Der Brent Crude Oil Future mit Liefertermin Dezember hat am Freitag neue Jahreshochs erreicht. Dabei ließe sich der Auslöser für den kräftigen Anstieg nicht wirklich als kursrelevant einordnen, aber es scheint, dass jetzt Emotionen den Kurs dominieren. Was bedeutet das?
Der sogenannte „Endloskontrakt“ der Nordsee-Ölsorte Brent, der die Futures-Preise quasi „glättet“, ist zwar noch nicht über die Hochs des Frühjahrs gelaufen, auch die US-Ölsorte WTI hat im Dezember-Termin noch keinen neuen Rekord markiert. Aber nichtsdestotrotz war das ein kräftiger Kursanstieg in allen Ölsorten, als am Freitag gemeldet wurde, dass die bereits vorher einige Tage im Raum stehende Gesetzesvorlage, mit der US-Parlamentarier dem US-Präsidenten Öl- bzw. Diesel-Importe aus Russland verbieten wollen, wirklich eingereicht wurde. Aber warum hat das den Ölpreis derart befeuert, dass bei Brent Crude am Freitag ein Plus von 3,8 Prozent zum Vortag zustande kam?
Die Frage ist berechtigt, weil – davon abgesehen, dass offen ist, ob die Vorlage durchkommt und ob sich Trump darum scheren würde – im Vorfeld deswegen kein Abwärts-Ruck durch die Kurse der Ölsorten ging, weil man erkannte, dass die Mengen, die Trump da importieren will, die Angebot-/Nachfrage-Situation nicht entscheidend verändern. Warum also sollte es den Preis deutlich nach oben ziehen, wenn es nicht dazu kommt? Wäre der Kurs im Vorfeld gefallen, wäre eine Rückkehr auf den Status quo ante nachvollziehbar, aber neue Hochs, ein Anstieg über das Zwischenhoch vom September ohne vorherige Abwärts-Reaktion – warum?
Expertenmeinung: Rational ist das nicht unterfüttert. Aber mit Ratio scheint das Kursgeschehen bei Brent Crude Oil auch nicht mehr viel zu tun zu haben. Es dominieren die Emotionen. Zum einen die Gier bullisch ausgerichteter Spekulanten. Zum anderen, vermutlich deutlich maßgeblicher, die Angst derer, die fürchten, im Winter nicht genug Öl für die Produktion ihres Unternehmens zur Verfügung zu haben. Wenn man fürchtet, dass es so knapp werden könnte, dass die Bänder stillstehen und/oder man, wenn man es bekäme, für das nötige Öl noch viel mehr bezahlen müsste als jetzt, spielt der Preis gegenüber der Sicherung des Bedarfs schnell eine untergeordnete Rolle. Die Frage ist, was man daraus in Bezug auf die kommenden Wochen ableiten könnte.
Je nervöser die Marktteilnehmer agieren, desto unberechenbarer wird der Kurs, das gilt für jedes Asset, auch für den Ölpreis. Das bedeutet, dass wir hier zwar eigentlich eine ungerechtfertigt starke Reaktion gesehen haben, das Aufwärtspotenzial aber in dem Fall, in dem Beschaffungspanik ausbricht, trotzdem noch deutlich weiter steigen könnte. Wichtig zu betonen ist dabei aber vor allem das Wort „könnte“.
Denn in dem Moment, in dem es eine Beruhigung der Lage geben würde, könnte der Kurs auch schlagartig und weit einbrechen. Und auch da würde gelten: Die Reaktion kann in einem emotionsgetriebenen Markt auch nach unten deutlich stärker ausfallen, als sie es auf Basis der Ratio müsste. Aber von welchem Kurs ein solcher Selloff dann starten würde, ob überhaupt und wenn ja, wann er käme, das kann niemand vorhersagen. Sobald Emotionen im Spiel sind und vor allem, wenn wie momentan Gier (der Bullen) und Angst (derer, die das Öl wirklich benötigen) in ein und dieselbe Richtung wirken, ist nichts so einzugrenzen, dass man sich hier als normaler Anleger mit überschaubarem Risiko bewegen könnte, zumal:
Auch ein unverhoffter, kräftiger Abverkauf würde Brent Crude Oil noch nicht zwingend zu einem interessanten Ziel für die Short-Seite machen. Erst wenn die aktuell relevanten Aufwärtstrendlinien und alle wichtigen gleitenden Durchschnitte außer der weit zurückhängenden 200-Tage-Linie unterboten sind, wäre hier ein taugliches Short-Signal gegeben. Dazu müsste Brent Crude unter dem Zwischentief des Septembers bei 93,68 US-Dollar schließen. Alles, was sich darüber abspielt, wäre, egal ob auf der Long- oder auf der Short-Seite, ausschließlich etwas für sehr erfahrene Trader, die ebenso konsequent wie nervenstark agieren.

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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.10.2026 um 15:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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