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Die EZB hat den Leitzins unlängst angehoben, die US-Notenbank jedoch nicht. Eigentlich hätte das den Euro stärken können, aber die Ende Januar etablierte Abwärtstendenz der Relation Euro/US-Dollar blieb erhalten. Was könnte hinter dieser Euro-Schwäche stecken?
Man könnte es sich in Bezug auf eine Erklärung dieser relativen Stärke des US-Dollars zum Euro leicht machen und konstatieren: Die geopolitische Lage ist angespannt. Und das wird derzeit eher schlimmer als besser. In Krisenzeiten wird der US-Dollar traditionell als ein „sicherer Hafen“ angesehen, also legt er momentan zu. Punkt. Doch so simpel dürfte es nicht sein.
Denn immerhin sind die USA hinsichtlich der geopolitischen Probleme derzeit weniger der ruhende Pol, sondern eher das unberechenbare Element. Das ist nichts, das internationale Investoren dazu anhalten würde, den US-Dollar als Investmentwährung zu präferieren. Auch das Wachstum der US-Wirtschaft war im Vergleich zum langjährigen Mittel zuletzt unterdurchschnittlich: Kein Punkt für den Greenback.
Wenn dieser zum Euro trotzdem tendenziell weiter an Boden gutmacht, was dazu führt, dass der in den Charts abgebildete Preis, den man für einen Euro in US-Dollar zu bezahlen hat, sinkt, dürfte momentan eher ein anderer Faktor eine Rolle spielen: Die Erwartungen hinsichtlich der Rendite-Differenz zwischen europäischen und US-amerikanischen Anleihen als Folge unterschiedlicher Entwicklungen der Leitzinsen. Denn dass die US-Leitzinsen in den kommenden Monaten stärker anziehen als die im Euroraum, ist zumindest möglich.
Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.
Expertenmeinung: Zum einen wäre das denkbar, weil man entgegen vorheriger Vermutungen feststellt, dass auch der neue US-Notenbankchef Warsh keineswegs Anstalten macht, die Geldpolitik der „Fed“ den Wünschen von Mr. Trump anzupassen. Zum anderen sind die Aktivitäten eben dieses US-Präsidenten oft erheblich inflationstreibend. Seien es seine Importzölle, seine Versuche, den Konsum der Begüterten durch Steuererleichterungen anzufeuern, und, ganz aktuell, die Aussage, man werde als Gebühr für militärische Dienstleistungen in der Straße von Hormus 20 Prozent des Warenwerts aller Güter, die die Meerenge passieren, eintreiben.
Gerade erst gestern stellte US-Notenbankmitglied Waller fest, dass es womöglich bereits in naher Zukunft zu Zinserhöhungen kommen müsse, weil vor allem die Kerninflation zu hoch liege. In dieser Hinsicht … und damit auch in Bezug auf die weitere, kurzfristige Tendenz der Euro/US-Dollar-Relation sollte man sich die heute um 14:30 Uhr unserer Zeit erwarteten US-Verbraucherpreise für den Juni genauer ansehen. Sollten da zu hohe Werte auftauchen, würde das die Erwartung steigender Leitzinsen unterfüttern und könnte den US-Dollar deutlicher unter die aktuell umkämpfte Supportzone 1,1392/1,1469 US-Dollar drücken.

Käme es so, wäre dadurch eine mehrmonatige Toppbildung vollendet, die, so scheint es zumindest im kurzfristigen Chartbild, Abwärtsspielraum bis in den Bereich 1,0654 US-Dollar auftun würde. Aber schaut man sich den langfristigen Chart auf Monatsbasis an, sieht man, dass im Bereich 1,1140/1,1276 US-Dollar eine in die Jahre 2023/2024 zurückreichende Unterstützungszone in Form der oberen Begrenzung der bis 2024 geltenden, mehrjährigen Seitwärtsrange des Währungspaars wartet. Bei knapp 1,10 US-Dollar würde dann die 200-Tage-Linie Unterstützung bieten, darunter folgt dann zwischen 1,0340 und 1,0636 US-Dollar eine äußerst massive Auffangzone. Fazit:

Die durch die US-Politik geschürten Inflationsprobleme könnten die Zinserwartungen für den Dollar-Raum weiter hochhalten und dem US-Dollar zum Euro Rückenwind verleihen. Aber dass der US-Dollar derzeit wenig Argumente für seinen sonst üblichen „Safe-Haven“-Status liefert und der Euro nach unten charttechnisch gut unterfüttert ist, dürfte den weiteren Abwärtsspielraum des Euro aus heutiger Sicht zumindest so weit eingrenzen, dass man sich Short-Trades auf die europäische Gemeinschaftswährung eher zweimal überlegen sollte.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.07.2026 um 22:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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