Viele Anleger achten auf Quartalszahlen, die erfolgreichsten Investoren achten auf außergewöhnliche Geschäftsmodelle.
Warum Union Pacific praktisch konkurrenzlos
Union Pacific gehört zu den bedeutendsten Eisenbahngesellschaften Nordamerikas und ist eines der wichtigsten Infrastrukturunternehmen der USA. Das Unternehmen betreibt ein Schienennetz von rund 52.000 Kilometern in 23 Bundesstaaten im Westen der Vereinigten Staaten und verbindet die Pazifikhäfen mit den industriellen Zentren im Mittleren Westen sowie der Golfküste.
Dadurch nimmt Union Pacific eine Schlüsselrolle im amerikanischen Güterverkehr ein.
Das Geschäftsmodell ist außergewöhnlich robust. Der Bau eines konkurrierenden Schienennetzes wäre praktisch unmöglich, da die Investitionskosten enorm wären und regulatorische Hürden den Markteintritt nahezu ausschließen. Union Pacific verfügt deshalb über einen nachhaltigen Burggraben.
In den meisten Regionen konkurriert das Unternehmen lediglich mit der Berkshire-Tochter BNSF Railway. Im Endeffekt handelt es sich um ein Duopol und in Teilbereichen um ein Monopol.
Transportiert werden nahezu alle Güter, die für die US-Wirtschaft wichtig sind. Dazu gehören Container aus Asien, Agrarprodukte wie Getreide und Düngemittel, Chemikalien, Kunststoffe, Fahrzeuge und Autoteile, Baustoffe, Industrieprodukte sowie Energieprodukte.
Die breite Diversifikation sorgt dafür, dass Schwächen einzelner Branchen meist durch andere Segmente ausgeglichen werden können.
Preissetzungsmacht statt Preiskampf
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist der Intermodalverkehr. Dabei werden Container zwischen Schiff, Bahn und Lkw transportiert. Da die Bahn über lange Strecken deutlich günstiger und energieeffizienter ist als der Straßentransport, gewinnt dieser Bereich kontinuierlich an Bedeutung.
Ein weiterer struktureller Vorteil liegt in der hohen operativen Hebelwirkung. Das Schienennetz verursacht unabhängig von der Auslastung nahezu dieselben Fixkosten, während zusätzliche transportierte Güter kaum zusätzliche Kosten verursachen.
Steigen Transportvolumen, Auslastung und Güterpreise, wachsen die Gewinne daher meist überproportional.
Warum die Großinvestoren wieder richtig lagen
Daher hatte ich mich bereits mehrfach positiv zur Aktie geäußert, zuletzt bei einem Kurs von 235,88 USD (Union Pacific: Wenn die klügsten Investoren zugreifen).
Damals griffen Klarman, Loeb und Ainslie bei Kursen zwischen rund 211 und 241 US-Dollar zu. Heute notiert Union Pacific bei über 300 US-Dollar und hat den Gesamtmarkt deutlich hinter sich gelassen.
Die Investoren haben nicht auf eine kurzfristige Erholung spekuliert, sondern auf die außergewöhnliche Qualität eines Unternehmens gesetzt, dessen Wettbewerbsvorteile sich über Jahrzehnte kaum verändert haben.
Auch die damalige Bewertung erscheint rückblickend bemerkenswert. Während viele Anleger damals auf kurzfristige Konjunktursorgen blickten, konzentrierten sich die Großinvestoren auf die langfristige Ertragskraft des Unternehmens.
Diese langfristige Sichtweise hat sich ausgezahlt. Der deutliche Kursanstieg zeigt einmal mehr, dass Qualitätsunternehmen oft gerade dann die besten Chancen bieten, wenn die Stimmung verhalten ist.
Der Fall Union Pacific ist damit ein weiteres Beispiel dafür, weshalb sich ein Blick in die 13F-Meldungen der erfolgreichsten Investoren lohnt. Natürlich liegen auch sie nicht immer richtig. Doch wenn mehrere renommierte Fondsmanager unabhängig voneinander zugreifen, ist das häufig ein starkes Signal.
Rekordzahlen statt Rezessionssorgen
Seitdem hat sich das Geschäft von Union Pacific erfreulich entwickelt. Die Wachstumsdynamik hat zugenommen, die Erwartungen wurden größtenteils übertroffen und die Aktie hat ein neues Allzeithoch erreicht.
Im ersten Quartal konnte der Umsatz um 3 % auf 6,2 Mrd. USD und der Gewinn um 9 % auf 2,93 USD je Aktie gesteigert werden.
Am 23. Juli hat Union Pacific die Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt. Demnach lag der Gewinn mit 3,41 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 3,20 USD. Mit einem Umsatz von 6,90 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 6,65 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 12 % und einem Gewinnsprung um 13 %.
Darüber hinaus wurde die Prognose erhöht. Der Gewinn soll im „hohen einstelligen Prozentbereich“ zulegen. Bisher hatte Union Pacific einen Anstieg im „mittleren einstelligen Prozentbereich“ in Aussicht gestellt.
Die Prognostiker sind noch etwas optimistischer und gehen derzeit von einem Gewinnsprung um 12 % auf 13,05 USD je Aktie aus.
Union Pacific wird demnach mit einer forward P/E von 23,5 bewertet. Das ist mit Blick auf die Charakteristiken des Geschäftsmodells und im Verhältnis zu den vorliegenden Wachstumsraten vertretbar.

Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 21,1. Eine höhere Bewertung ist nur zu rechtfertigen, wenn die Gewinnsteigerungen höher ausfallen als in der Vergangenheit (der langfristige Durchschnitt liegt bei 8,4 %).
Derzeit scheint das der Fall zu sein. Aus Sicht der Bullen sollte der Gewinn jedoch auch in den kommenden Jahren überdurchschnittlich stark steigen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.07.2026 um 10:47 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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