten, fertigen Impfstoffen. Vorher, das sehen wir im Wochenchart, war der DAX nahe an das vorherige Hoch herangelaufen, kam da aber nicht weiter. Und im Herbst hatten die Bullen schon aufgegeben, der Index nach unten gedreht, bevor dann obengenannte Faktoren doch noch den Ausbruch nach oben motivierten.
Der DAX könnte also dieses bisherige Hoch als Widerstand herausnehmen. Und er könnte sich auch darüber behaupten. Aber dazu muss neue Zuversicht in Bezug auf das Wachstum her. Die bisherigen Zugpferde des DAX, die mit KI und Rüstung direkt oder indirekt in Verbindung stehen, wirken teilweise aber bereits überstrapaziert. Jetzt müssten daher die Aktien der vielen Bereiche Dynamik aufbauen und an die Stelle der bisherigen Frontrunner treten, die bislang wegen der schlechten Verbraucherstimmung, der kritischen geopolitischen Lage und des weiterhin zu schwachen chinesischen Absatzmarktes unter Druck standen. Die Autobauer, die Versicherer, die Konsumgüterhersteller und andere müssten „wiederentdeckt“ werden. Dazu müssen die Fakten nicht zwingend bereits wieder rosig daherkommen, es würde reichen, wenn genug Akteure aktiv auf die Hoffnung setzen, dass es so kommen wird.
Ob es so kommt, wird sich weisen müssen. Zumal man nüchtern betrachtet einkalkulieren sollte, dass aus dem Weißen Haus jederzeit etwas Neues kommen könnte, das den Bullen den Teppich unter den Füßen wegzieht. Aber ein stabiler Ausbruch über die bisherigen Hochs ist zumindest denkbar genug, um sich überlegen zu können, einem Anstieg über diese Bestmarke von 25.508 Zählern, wenn er hinreichend deutlich und auf Schlusskursbasis daherkommt, trendkonform – und mit konsequent engen Stoppkursen zur Absicherung gegen eine Bullenfalle – zu folgen.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 26.05.2026 um 18:33 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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