An den Börsen erlebt man es immer wieder: Wenn die Kurse zu schnell und zu weit steigen und eine sogenannte „Fahnenstange“ entsteht, steht man oft am Vorabend eines Kurseinbruchs, weil die Bullen den Bogen überspannt haben. Aber ist das bei Brent Crude Oil auch so?
Der jetzt wichtigste Liefertermin im Brent Crude Oil Future ist der Januar. Und unser Chart zeigt: In dieser Laufzeit wurden die Hochs aus der Anfangsphase des Iran-Kriegs bereits deutlich überboten. Zugleich notiert Brent Crude Oil markttechnisch im überkauften Bereich und ist an eine Hausse-Begrenzungslinie herangelaufen. Das wirkt in der Tat, als würden wir hier eine „Fahnenstange“ sehen, wie das bei Hypes in Einzelaktien und ab und an auch bei Edelmetallen oder Indizes vorkommt. Und richtig ist in der Tat:

Wenn eine Fahnenstange entsteht, weil die Spekulation zu heiß gelaufen ist, ist ein Kurseinbruch oft nicht weit. Doch hier, beim Ölpreis, fehlen einer Fahnenstange wichtige Voraussetzungen. Denn mit einem Abverkauf als Folge einer Überhitzung des Kurses wäre vor allem dann zu rechnen, wenn die Akteure ihre Positionen in großer Menge und nahezu gleichzeitig auf den Markt werfen könnten, weil sie nichts daran hindert, das zu tun. Hier, bei Brent Crude Oil, ist die Ausgangslage aber eine andere.
Expertenmeinung: Bei solchen zu heiß gelaufenen Spekulationen geht es nie um die Notwendigkeit, das, was da vom Kurs her gerade durch die Decke geht, unbedingt haben zu müssen. Was aber bei Rohöl der Fall ist. Ob Privathaushalte oder Unternehmen weltweit: Sie können sich nicht sagen „Da mache ich nicht mit“, wenn die Kurse zwar schmerzhaft weit nach oben laufen, aber die Heizung, das Auto, die Maschinen zwingend weiterlaufen müssen. Dieser Teil der Nachfrage kann also nicht einfach wegbrechen. Es sei denn, sehr viele hätten sich bereits über die Futures weit mehr als das gesichert, was sie brauchen, und könnten daher tatsächlich als Verkäufer auftreten. Aber derzeit hat es nicht den Anschein, als sei das der Fall.
Darüber hinaus zeichnet sich eine exzessive Endphase, die man als „Fahnenstange“ ansehen könnte, dadurch aus, dass sie aus sich selbst heraus immer extremer wird. Starke Kursbewegungen ziehen immer mehr Anleger an, die auch ein Stück von diesem so leicht verdienten Kuchen abhaben wollen, externe Faktoren verlieren da dann massiv an Bedeutung. Hier, bei Brent Crude, nicht.
Es ist die Entwicklung der Angebotssituation, die die Kurse treibt. Und es geht derzeit so deutlich nach oben, weil viele noch im Frühjahr und Sommer darauf gesetzt hatten, dass sich der Preis relativ bald wieder normalisieren dürfte, weil eine Ausdehnung dieses Konflikts im Nahen Osten für keine Seite einen Sinn ergeben würde. Jetzt aber erkennt man: Die USA unternehmen derzeit offenbar gar nichts und der Iran erschwert den Ölexport aus der Region. Es ist wenig Öl da … und viele haben sich das, was sie benötigen, noch nicht gesichert. Das treibt den Preis, nicht die reine Spekulation. Was hieße:
Im Gegensatz zu einer Fahnenstange bei heiß gelaufenen Aktien bedarf es hier einer Veränderung der Rahmenbedingungen als Voraussetzung für einen Kursrutsch. Das Angebot muss wieder steigen und idealerweise der Nachfrageüberhang bis dahin einigermaßen abgebaut sein. Erst dann könnte der Kaufdruck nachlassen und erste Spekulanten aktiv auf der Short-Seite agieren. Wann das passiert und wie weit der Kurs bis dahin noch steigt, ist nicht absehbar. Wir sehen hier keine Fahnenstange im eigentlichen Sinn, weil es sich bei diesem Kursanstieg nicht um reine Spekulation, sondern um das Reagieren auf externe Faktoren handelt. Daher:
Darauf zu wetten, dass Brent Crude Oil aufgrund der Dimension des jüngsten Kursanstiegs und der überkauften markttechnischen Indikatoren kurz vor einem Kurseinbruch steht, wäre keine gute Idee!
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.10.2026 um 21:38 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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