Am 3. November wird sich zeigen, ob die US-Demokraten tatsächlich eine oder beide Kammern des US-Kongresses zurückerobern können. Ob es so kommt oder nicht: Das Wahlergebnis kann die wirtschaftlichen Perspektiven beeinflussen. Da wäre es hilfreich zu wissen, wie es mit der Börse weitergeht, wenn die Stimmen ausgezählt sind. Und mit Blick auf 2018 könnte der Eindruck entstehen, dass die damalige Zwischenwahl in Donald Trumps erster Amtszeit eine Vorlage bieten könnte. Ist das so?
Dass sich die Geschichte nie absolut präzise wiederholt, weil selbst bei sehr ähnlich wirkenden Szenarien immer einige entscheidende Details anders sind und das schon reichen kann, um etwas, das schon mal da war, als Blaupause für ein kommendes Szenario unbrauchbar zu machen, ist eigentlich bekannt. Trotzdem versuchen es immer wieder einige mit einem Vergleich mit der Vergangenheit, nicht zuletzt deswegen, weil es fraglos äußerst hilfreich wäre, wenn man heute schon wüsste, was übermorgen sein wird.
Die parlamentarische Ausgangslage ähnelt der im Jahr 2018
Auf den ersten Blick scheint jetzt in der Tat eine sehr ähnliche Ausgangssituation zu herrschen. Die Republikaner stellen die Regierung, damals wie aktuell mit Donald Trump als Präsident. Und sie haben in den beiden Kammern des US-Kongresses nur knappe Mehrheiten. Damals wie heute wird das komplette Repräsentantenhaus mit seinen 435 Sitzen neu gewählt, zugleich steht ein Drittel der Senatssitze zur Wahl an, diesmal sind es sogar 35, weil zwei Sonderwahlen nötig sind. Die Umfragen deuten, ähnlich wie 2018, auf eine deutliche Verbesserung für die Demokraten hin, sodass aus aktueller Sicht das Erreichen der Mehrheit im Repräsentantenhaus relativ wahrscheinlich, im Senat immerhin möglich wäre. Wie ging es 2018 aus?
Man hatte aufgrund der klar für die Demokraten sprechenden Umfragen mit einer „blauen Welle“ gerechnet (blau ist die Farbe der Demokraten, rot die der Republikaner), die sich im Repräsentantenhaus mit deutlichen Zugewinnen zeigte, im Senat aber ausblieb. Zwar erreichten sie im Repräsentantenhaus eine Mehrheit (235 der 435 Sitze), aber im Senat gingen sogar zwei Sitze verloren, sodass die Demokraten dort mit 45 eigenen Sitzen und zwei mit ihnen stimmenden unabhängigen Senatoren nach zuvor insgesamt 49 Sitzen in der Opposition blieben.
Ob es wieder so laufen wird, ist völlig offen. Viele Rennen, auch bei den zu vergebenden Senatssitzen, sind komplett offen. Und die Umfragen haben gemeinhin Fehlermargen von zwei bis drei Prozentpunkten in beide Richtungen. Wollte man die Reaktionen des Aktienmarkts damals als Vorlage für heute nehmen, müsste es aber nicht nur genauso ausgehen wie 2018. Es müssten auch dieselben Rahmenbedingungen vorherrschen. Und der Umstand, dass damals wie heute Donald Trump Präsident war bzw. ist, reicht da nicht aus.

Die Themen 2018 waren für die Wähler andere als heute
Dass die Wähler auch damals von den ersten zwei Jahren unter Trumps Ägide nicht begeistert waren, ist zwar mit dem heutigen Stimmungsbild vergleichbar, nicht aber die Gründe dafür. Normalerweise sind es zwei Themen, die die US-Wähler umtreiben: Ihr Einkommen sowie die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes und, als zweites, die Inflation, gerne festgemacht an den Benzinpreisen. Für Außenpolitik interessieren sich viele kaum. Wobei das diesmal nur indirekt anders ist, weil der Krieg mit dem Iran unmittelbare Konsequenzen für die Inflation durch erheblich gestiegene Kraftstoffkosten hat.

2018 war die Inflation nicht ungewöhnlich hoch, die Zinsen am Anleihemarkt ebenso wie für Kredite waren niedriger, der Ölpreis ebenso (siehe die vorstehenden Charts). Es gab das Thema der Zölle nicht in der heutigen Form, den Iran-Krieg nicht. Man hatte zwar diesen Handelskrieg mit China, den man in Washington einfach nicht zu Ende brachte. Aber grundsätzlich war die Lage weit weniger problematisch für die Bürger, was man auch am damals deutlich höheren US-Verbrauchervertrauen ablesen kann, das im folgenden Chart zu sehen ist.

Da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den Trend der Kurse, vor allem des Aktienmarkts, nachhaltiger beeinflussen können als ein Wahlergebnis … sofern dieses nicht alles auf den Kopf stellt, was aber, da die Regierung dieselbe bleiben wird, nicht zu vermuten wäre … reicht der Umstand, dass Zinsen, Teuerung und Verbraucherstimmung heute anders aussehen als vor acht Jahren, um sich vor dem Gedanken, dass sich die Aktienmärkte diesmal genauso verhalten werden wie 2018, zu hüten, zumal:
Die erste Reaktion der Börsen muss nicht wegweisend sein
Während man damals hoffte, dass das ewige Hin und Her im Handelskrieg mit China bald zu einem für die US-Wirtschaft vorteilhaften Ende gebracht würde, weil Donald Trump genau das, das Versprechen eines baldigen „großen Deals“, immer wieder wiederholte, haben wir heute das Thema KI, das die Aktienmärkte dominiert. Damals große Hoffnungen, aktuell große Spekulation und, damit einhergehend, größere Risiken. Diese Ausgangslage ist nicht vergleichbar, warum also sollte es die damalige Reaktion von Dow Jones, Nasdaq 100 und DAX, die wir in den folgenden Charts sehen, trotzdem sein?

Wobei man auch eines im Hinterkopf haben muss: Wie die Marktteilnehmer ein Wahlergebnis auslegen, ob man das für sich selbst, die Wirtschaft und den Aktienmarkt positiv sieht oder nicht, ist immer eine subjektive Angelegenheit. Hinzu kommt, dass zwar viele US-Anleger auch US-Bürger sind, aber längst nicht jeder US-Bürger am Aktienmarkt investiert ist. Was bedeutet, dass die Tendenz hin zu den Demokraten womöglich viele Wähler im Falle von deren Wahlsieg erfreuen könnte, das muss dann aber nicht für die Anleger gelten. Beispielsweise dann, wenn viele jetzt demokratisch wählen würden, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nicht das Kapital haben, um am Aktienmarkt aktiv zu sein, während dort vermögendere Menschen dominieren, die mit Trumps Kurs eher zufrieden sein könnten.

Auffällig ist beim Blick zurück auch, dass die erste Reaktion nicht die endgültige Richtung vorgab. Wir sehen beim Dow Jones ebenso wie beim Nasdaq 100, dass es am Tag direkt nach der Wahl, die damals am 6. November stattfand (der Termin ist immer der erste Dienstag nach dem ersten Montag im November), zwar zu einem Satz nach oben kam, dieser aber eine Eintagsfliege blieb. Unmittelbar danach ging es mit den beiden Indizes in zwei Schüben abwärts, bis es um Weihnachten herum zur Aufwärtswende kam. Die indes weniger mit der Regierung als vielmehr mit den Erwartungen an die US-Notenbank zusammenhing, die zu diesem Zeitpunkt eine mögliche Verlangsamung ihrer Leitzinserhöhungen signalisierte.

Vorsicht geboten wäre auch in Bezug auf den damals ähnlichen Verlauf von Dow Jones und Nasdaq 100. Das Thema KI bleibt ein wichtiger Einflussfaktor und beeinflusst den Nasdaq 100 stärker als den Dow. Wobei man zwar mutmaßen könnte, dass ein Sieg der Demokraten dann den Nasdaq 100 stärker belasten würde, weil die Demokraten KI stärker überwachen und ggf. regulieren wollen. Aber was bringt einem diese Überlegung, wenn man nicht weiß, wie diese Midterm Elections 2026 wirklich ausgehen?
Fazit: Ein Vergleich zu 2018 ist interessant … aber keine taugliche Blaupause
Auf den ersten Blick könnte man zwar glauben, dass 2018 einem im Fall eines vergleichbaren Wahlausgangs eine Stütze für die eigene Positionierung bieten würde, weil die politische Ausgangslage ähnlich wirkt. Aber die Rahmenbedingungen sind eben doch in so vielen Aspekten anders gelagert, dass man sich besser auf das, was nach dieser Wahl wirklich passiert, als Orientierung stützen sollte, sprich eher die tatsächliche Kursentwicklung beobachten sollte, als sich allein auf historische Vergleiche zu verlassen. Eines aber ließe sich wohl vermuten, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen: Die Reaktionen der Märkte könnten nach dieser Wahl deutlich ausfallen!
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!
Ihr
Ronald Gehrt
Quellenangaben:
Daten zur Wahl 2018, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: https://uswahl.lpb-bw.de/us-midterm18
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 31.10.2026 um 21:23 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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