Base44 wächst in drei Monaten um 50 %. Disruptiert KI das Geschäftsmodell oder steht Wix dank KI vor der nächsten Wachstumsphase?
Warum KI plötzlich alles infrage stellt
Wix hat sich in den vergangenen Jahren von einem simplen Website-Baukasten zu einem umfassenden digitalen Ökosystem entwickelt. Die Plattform ermöglicht es sowohl Einsteigern als auch professionellen Anwendern, innerhalb weniger Stunden moderne Webseiten oder vollständige Onlineshops zu erstellen.
Wix reduziert die technische Komplexität der Webentwicklung drastisch und demokratisiert damit den Zugang zur digitalen Präsenz.
Doch in Zeiten von KI werden diese Fähigkeiten infrage gestellt. Wird Wix durch KI ersetzt?
Die cloudbasierte Lösung setzt vollständig auf Benutzerfreundlichkeit. Mit einem intuitiven Drag-and-Drop-Editor, zahlreichen Designvorlagen und integrierten Hosting-Lösungen können selbst Nutzer ohne Programmierkenntnisse professionelle Ergebnisse erzielen.
Gleichzeitig bietet Wix genügend Flexibilität, um auch anspruchsvollere Projekte umzusetzen. Während klassische Baukastensysteme früher oft als eingeschränkt galten, hat Wix die Plattform kontinuierlich erweitert und damit auch professionelle Anwender angesprochen.
Heute geht das Angebot weit über die reine Website-Erstellung hinaus. Wix integriert SEO-Optimierung, Logo-Erstellung, E-Mail-Marketing, Social-Media-Anbindungen und Google-Ads-Integration direkt in die Plattform.
Vom Baukasten zum digitalen Ökosystem
Hinzu kommen umfangreiche E-Commerce-Tools und Marketing-Automatisierungen. Damit deckt das Unternehmen praktisch die gesamte digitale Wertschöpfung kleiner und mittlerer Unternehmen ab — von der ersten Webseite bis zur Kundengewinnung.
Wix operiert als klassisches Software-as-a-Service-Unternehmen mit wiederkehrenden Abonnementerlösen. Kunden zahlen monatlich oder jährlich für Hosting, Premiumfunktionen und Zusatzservices. Das sorgt für hohe Planbarkeit und stabile Cashflows. Gleichzeitig steigt der Umsatz pro Kunde häufig über die Zeit.
Viele Nutzer starten mit einer günstigen Basis-Webseite und buchen später zusätzliche Marketing-, E-Commerce- oder Automatisierungslösungen hinzu. Dieser sogenannte Expansion-Effekt ist einer der wichtigsten Wachstumstreiber.
Hinzu kommen transaktionsbasierte Erlöse aus den integrierten Onlineshops. Wer über die Plattform Produkte verkauft, generiert Gebühren für Wix. Dadurch partizipiert das Unternehmen direkt am Erfolg seiner Kunden.
Bemerkenswert ist zudem die Veränderung der Kundenstruktur. Wix war lange primär ein Werkzeug für Selbstständige, Freelancer und kleine Unternehmen. Mittlerweile greifen jedoch zunehmend größere Firmen auf einzelne Produkte oder komplette Lösungen des Unternehmens zurück.
50 % Wachstum – in einem Quartal
All das spricht gegen die These, dass Wix durch KI ersetzt wird. Tatsächlich hat der Konzern mit Base44 sogar eine der bedeutendsten KI-Apps im eigenen Haus. Base44 ist eine KI-gestützte No-Code/Low-Code-Plattform, mit der Nutzer per Texteingabe komplette Webanwendungen erstellen lassen können.
Der Geschäftsbereich wächst mit enormem Tempo. Innerhalb der letzten drei Monate ist der annualisierte Umsatz von 100 auf 150 Mio. USD gestiegen.
An der Börse sorgten die jüngsten Quartalszahlen dennoch für Enttäuschung. Auf den ersten Blick wirkten die Ergebnisse schwach.
Wix war plötzlich unprofitabel und erzielte einen Verlust von 1,02 USD je Aktie. Das war zwar besser als erwartet, aber erfreulich ist es trotzdem nicht.
Der Umsatz konnte auf Jahressicht um 14 % auf 541,2 Mio. USD gesteigert werden, verfehlte jedoch die Erwartungen in Höhe von 544 Mio. USD.
Das ist ein geradezu perfekter Cocktail, um bei einem angeschlagenen Chartbild und einem desaströsen Sentiment einen Kurssturz auszulösen. Dazu ist es dann auch gekommen.
Nach den Quartalszahlen ist die Aktie um 30 % eingebrochen.
Währung, Werbung, Earnouts: Die versteckten Kostentreiber
Neben diesen Belastungsfaktoren gibt es ein weiteres Problem: Die Lage bei Wix ist unübersichtlich und ohne größeren Zeitaufwand kaum zu durchschauen. Das fängt schon bei der Frage an, warum Wix plötzlich keine schwarzen Zahlen mehr schreibt.
Der größte Belastungsfaktor waren aggressive Marketinginvestitionen. Wix hat massiv in die Vermarktung von Wix Harmony und Base44 investiert. Allein die Super-Bowl-Werbung kostete rund 24 Millionen US-Dollar.
Dadurch sind die Vertriebs- und Marketingkosten im Vergleich zum Vorjahr um 88 % gestiegen.
Hinzu kommen hohe Investitionen in künstliche Intelligenz. Besonders Base44 verursacht derzeit erhebliche Rechenkosten. Neue AI-Nutzer erzeugen zunächst hohe GPU- und Inference-Kosten, bevor sie ausreichend monetarisiert werden können.
Doch das ist der Preis, wenn man Marktanteile gewinnen will.
Der ausgewiesene Verlust wurde zusätzlich durch bilanzielle Effekte verzerrt. Da das Wachstum von Base44 alle Erwartungen übertroffen hat, sind hohe Earnout-Zahlungen angefallen, die das Ergebnis zusätzlich mit rund 38 Mio. USD belastet haben.
Zusätzlich belastet der starke israelische Schekel. Da Wix einen erheblichen Teil seiner Mitarbeiter in Israel beschäftigt, steigen die Personalkosten durch Währungseffekte spürbar an. Das könnte Wix in diesem Jahr rund 64 Mio. USD kosten.
Der Markt reagiert gnadenlos
All diese Faktoren tragen dazu bei, dass die gemeldeten Zahlen schlechter aussehen als die operative Realität. Darüber hinaus sind die hohen Marketingausgaben einmalig und im Gegensatz zu den Abo-Einnahmen nicht wiederkehrend. Es findet schließlich nicht jede Woche ein Super Bowl statt.
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde bestätigt. Wix erwartet 2026 ein Umsatzwachstum im mittleren Zehnerprozentbereich und eine FCF-Marge im hohen Zehnerprozentbereich.
Ohne Sondereffekte liegt die FCF-Marge voraussichtlich im niedrigen bis mittleren Zwanzigerbereich.
Daraus ergibt sich eine simple Rechnung: Sollte der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr um 14 % steigen, entspricht das 2,27 Mrd. USD. Bei einer anzunehmenden FCF-Marge von 18 % würde Wix einen freien Cashflow in Höhe von 409 Mio. USD erzielen – trotz all der Belastungsfaktoren.
Das entspricht einem FCF von 9,77 USD je Aktie. Meilenweit entfernt von den Konsensschätzungen in Höhe von 7,04 USD je Aktie.
Je nachdem, welches Szenario eintrifft, kommt Wix auf einen forward P/FCF von 7,9 oder 5,7.
Bei Permira dürfte in Anbetracht dieser Tatsachen schlechte Stimmung herrschen. Denn die Private-Equity-Gesellschaft hat vor etwa anderthalb Jahren für den Wix-Konkurrenten Squarespace einen P/FCF von über 20 auf den Tisch gelegt.
Falls Sie also in Wix investiert sind, sollten Sie milde mit sich selbst walten lassen. Die Profis haben es auch nicht besser gemacht. Permira dürfte mit dem Deal Milliarden versenkt haben.

Und es ist auch noch nicht aller Tage Abend. Es wäre schließlich nicht das erste Comeback der Aktie.
Aktuell notiert Wix nahe der Tiefstkurse von 2017, 2018 und 2022. Fällt die Aktie jetzt unter 50 USD, muss mit weiteren Verlusten in Richtung 43 oder 38 USD gerechnet werden.
Gelingt ein Anstieg über 57 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 65 oder 73 USD einleiten.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.05.2026 um 14:25 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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